Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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15-Iahrgang.

Leiträge

sind mi pros. Dr.L. von
^"Üom (Mr,,, Tücrc-
liannnnwssr 25,) otrr n„
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^-VZ>S zn richlen.

!- August

Nr. H2.

-Iuscratc

^ 25 j?f. für die drei
Mcil gespalkene j?etit-
zeile werden non jel»er
Auch- u.Runstliandlung

^878.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erfchcint jcdc wochc n„, Donncrstnn. für dic Abonncntcn dcr „Zcitschrift für l.ildcndc Runst" nrntis, für sich nllcin I'czoncn kostct
Zahrgnng s Mnrk sowohl „n Bnchhandcl als auch bc, dcn dcinschcn „nd östcrrcichifchcn postnnstnllcn. ^

- "hnlt: von der pnrifer weltailsstcllung. V. — Dcs piero degli ^rnnceschi drei

, . __„nsstellung. V. — vcs piero degli jranccsch, drc, Büchcr von der Perspcktive. — lul. kcffinn Mustcr altdcn,.

sch-r kcincnstickcrci. - Ausstellunn des «unstvcreins für Uhcininud u„d westphalen. — Rongrcfil'ild: D'cr Ba» dcr kaikcrl Mufccn i„
w,c„: AusINünchcncrAtclicrs: DicNadcl dcrAIcopatra: Dcr kunstlcrischcNachinß vonLhr.Nist. Linncsandt. -Bcrichtinunn ünscrätc

Non der Aariser Meltausstcllung.

V.

England. — Zweitcr Ariikcl.
englischc Kunst wurzelt i»i Lebeu, wie die
iuederne Litcratur Englauds. Daruiu habeu beide
'icheiiinngsformen dcs euglischcu Geistes eiueu ver-
^aiidten Charaktcr. Dic niodernc Nviiiauliteratur
'glands insbcsoudere. die sich gcrade iu dcui letztcu
"^Zehnt zu einer Bliithc cntfaltet hat, welchc die
^ uchen Litcraturzweige iu Frankreich uud Dcutschkaud
'"Itrahlt, hat der Frau cine hervorrageudc Stelluug
^ugeivieseu uud gcsichert, ciue Stelluug, die sie Dank
'hr eigenen Charakterstärke, welchc die cuglische Er-
lUhuiig herauszubildeu wciß, bcansprucheu darf uud
i'ehauptcu i»i Staude ist. Ncbcu dcr Legivu ihrer
^"ehrer imtz Leser hat es dcu cuglischeu Nviuaueu
'ucht o» Gcgncru und Bcrächteru gcfehlt. Scharfc
^lule des Spvttes siud gegcu dic cwigeu „Gvuver-
^uteuroiiiciiio" gerichtet wordcn, zui» Thcil deshalb,
stc »loist ovu Daiucu geschricbe» worden siud.
stt der geheiiuiiißvolkcnBackfische, die sich urplvtzlich
Viotoriu rogiu erschlicßeu, der iiialtraitirteu
'Zicheriunoii, dcr rcicheu Erbiuucu, die eiusam, halb
"tteiin durch's Lebcu wandcln, bis dcr PrviuctheuS
'"iiiit, dcr das Feuer briugt, hcrzlich überdrüssig.
"cht ii,jf liurecht! Abcr diese Literatiirerzeugnisse cr-
^)e„ie„ u„s i„ cinem ganz andcrcu Lichte, weuu wir
P' euglischeu Kunstausstelluug durchmusteru.

^ >a„ st.h^. xiteratur hier in der

^'"">t spiegelt oder, bcsser gcsagt, wste diese de» er-
ernden „„d ergäuzeudcn Kommeutar zu jeuer

bietet. ES tritt uns hier uicht die steifleiuene Aliß
mit semmclbloudcn Locken, wasserblauen, glauzlvsen
Augcn und großen Fttße» cntgegeu, die iu den Augeu
der Fcstläudcr für die in Englaud slvrirende Spezies
ihrcS GeschlechteS tvpisch geworden ist, aller Orteu
blickcu nns viclmchr gcsundc, frische Aiädchengestalteii
mit kastanicnbraunei» Haar und großen dunklen Augeii
an, die hcll und gescheidt in's Lebcn schaucn und aus
deiicn zugleich eiu tiefer, schlvärmcrischcr Glauz leuchtet,
als wvllteu die rvsigcn, jugcudfrischen Geschöpfe das
Näthsel der Schöpfiing lvseu.

Für diese rcizvolleu Lichtgcstalten haben die Maler
i» der Farbe, in Ton uud Kolorit eiueu entsprechcu-
deu Ausdruck gefuuden. Harmonisch uud ruhig wie
die Objckte dcr Darstcllung ist auch die Färbung,
heiter nnd goldigklar wie FrühliugSsonueuschein. Das
Haudlvcrk tritt bei dieseu Bildern, iiberhaupt bei der
englischen Kunst, gauz zuriick. Mau sieht keine miih-
same Mache, keine ungeschickte vder gar »ukorreete
Zcichnuug, keine oberflächliche Mvdclliruug. Es Ivird
Ivvhl unter deu englischeu Aialern ebcuso viel Stiimper
gebcn wie in andere» Läudcrn. Sie sind abcr natür-
lich von der Weltausstelluug seru gebliebeu. Jch glaube
schwcrlich, daß es außer in Fraukreich noch ebeusv
viele Kiiiistler giebt, ivclchc das Techuische ihrer Kuust
mit gleichcr Nieistcrschast uud mit einer gleichen, schei»
baren Leichtigkeit behandelu, wic i» England. Wer
iiber ciue dentsche Auöstelliing zn berichteu hat, der hat
atle Hände voll zu thun, iven» er atl' die begangene»
Vcrzeichnnngen, die miplnngenen Berkiirzungen nnd
sonstige» Bersckirobeuheiten, mit denen ja gelvisse Aialer
sörmlich kokettire», hervorheben will. Aiit solcken
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