Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Neue EriverbuiMN des Berliuer Museuius.

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""'zeichiien. 2n früherer Zeit siuhte Makart dcn kolo-
ustischen Effekt auf rcin elemcntarem Wcge; cr stimmte
b>e Farbcn zu cinem allcrdings mächtigen nnd berau-
ichenden Accorde, allcin auf die Richtigkeit und Ouali-
tät der einzelnen Töne kam cs ihm gar nicht an. Db
e« wirklich himmelblaue Rosen und blaßoiolette weib-
liche Tliedmagen gibt, darnm kümmcrte er fich nicht; er
bwuchte diese Töne zum „Zusammenstimmen" und er
nahm sie. Diesmal hat er, von wenigcn Fehlcrn ab-
SA-en, sich bcmüht, den Farbenaccord nach den cin-
»elnen richtigen Tönen zu gestalten und nicht das frühcre
umgekehite Verfahren cinzuschlagen. So ist das Bild
^uch hinsichtlich der Farbe verständlicher geworden, als
die früheren Arbeiten des Künstlers, und namentlich das
^leisch, das früher in allerhand falschen, ungesnnden
T°ncn zu schillern pflegte, hat diesmal eincn Anstrich
Nen Leben, wenn auch nicht jene vlämische Krafl und
^usche, die Nubens für alle Zeiten charakterisirt hat
und die nachzuempfinvcn so leicht ist. Auch diesmal
»ugt sich Makart stellenweisc als Farbenzaubcrer. Ein-
zclne Details — beispielsweise das wappengeschmücktc
^anner Antwerpens, welches ein berittener Herold empor-
^'bt, ein altflandrischer Teppich, der von einer Brüstung
lserabhängt und mehrere weibliche Gewandungen —
""d coloristische Virtuosenstücke, die ihm heutzutage
lauiii Jeniand nachmalt; allein der frühere Farbengcist
ichcint verraucht zu scin. Als Makart mit seinen crstcn
bedeutenden Bildern, den „modcrncn Amorctten" und
^ "Pest in Florenz", auftrat, hattc cr wirklich eine
^^cifische, nur ihm cigenthümliche Art des Sehcns und
^r Farbe. Er machte von vieser Gabe unbewußt Ge-
^"uch, ohne coloristische Priuzipicn gesucht oder gar
'?rt zu haben; was er bot, waren märchenhaft reizende

varbenvisiomm
'"°r. Und

r Farbe isi der ungeheuere Eindruck begrüudet, welchcn
rrsten Schöpfungen Makärt's ausiibtcn. Jn den
l'alercn Bildern wurdc biesc coloristischc Ursprünglich-
'unner schwächer; das ncueste Wcrk vollends bekundet
"lnchte, ja studirte Auwendung der Farben. Dadurch
' "as Colorit allerdings der Wirklichkeit cntsprechcnder
verstündlicher geworden; allein es hat ein gut Stück
seiner Eigcnart eingebüßt. Stcllenweisc merkt man
daß dem Künstler einzelne Farbenmischungen, die
. Üüher charakterisirten, nicht von der Palctte slossen,

' daß er six absichtlich in das Bild hineintrug;

° ''hr darin ein Nückschritt licgt, branchcn wir nicht
'lervorzuheben. Bedeutendere Coloristen, als Makart,

^ Künstler, die in einer Epoche lebtcn. welche an sich
geartet war, sind auf diesen ALweg gerathen;
a» ^dhritt weitcr auf solcher Bahn, und man wird von
tzZ>'s Farbe ..nc^,. 3,.u, Dei.sek ist v«.

die im Bilde fcstzuhaltcn ihm gegönnt
in diesem unbewußten, visionären Ausdrucke


p'rit

us.

Farbe sagen müssen i „Zum Teufel ist der
die Manier ist geblicben!"

Ein Wvrt noch über die „Scnsation", welche das
besprochcne Bild in Wien hervorgernfen, denn auch
dieses äußerliche Moment gehört zur Charaktcrisirung
dcr Makärt'schcn Richtuug. Es ist bekaunt, daß der
Kiinstler seit seiner Ansicdlung in Wien mit bcsondcrcr
Vorliebc in jenen Kreisen verkchrt, wclche dcn Jnbegriff
der „Gesellschaft" in sich zu vereiuigeu glauben. Wic
das gckommen und von wclchcr Art dieser Verkchr ist,
gehört nicht hieher; gcnug au dem, daß dcr Küustlcr sich
veranlaßt faud, sein Bild zu einer Galcrie allcr schönen
oder auffallenden Gestalten zu macheu, die ihm in jencn
Kreisen des Wiener Lebcns begeguen. Au und für sich
ist dawidcr nichts einzuwenden; doch müssen dic Porträt-
figuren nicht mit osteutativer Absichtlichkcit als Selbst-
zweck hiugestellt, sondern im Nahmen des Ganzen an-
gemesscn vcrwendet wcrden. Wic leicht und zwanglos
dies sogar Angesichts ganz disparater Elemeutc geschchcn
täun, beweist beispielshalber Panl Veronese's „Hochzeit
zu Cana" im Louvre, bei wclchcr viele Sonveräne Eu-
ropa's, dcn Großsultan inbegriffen, nnd einc Anzahl
berühmter Zeitgenossen zu Gast sitzeu. Makart nun
.hat sich an das Beispiel nicht gchalten, sondern die
modernen Köpfe, so wic sic siud, ruhig über Costümc
des sechzehntcn Jahrhunderts gcsteckt, sofcrn sie übcr-
haupt anf bekleideten Körpern ruhen. Diese bckannten
Gesichter aufzusuchen uud sich an ihrem positivcn oder
negativen Costüme zu crgötzcn, war selbstvcrständlich für
das Publikum, welches das großstädtische Privilcgium
der Neugicrde sür sich iu Auspruch nimmt, obligat;
uicht bloß im iii§!i ütä, souderu auch iu jeueu Schich-
ten, welche nnterhalb der „obersten Zehnlanscnd" liegen,
mußtc man das Bild gesehcn habcn. Daraus zumeist
ist ber ungcheuere Zulauf zu crklärcn, dcn das Künstler-
haus plötzlich aus ganz Wicn fand; das künstlerische
Znteresse kam gegenüber dcm lokalen tänm iu Betracht,
obwohl vielc der guten Wiener und dcr hübschcn
Wicnerinnen, die sich vor dcm Bilde damit unterhicltcn,
zu deu cinzeluen Gestaltcn dic Namen dcr Urbilvcr zu
suchen, die Kunst zum Vorwande dieses bedenklichcn
Kunstgennsscs genommen haben.

Oscar Bcrggruen.

Neue Erwerbungen des Berliner Nuiscums.

Nach längeren Uuterhandlnugcn ist cs der Gene-
ralvirektion der kgl. Musecn in Bcrlin gelungen, ans
dcm Nachlasse dcs jüngst verstorbcncn Don Ferdiuando
Strozzi Mayorea Renzi, Fürsten von Forano, Hcrzogs

von Bagnolo, fllr 180,000 Lirc sechs Kunstwerkc _

drci Gemälde, zwei Büsten und eine Statuc — zu er-
werben, von deucn cin jedes sowohl durch den Namcn
seines Urhebers als durch die Person dcs Dargestellten
einc besonderc Bcdcutung beansprncht.
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