Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Nekrvlog.

203

Radirungen van Dyck's.

Peter Breughel. 855 Mk.

Cornelissen (II. Zustand nnt der Bearbeitung

Vorstermann's) ...... - 320 „

van Dyck.28ÜU „

Leroy.2160 „

Suttermans.>290 „

Vorstermann . 2230 „

Stiche nach van Dyck.

Aremberg (Bolswert) I. Zustand . . 205 Mk.

Coster (Jode) >51 „

van der Geest (Pontius) „ ... 380 „

Gustav Adolf „ „ .... 321 „

Rubens (Pontius) I. Zustand .... 401 „

„ „ II. „ .... 201 „

van Dyck (Vorstermann) I. Zustand ... 260 „

Envlich sei bcrichtet, — lust dut not Isust —
daß cin Probedruck von der Actzarbcit dcs zweitcn Por-
träts Jodocus Mompcr's (dessen Authcntieität zudem
Duplessis und Wibiral, Nr. 88, bestreiten), mit 4750
Mk., und das bproccntige Aufgeld hinzugerechnet mit
4987 Mk., sage fast fnuftausend Mark bezahlt wurde!

* H

*

Ueber das jnngste Ereigniß auf dcm Frankfnrtcr
Kunstmarkt erhalten wir noch eiuen eingehenderen Be-
richt von anderer Seite, wclchem wir die nachfolgenden
Daten entnehmen:

I. Die nachgclassene Sammluug des Lr. Wolss
aus Bonn, hauptsächlich in einer äußcrst reichhaltigcn
und gewählten Sammluug der Portraits von und nach
van Dhck bestehenv, stammte zum großen Theil auS der
Verstolk'schcn Nachlassenschaft. Schwerlich konnte irgeud
einc Privatsammlung der van Dhck's mit dieser an
Schonheit und Neichhaltigkcit wetteifern. Dem ent-
sprechcnd erreichten dcnn auch die Preise einc bis dahin
nicht gekannte Hvhe. So wurde von dcm Porträt von I.
dc Momper die erstc Platte mit 810 M. und die zweite
Platte mit 4750 M. bczahlt. Bcidc selbstredend im
ersten Zustande. Jn Betreff der zweiten Platte von
I. de Momper ist zu bemerken, daß cs außcr diesem
Exemplar uur eiu zweites im Britischcn Muscum gibt.
Bekänntlich bezwcifelt Hr. Duplcssis, Konservator des
Pariser Kupferstichkabincts, die Echtheit dieses Blattes
in seineu Notcn zu dcn Heliographieu der Portraits von
van Dhck von Ainand-Durand, aber sicher mit Unrecht,
dcnn das Blatt steht vollkommen auf der Höhe dcr
van Dhck'schen Leistungen. Dicsc zwcite Platte mochten
wir abcr die erste nenncn, dcnn Momper crscheint auf
derselbeu um einige Jahre jünger als auf dcr ersten.

(Schluß folgt.)

201

Ne krolog.

, Nichnrd Lucne l'. Die dentsche Kunst, der preußischc
>Ltaar haben einen schwcren Verlust zn beklagen: Richack
Liieae, einer der hervorragendsten Bcrlincr Architckte»,
änrcktor der Bau-Akademie, ist in der erstcn Frühst»»»''
des 26. Novembers geschicden. Ein Unterleibslewc>>,
das schon lange an dem kräftigen Organismus gernt»'
hatte, brach in den letzten drei Wochen mit Hcs»!l»>.
aus und steigcrte sich in jähem Verlauf so rasch, dab
der todtlichc Ansgang unvermeidlich war. Än vollcr
tNanneskraft, in der besten Epochc dcs Lebens, wo du
langbewahrtc Frische der Jugend sich mit der Reife ves
niannlichen Alters zu glücklicher Wirkung dnrchvrmP'
ninßte er den Schauplatz eincr Thätigkeit vcrlasscn, d»
c>st Z»n> Heil der Kiinst und des Staates beginnc»
solltc, fich ju pj-n weitesten Bahnen zu entsalten, ds»
hvchsten Zielen sich zuzuwcnden. Das Schicksal fi>h>h
ih» bis dicht an die Schwelle des gelobten Landes,
seuie künstlerische Seele sich langc ersehnt hatte; abei
u» Augenblicke, da er mit voüer Krast dcn neucn Bodc>
betreten sollte, strcckte ein grausamer Faustschlag ih» >>>((
dcr. Die Natur hatte auf ihn einc Fiillc von Gado
auogegossen, wie sie in solchcm Verein nur ihren L»'h
luigeii zu Theil wird: Neichthum der Phanlasie, Wär>»c
der Begcisterung, dazu Klarheit des Vcrstandes, Bs-
svnnciiheit dcs Nrtheils, Schärfe im Erfassen und Eneig»
un Festhalten des als richtig Erkannten, unbeugsa»»
Wahrheitsliebe und Offenheit, dazu aber die siäie»
Freiheit weltgewandtcn Auftretens, die ihm die erfolg-
reichste Wirksanikeit verbürgte. Wie oft in jüngcre»
^ahrcn, wcnn die clastische Gestalt mit dem hcllbloiivc»
Rops und dem heiter strahlcnden Blick sich zeigte, >Ü>
er uns an den altgcrmanischcn Lcnz- und Lichtgo»
Balder gcmahut! Und nun sollte er ihm auch ini frühc»
Tode gleichen!

Geborcn am I2.April 1829 in einer aiigcsehe»)'»
Burgerfamilie Berlins, empfing Iiicharv Lucae >>>
eltciiichen Hausc schon srüh jenc künstlerischen Einvrüc»'
welche bestiinmend für seine Lebcnsrichtung werdeu si' >(
tc». Der edle frühvcrstorbene Architekt Soller, der »>-'
Brnder sciner Mutter in täglichem Verkchr mit sei»c>»
Vaterhanse stand, mag zeitig durch die ideale Richt»»b
seiner ciuf Schinkel's Traditionen beruhenven Kunst ^
stunmend auf den lebhaften Knaben eingewirkt hab^'
'Nicht minder förderlich war die Verbindung »>>t d>'»>
wackercn M. Ungcr, der als täglichcr Gast und trcucr
Hausfreund im Lueae'scheu Kreise verkehrle und dnr»!
sein auregeudcs humoristisches Wesen, besondcrs
durch seine künstlerischcn Bestrebungen auf den phantastc/
vollen Knaben Einfluß gcwann. Der „Onkel Unger ,
wie cr in der Familie genaunt wurde, hatte in dc>
Armee gedicnt, abcr als Hanptmann seine Entlass»»b
genominen nnd gab sich nun mit Pinsel und Pale»c
seinen künstlerischen Liebhabcrcien hin. Er üble >»>»'
zu klare Selbstkritik, als daß er sich zu den schvpfcrischc»
Geistern hättc zählcn inogen; seine Natur ucigtc vic>-
»ichr zu sinniger Betrachtung nnd philosopbischer Sp>''
kulation. Er hatte sich eine tüchtige Kenntniß ver alte»
Meister augccignct und wußte d'icselbe, so lange »>c
bctreffendeu Objckte uicht in sein Eigcnthum iiber-
gegaugen warcn, mit Freiheit auznwcnden. Hatte >'>
aber, wie es vflers aus seiuen Reisen vorkäm, altc über-
malte und verdorbene Bilder an sich zebracht, mit h>»'
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