Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Kunstliteratur.

wclches Bild jetzt die Dreifaltigkcitskirche in Christiania
schmnckt; sein letztes Werk, eine Skizze, „Die Grund-
steinlegung Christiania's durch Christian IV.", nber
wclcher ihn der zu frühe Tod crcilte, bildetc die letzte
Nrumner der Ausstellnng.

Mit der Tidemanb-Ausstellung war gleichzeitig eine
andere in Vcrbindung gcbracht, welche drei Säle füllte
uud Werke verschiedener anderer nordischer Künstler zur
Anschauung brachte. Darunter verdienen vornehmlich die
Namen Gude, Munthe, Arbo, Morten-Müller,
Lorch und Dietrichson Erwähnung; im Uebrigen ver-
ließ uns in der ganzen Ausstellung nicht das Gefühl,
als hättcn dic mcist im Auslande lebenden Künstlcr auf
den Mangel an Kuustverständniß ihrer Landsleute ge-
rechnet und gcwisse Bilder eigens unter dem Motto
„billig" für Christiania gemalt. « s

Auiistlitcratur.

Hagen, Eduard da», Der Zeichcn-Unterricht. Eine

methodische Anlcitung. Mit 10 Tafeln bildlicher

Darstellungen. Erfurt, Fr. Bartholomäus. 19S. 4.

Dcr Verfasser, Lehrer des Modellirunterrichtes an
der königl. Kunst- und Bauhandwerkschule zu Erfurt,
wünscht mii vollem Nccht eine größere Werthschätzung
dcs Zeichenunterrichtes und zwar besonders auf den
höheren Schulcn, speziell deu Gymnasien, und findet in
der dort meist herrschenden Geringachtung dieses Unter-
richtes den Grund des „so häufig in gebildeten Kreisen
bei Beurtheilung von Kunst und Kunstgewerbe" hervor-
tretenden „erschreckenden Mangels an Verständniß, wel-
cher um so grcller wirkt, je bedeutender die soustige
Bildung oder Stcllung der Personen ist". „Dann
würdcn die zuküuftigen Gelehrten die Bedeutung der
klassischen Völker, speziell der Griechen, nicht nur aus
Sprache und Dichtung, sondern auch an jenen Meister-
werken plastischer Kunst und Kunstgewerbes studircn, in
denen sich dcr griechische Geist bekanntlich am deutlichsten
vffenbart hat." Die Wurzel dcs Uebels findct er wohl
mit Recht in der nicht genügenden Ausbildung der
Zcichenlehrer, deren Erziehung jedvch keineswegs von
einer „Central-Bildungsanstalt" znr Erreichung einer
einheitlichen Mcthode wird ausgehen inüssen. Die
Hauptsache wird sein, daß der auch vom Verfasser
euergisch in den Vordergrund gestellte Satz, dcr Zeichen-
unterricht solle in erster Linie zur Erwcckung des
plastischen Gefühls dicnen, dcn leiteuden Gedanken beim
Unlerricht bildet und thatsächlich durch ihn erreicht wird.
Der Weg dazu wird aber wohl nicht blos ein einziger
sein. So scheint der vom Verfasser vorgeschlagene Weg
doch mehr auf ein rasches Einführen in das gcwerbliche
Zeichnen Lerechnet zu sein als für die Schule, welche
allgemeiue Bilduug und nicht gcwerblichc Fachbildung

zum Ziele hat. Gerade zur Erlangung der aügeineim'U
Bildnng und des dazu gehörigen Verständnisses plajti-
scher Schönheit scheint es nns z. B. nicht richtig, das
Zcichncn menschlicher Formen im Allgcmeineu ausziu
schlicßen. Und sollte wirklich das Zeichncn nach den>
Körperlichen durch Zcichnen nach dem Relief ani beste»
vorbercitet werden, während dock, das Berstäridniß ves
üieliess auf dem des Vollkörpers beruht? -2o wisd
man auch noch in andern Puukten, wie in dem Z'""^'
führen lebendiger Formen auf mathematische Schemata/
andrer Ansicht als dcr Verfasser sein können unb do)
dajselbe Ziel verfolgen und crreichen. Viel wichtige'
als eine solche Einheit in der Ausbildung des Zeichem
tehrers scheint uns aber ein andrer Punkt zu jeim
Gerade auf einer höheren Schule muß der Zeichenlehrcr
ctwas niehr als Fachlehrer sein; er muß selbst einen
solchen Grad allgemeiner Bildung besitzen, daß ihn ^
-Lchüler in diesem Punkte nicht überragen- t§r daU
Z. B. nicht auf dem Gebicte der alten Welt cin Laie sew,
kurz, er muß selbst humanistische Bildung besitzen.
Achtung, wclche die Jugend dem Lehrgegenstande zvlltz
hängt nicht von der Bedcutung ab, wclchc die Behörve»
ihm zuschreiben. sondcrn von der geistigen Beveutung-
welche der Lehrer den Schüler empsinden läßt, tMd
diese wird ebeuso wie der thatsächlich ausgcübte Eu>-
sluß bei dem Zeichenlehrer nicht groß sein, weuu jen^
Bildungselement fehlt. Wic viele Zeichcnlchrer wäre"
denn wohl im Stande, einen anregenden Einblick >» ^
Kunstgcschichte zu gewähren? Und das ist »ockl
ihnen am nächsten licgende Seite huuianistischer
dung und zugleich die, welche das mciste Jnteresse nl'ir
dic Ausbildung technischer Fertigkeit hiuaus gewah"'"
kvnnte. Die seminaristische Bildung genügt allein vnr-h'
aus nicht, und doch ist sie die glegel.

Vorliegeude Schrift, welche nur anregcud wirb'"
kann und die besonders in den Ausführungen über v-r
Technik den tüchtigen Praktiker zeigt, cmpfehlen wir vr"
Männern von Fach aus's Augelegentlichste zu

der Prüfung.

V.

ati»'.'^> 2 bem Sammclwerke „Kunst u»d Künstler dcs M '
tmt ä w herausgegebeu vou Robert D°l

ha d,e sLorlagshaudlung, E. A. Seemauu in Leipzig, «eM
so """ auf deu Markt geLU>^

Rbsum>e^E^"" Gauzeu 44 Lieferuugeu worliegen ""b ^
Alschlusi des ganzen Untornehmens 'iu uicht gnr zu lm'b ,

aröüän Der zmeite Bnud, dessen Lücke»->

^ durch Beiträge von Lemcke (Rembrandt, 2V

Reb er <R. AtengS), endlich durch die von dem Hernu 1
selbst besorgteu Abhandluugen über Schlüter und
iviecki gefüllt ivurdeu, hat uuuiuehr seinen Abschlusi Mst
Dnmit ist zugleich die ersts Abtheilung des Ganzen,
und Niederländer bis zur 2. Hälfte des 18. Zahrch ^.^ss-
umfassend, in zwei stattlichen, reich und fast durchw°l
lich illustrirten Bäuden vollständig geworden. -7 h-

Band, der mit der Abhaudlung über die Pisam vo
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