Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

Page: 349_350
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1878/0180
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
350

319

Die historischs Ausstellung Fnesluuds zu Leeuwurdcu inr Spätsomuisr 1877.

die Schmucklüsiakeit ist bis auf einen gewissen Grav
motivirt; denn während der Vor- und Zuschanerraum,
d-m heiteren Genusse dieneud, stimmunggebend, m reichem
»estgewand uns entgegen zu tretcn hat, s°ll das Bnhnen-
haus, als ein der Arbeit, dcm strengen Dicnst dcr .Ansen
gewidmeter Raum, im Werktagsklcid stch darstellen.
Dennoch mill xs scheinen, als hätte der Ar )itct aus
Kostcn der malerischcn Wirkung dem Charakteristisch'M
°">e zu große Koncession gemacht. S° schbn die Lchan-
i«t- des Gebäudes ist, cin belebendcr plastischer Giebcl-
ichmuck hätte ,die Wirkung noch crhöht; "ud°r sre, , ^
"'ußte die Ausschmiickuug des großen Giebel eldes der
Kosten wcgen unterbleiben. Nauientlich aber hatten vi
'»°hen kahlcn Seitenwäude des Biihnenhauses eine ver-
miltelnde Dekoratiou vertrageu, indcm die Linnn e
Hauses, von der Elbe her, jetzt etwas hart die maleris -
bcwcgte Silhouette dcs Thcaterplatzes dnrchschneiden.

(Schlub folgt.)

^ ^storische Ausstellung Frieslauds zu §eeu-
wardeu im Spätsommer s877.

hist ^ubember vorigcu Jahrcs geschlossene

^^orischx Ausstelliiug friesländischer Alterthümcr zu
'st das "ch'" derartige Unternehmen, welches
stell Hulland seit dcr ersten retrospektivcn Ans-

^ ''Ug zu Ulrecht im Jahre 1857 nacheiuandcr in dcn
^"'sterdam (1858, 1873 uud 1876), Delft
chint^ ' ^'bbelburg (1870) uud Zaandaam (1874)
P. ' ^ureguug kiinstsiiiniger Pfleger der Vorzeit aus
^'""»itteln hat eutstehen sehen.
beiier ^ Borgängerinneii, hat anch die Leeuwar-
, "^stblluug wiederum einen reichen Schatz histo-
^uinneruiigen uud Kuustdeukmäler an's Licht
"E' welche für die Forschuug friesischer Kultur-
"'""8 Vvn crgiebigsterBedeutnng sind. In 19 Sälen
lvse ^uuridoren eines architektonisch zicmlich schuurck-
Mis",' desto behaglicher iih räumlicher Beziehung
zweislllgeligen Schlosses des Königs von
3eb/!^ »wn das umfangreiche Material unter-
M" '"°bches ein sehr zweckmäßig eingerichteler und
^^^opfender Katalog erläuterte. Die Ausstelluug selbst
de,i> ""/'U'uenten Sinne eine historische. Wenn man
schi^'.'üß aber auch in der Aufstellung eine dem ge-
stben« M Entwickelungsgange des heiniischen Kultur-
"chtet ^^^""chcnde Reihcnfolge im Allgemeincn beob-
dvch^ ^"e, so schien das Prinzip dieser Auordnung
wich ^""^uial aus Nücksichten auf den Reiz einer
^^eren Abwechseluug oder des malerischen Zusammen-
sach/"b "bsichtlich durchbrochen zn scin, allerdings viel-
Sy ^asten der wissenschaftlichen Uebersichtlichkeit.
besch^-^^ Eingangssaal im linken Flügel des Erd-
welcher die geolvgische Formation Frieslands

in dcn vcrschiedcucn Gestcinsarten, dessen vorweltliche
Fauna und die Ausgrabungeu der ersten menschlichen
Kulturperioden anfwies, aus dcn Pctrefaktcn und dcn
Thpen rudimentärster Geräthe und Waffen der Stein-
und Broucezeit unmittclbar dancben in eincn Naum der
behaglichsten Wohnlichkeit, in einc friesische Zimmerein-
richtung aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Bo-
dcn schimmern schwarze und rothe Stcinfliesen, ctwa
einen Meter hoch längs dcn WLnden ziehen sich wciße
und blaue Fahenccplatten hin mit kühuskizzirtcn landschaft-
lichcn und figürlichen Vorwürfcn, über dencn sich die
glänzcnd braune Eichenholztäfelung erhebt. Jn dcr
linken Langseite desselben befinden sich zwei cingebaute
Lagerstätten mit Doppelthürcn, in kleincn Füllungen
verarbeitet, an deren Stelle in der oberen Reihe je zwei
offene Grillagen tretcn. Zu den Betten führt eine be-
wcgliche Trcppenstufc; ncben dcrselben lehnt dcr Bet-
stuhl und in dcsscn umnittelbarer Nähe cin Fcucrschirm
und vier kleine Kohlenbehältcr zum Wärmen der Füße.
Ueberall, wo an den übrigen Wandseiten die Täfelung
Thür- oder Fensteröffniingeu umkleidet, werden die letz-
teren jedes Mal von cincm Aufsatze überragt, auf deni
sich hvlländisches und chinesisches Porzcllan in der wechsel-
vollsten Ziisammenstellung von Farben und Formcn auf-
gestellt fiudet. Jm reichstcn Schmuck dieser Art prangt
aber der liuks von der Eingangsthür in's Zimmer
hineinspringende mächtige Schornsteinmantel mit an der
äußeren Kante und über dem Heerde angebrachten Holz-
galerien, welche Schüsscln und Küchcngeschirr in den
iinglanblichsten BUlsterungcn aufnchmen. Den Ehren-
platz der Stube bchauptet ein zierlich gedeckter Thcetisch,
um den auf hoheu grüngestrichencn Stühlen vicr lebeus-
grotze Kostümfigurcn, Maun und Fran, ein jungcs
Mädchen und ein kleincr Kuabe in der fricsischen 9ka-
tionaltracht aus dem Schlusse des 17. Jahrhunderts
Platz genommen. Eiuen Hauptschmuck der Eiurichtuug
bilven dann endlich noch cin größcrer und ein klciuerer
Reuaissanceschrank mit rcich geschnitztcn Thürfüllungen
und Friescn auf bcsouderen, in gleichcm Charakter skul-
pirten Uutergestellen, welchc augeuscheinlich dcn Zweck
haben, das Möbel im Falle der Wassergefahr zn schonen.
In ähnlicher Weise wie durch das vorgedachtcWohnzimmer
wurde dann auch noch durch cin AmelaudischeS Wohn-
und Schlafzimmer und eine änßcrst cinladcndc altfrie-
sische Küche nebst vollständigcm Mvbiliar die chrono-
logische Serie der historischen Alterthümer unterbrochen.
Waudte man sich nach diescn Abwcchselungspunkten den
Gruppen der letztcren zu, so folgten nacheinander antike
und mittelalterliche Funde und Geräthe, Siegelstampfen
Münzen, kirchliche Gefäße und Stoffe, Möbel und
Hausgeräthe der Nenaissanccperiode, Steinkrllge, vene-
tianische und deutsche Gläser in fayonirter, geschliffener
oder emaillirter Arbeit, Werke der Metallkunst, goldene
loading ...