Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Korrespondenz.

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^ur bei der Eva käme das nach Vvgelin's Angabe auf

Rechnung der Reproduktion. Das verknrzte Gcsicht des
fliehenden Adam, durch den Holzschneider nicht fein gcnug
ausgefiihrt, ist freilich fnr Vögelin im Holzschnitt „fast
p^rrt", ini Wandbilde „voll und schön".
nicht genug Platz war, ist der Engcl bei der
zu sehr zusainmengeschoben; statt kräftig

afsenhaft
Da oben

Vertreibung ^ o-„.„> >

auszuholen, inacht er nur eine handlungslose Geste nnt
^em Schwert. Jn der zweiten Grnppe ist bei dein
^dendcn Adam die kräftige Aktion vorwärts lahmer,
und der Tod, statt sein Werkzeug ebenfalls schräg zu
halten, bohrt es scnkrecht herab. So crgiebt sich der
'luschein, als vb cr, wie Vögelin will, Adam v Wcrk-
teug untersperre. Auf dem Holzschnitt ist davon keine
^ede, der Tod äfft den Menschen. Das ist sein Brauch
uberhanpt (Jak. Grinini, Dcutsche Mythologie, Kap. 22).
^vllte dcr Tod der Arbeit Adam's Halt gebieten, so
lbese dies: cr nimint ihn gleich darauf uüt, Adam s
^"de ist da. Holbein hat das nicht gcmeint. Er zeigt
^ Paar in der crsten Zeit nach der Vertreibung, Eva
sul nnr ein Kind, den Kain, an der Brust. Dcr Nialcr
'u Ehur hat zwar durch einen älteren, an die Biutier
belehnten Knaben das Pärchen zu Kain und Abcl ver-
^llständigt. Aber nähme man selbst an, im Holzschnitt
>el dcr driite Sohn Seth gemeint, so paßte auch dafür

^e Darstellung
^cth's Geburt

von Adam's Ende nicht, dcnn nach

3ahre.

lcbte Adam nach der Schrift noch 800

Jn diese schon gedrängte K°u>p°sttwn s
"°ch rechts oben, bei Aufopferung des charakter °ll
^»bschastshintergrundes, das Beinhaus seklmuu ,

8»»z kieinen Gcstalten und in der Figurenzahi vere -
sacht. So ging die inerkwürdige Gestalt uut cn r
tuw Tracht eines Lebenden, der langen >a» e,
^ylinder-Filzhut vcrloren. Vögelin hüst st > ^ '

läßt den Holzschneider nur aus M'ßue»stan mß s'
'iner Schaufel den Hut anbringm und hat uberst st ,
buß dieser znm Wesen des Bildes gehort^ dM di ,

ürottesken Maskerade die Weiberhaube der ^°dtt S s
«"t Hängebrüsten am Nande eiitspr'cht. Deu Sp,tzb°g
Kapelle hat der spätere Maler durch den Rundbogei

ersttzt.

(Schluß folgt.)

Aorrespoildenz.

Venedig, Anfang December 1877.
Zbi,s.^.?^.^uuitschek hat im letztcn Septemberhcfte dieser
Frcs?^ in seinem Anfsatze über Paolo Veronese nnd die
E>i>„ der Villa des Conte Emmo-Capodilista (nicht
^end« ^^es) in Fansuolo mit der ihnen gebüh-
Neiii' ^'chtigkeit behandelt. Bis jetzt hatten nnr
diirfi^ biesen Fresken eine Ahnung. Umsomehr
stch die Lcser dieser Zeitschrift über die Nach-

'cht freuen.

daß in kürzcster Zcit ein Werk erscheincn

wird, welches in 40 großcn Heliotypien mit begleiten-
dem Textc die Billa illnstrirt. Es wird dieses Werk
bei dem Verfertiger der Heliotypien, dcm Architektcn G.
B. Brusa in Venedig, im Selbstverlage erschcinen und
zwar in Liefernngen, deren jede fünf Blatt enthalten
dürfte. Die erste Lieferung wird eine Auswahl dcr ver-
schiedenartigen Darstcllungen in den Sälen der Villa
geben. 2n der Vortrefflichkcit der Wiedergabe ist
Brusa, selbst enthusiastischer Künstler, den Bestcn bei-
zuzählen, welche sich bis jctzt mit solchen Reproduktionen
von Bildern direkt befaßt haben. Nur war es sehr
schwer, die richtige Auswahl zu treffcn und derselbcn
Zügel anznlegen. Am licbsten hätte Brusa Alles ge-
gegeben, wodurch jedoch das Werk allzu umfassmd ge-
worden wäre. Der getroffencn Auswahl können wir
nur Beifall spenden. Da sLmmtliche Fresken nicht
Decken- sondern Wandbildcr sind, ficl cine der Schwierig-
keiten, welche sonst zu bewältigen sind, weg, wcnn-
gleich oft sehr hoch angcbrachte Giebelfiguren für den
Apparat schwer zu erreichen waren. Hoffen wir, daß
es dem vielseitig beschäftigten Manne gelingcn werdc,
uns recht bald mit dem genanntcn Wcrke zu erfreuen!

Während wir dies schreiben, kann die von ihm
iinternommene Restauration des Palazzo Dolfino bei S.
Pantaleone, Ponte Foscari, als beendet betrachtet wer-
den. Durch Jahrzehnte hindurch als gefährliche Ruine
bekannt, enthielt dieser Palast Wandgemälde auf Lein-
wand, wclche Niemandem andcrs als Tiepolo zugeschrie-
ben werden. Sie wurden von dem Antiquar Guggen-
heim, welcher den Palast billig an sich brachte, nach
St. Petersburg verkauft. Von Guggmheim kaufte
Brusa den seines schönsten Schmuckes beraubten Palast,
welcher jedoch in seinem Hauptsaal noch eine prachtvolle
barocke Deckenmalerei, freilich in schrccklichem Zustandc,
beherbergte. Dieser Hauptsaal nimmt ein ganzcs

Stockwerk mit riesigen Nundbogenfensteru ein. Brnsa
that es in der Seele leid, daß die großartige Decken-
freske der Zerstörung anheim fallen sollte. Er unter-
nahm es, die wie ein Segeltnch hcrabhängende Malerei
wieder zu bcfestigen. Es gclang ihm, dieselbe so restau-
riren zu lassen, daß sie heute in voller Pracht wieder
von der Herrlichkeit des vergangenen Jahrhunderts
zeugt. Die aus dem 17. Jahrhundert stammende Fayade
dcs Palastes restaurirte Brusa in prächtigem Material,
ohne den Kanal abzusperrcn, die ganze gegen 75' hohe
Fayade unterfahrcnd. Dic eutblößten Wandflächen des
genannten Saales bekommen eben jetzt neuen Fresco-
schmuck.

Gegcn den Garten des Palastes erbaute Brusa ein
Treppcnhans, welches dem Palast fehlte, legte vor den
Festsaal cin Vestibül und errichtete einen Hinterbau,
welcher die bci festlichen Anlässen nöthigen Nachbar-
ränme enthält. Außerdem legte der Architekt, ge-
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