Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

Page: 813_814
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1878/0412
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
8,3

suittstliteratttr.

8,-1

Jdw deö Bildcd nicht gcradc nvthtvcndig crschicn,
sv licß cr sic nnd eLenso die Burg links fvrtfalle».
An dcren Stellc setzte er sich ticf in dic Landschaft Isincin
crstrcckcnde Hügel nnd Bcrgc, von tvclchcn die ztvci
'wßersten rechts cinc ctwas stark intensiv blanc Ftir-
Liing dcr Lnftperspektive erhaltcn haLcn, dic svgar dic
isarLe dcs ztvischcn ihncn in die Ticfc des Bitdcs sich
behiicndcii Wassers libertrifft, anf Ivelch lctztcren, anch,
^r Kleinhcit wcgen nnd als nnnvthig, dic belebenden
K'ahnfahrer fvrtgebliebcn sind. Ganz klcin iin änßerstcn
Hintcrgrunde, fctzt nnr nvch dnrch dic Lnpc crkcnnbar,
stiiden ftch die Spnrcn Vvn Zicgclrvth, in ivelchen cinc
^tadt angedcutet crscheint.

Durch si, vcrandcrte Berhältni,fc innßte natürlich
suich die Grnppirnng dcr Pcrsvncn cine anderc ivcrdc».
S" erscheint jetzt rcchts ini Bvrdergrnndc cine cng zn-
samiiiengedrängte Grnppc vvn ftinf Pcrsvnen: Pctrns,
dcr Mitte, ans dcr Flasche trinkend, in dcr Linken
dcn Stab, trägt rvtheS llntcrgeivand nnd blauen Uebcr-
^urf tzoi nacktcn Beincn, ivahrcnd ini Driginat cin
Stiick weißer Hose sichtbar ist. Unniittelbar ncben ihni
^uiet Jvhannes, dcn Krng nntcr dcn Wasserstrahl hal-
t°ud. dcn Stab in der Nechtcn,: er hat blvndcs Lvckcn-
haar, rothes Untergelvand niit langcni weißen Mantcl,
d'ahrend in, Original das Untergcwand Vvn grüncr
Farbc ist. Dic Fassnng dcr Oncllc ist nicht nichr an-
gedentet, svndern Jvhanncs knict dicht an, Randc des
^ildes. Dadnrch kvninit auch Iakvbns ininor — dcr
"" Original ein blangrüncs Gcwand trägt nnd i»,
^ckenhaar erschcint, hicr dagegcn blanes Untcrgewand
rvtheni Übcrwnrf hat nnd cin rvthlichcs Kvpftnch
^"gt — nninittelbar hintcr JvhanncS, nnd wäh-
"cnd er ini Originale nach links davvnschreitcnd zn
Fvhannes sich nniwcndct, geht dic stiichtnng seincrBlickc
h'°" viclniehr nach dcn dicht hintcr Pctrns stchcndcn
^arthvlvniäus iind Andrcas. Dcnigcniäß innßtcn anch
^'se, ivclchc ini Original cinandcr zngclvandt sich dic
Häude zuni Abschied rcichcn, cinc andcrc Bcwcgnng an-
"ohuicn, „nd sv sind sic dcnn beide dcn, Schcidcnden zn-
gekehrt. — Thvnias schrcitet, wic in, Originale, sv anch
h'er nllcin nach rcchts davvn, dvch wcndet cr sich nicht
"'ehr uni; anch hat sich scin rvthcr Mantcl über dcn,
grancn Rvck hier in ein grüncs Gcwand verwandclt,
^elchcs cr wic ein Bündcl über dcn anf dcr linkcn
^chulter rnhenden Stab gelegt trägt, wvbei dic i»,
Onginal sichtbarc Ncisctasche fvrtgcblieben ist. Dic
"'chbraiinc Miitze hat cr anf's Hanpt gesctzt.

Die übrigcn, in wcitercr Fernc bcsindlichcn Fignrcn
sv klein, daß sich wcnig darübcr sagcn läßt. Dvch
Iakvbus ninfor und Philippns links Vvn dcni sast
" vincn, dünncn Strichc znsaninicngeschwiindcnen nn-
vlanbten Bannie in der ninarniendcn Stclliing gc-
liebcn. Thaddäns nnd Matthias schcincn dagcgc».

rechts ani Abhang in kniccnder Stcllnng z» bctcn.
Matthäns schreitct cinsai» in der Fernc; vvn dcin nvch
Ivciter cntfcrntcn Siinvn ist, wcgen Abspringeiis der
Farbe, kanin nvch einc Spnr sichtbar. Dassclbc gilt
vvn deni vben in Wolken erscheincndcn Brnstbildc dcs
scgnenden Gvttvaterö, wclcher, ini Originale nicht dar-
gestcllt, hicr vffcnbar angebracht ist, nin dic dnrch dic
Ticfe dcr Pcrspcktive hcrvvrgebrachtc Lccrc dcö Lnst-
ranmcs bcsser auSzufiillcn.

Sv grvß nnn auch die Berschiedenheitcn nnd Ab-
Ivcichungen sind, wclchc dic Miniatur in der Land-
schaft, dcr Grnppirnng, dcin Kvstüin ini Gcgcnsatz zn
ihrcin Originalc anfivcist, sv bleibt dvch bei allcdci»
die Wirknng des klcincn Bildchcns cinc hvchst cigcn-
thünilichc und überraschende. Jedcr, dcr es sieht, Ivird
svfvrt ciuc Nachbildnng des grvßcn Wvhlgeinnth'schen
Gcinäldcs darin crkcnncn, ja cine Kvpic dcssclbcn vvr
sich zn haben glanbcn, nnd crst bci längcrcni Bcrglcichc
sich über dic Bcrschicdenhciten klar werdcn; dann aber,
den Gründc» svlcher Abiveichnngen nachfvrschend, ivird
cr zugcstchen inüsscn, das; dic schwierige Anfgabe,
vhnc Bcrlvischung dcs Charakters dcs Originalcs jcne
Kvinpvsitivn sv vcrschicdcncn stianinvcrhältnisscn an-
znpassen, hier in ganz vvrtrcfslichcr Weise gclvst ist,
ja, daß die dnrchans harnivnischc Durchführung dicscr
Nachbildnng svgar dic Frage nahe legt, vb dic Idec
dcrsclben nicht Vvn dein Meistcr Wvhlgeninth sclbcr
angegcben sci, wir niithin in nnscreni Gcbetbüchlcin cin
Erzcugniß aus Wvhlgeinnth'S Wcrkstatt für Miniatur-
nialerei zn erblickcu haben. vr. Thcodor Hach.

Aunstlitcratur.

Dcr Nrsprnug dcr abciidlliiidisä,c» Kirchcngcbiiudc, nach
ncncn Entdccknngcn kritisch crläutcrt Vvn !>>.
2can Paul Richter. Mit drci Abbildungen.
Wien, W. Branniüllcr. 1878. 8.

Dic Schrift cnthält dic FvrschnngSrcsnltate dcs
Bcrsasscrs über dcn Zilsaniincnhang dcr altchristlichc»
Kirchcu niit de» antikcu Hanvkapellen und den Kryptcu
dcr christlichcn Katakvinbcn. Dcr Gang der Dar-
stcllnng ist svlgcndcr. Längst hat sich alö seststehendc
Thatsache hcransgcstclll, daß dic Atricn dcs antikcn
Hanses dic Bvrbildcr abgabc» für die Atricn dcr christ-
lichcn Basilikcn; Ivie dcin antikcn Atrinin der oovU8
fvlgte, ivclcher bei Sälcn »ut hvhcni Seitcnlicht (svgar
nvch im vvrigcn Jahrhundcrt) den Naincn ägyptischcr
Saal trug, sv reiht sich an das Atrinni dcr altchrist-
lichcn Kirche der dreischiffigc stiani» init hvhcn, Scitcn-
licht an, die Basilika. Zivei Eleinente der altchrist-
lichcn Basilika, wclchc crst seik der Kvnstantinischcii
Zeit auftrcten, sind das Oucrschiff und die Apsiv.
Eine Fragc blicb bis jetzt »nbcantwvrtct: in Ivelchc»,
loading ...