Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Notizen iiber einige wenig bekanntc Mnlereien in Holland.

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leinen Stadt gegcn die Preußcn geschitdcrt wird.
2bwohl der Chanvinismus in dem Romane lvahre
2tgii-n fcicrt, ist der Maler dcm Schriftsteller nicht
^iuf diescs Gebict gefvlgt. Ein Kamstf um cine Kirche
bildet den Hanptmoment des Rvmans. Er bvt dem
Maler einige dankbarc Motive. Abcr das beste diescr
^lätter ist wicdernm den dcntschcn Siegern gewidmct.
Man sielch „in Ulancnpikct in gestrccktem Galvpp dnrch
Straße eines Dvrfes sanscn, Schreck und Entsctzen
^'r sich verbreitend. Der Knnstler hat diese
^cenc „nt einer Verve, eincm Entrain vhne Glcichcn
^rgestcllt. Jch Ur„n dcn bravcn Eclairenrs des
f'cenßisch,-,, Hxxrxs kein besscres kiinstlcrischcs Ehrcn-
^cnkmal wnnschen als dieses nnd zugleich keine bcsscre
Revanche siir Dctaille's vielbewnndertes Bild: Ln
' 'oeonn!ii88riavs, das Gvupil durch die Hclivgravurc
^crvielfältigt hat und das ebenfaks auf der Ausstctlnng
"r Kriegsmaler zu sehen war.

Eduard Detaille, cin Schiilcr Mcissonier's, vcr-
Knkte sich ,„st BnEogx j„ Zcitcn des Dircktvrinms,

>n dic Lächerlichkciten der Jnervyablcs, bevor cr nach
"n Lvrbeern eines Kriegsmalers trachtete. Pvpnlär
^ ei jcdvch als svlchcr erst geworden dnrch dic Hcl-
"nthat, die cr auf scinem Bildc „bm rsoonaiii88g.no6"
^rherrlicht hat. Der Schauplatz derselben ist die
. ^"hie cincs franzvsischen Dorfcs, die im Bvrdergrnnde
^'ne Biegung macht. Ein preußischer Utan ist geradc,

^ er „i„ pio wvllte, von dcn ihm nachgesandtcn
^ngeln crreicht wvrdcn, nnd mit seincm Rosse auf dcn
k'aßendamni gestürzt. Dicse Grnppe, dic besvnders
"" Zeichner nicht gcringe Schwierigkciten bietet, ist
"nt unleugbarer Virtnvsität gemalt. Einc Abtheilnng
^'n 0tm88sur8 n giml, die zur Nekvgnvscirung auö-
öeschickt wvrden sind, bewcgt sich ans dem Mittel-
BAiide untcr Fnhrnng eines Bauern nach vorn. Die
^'hkn niachen, wic sie an dcm todten Ulancn vorüber-
nninien, eine schenc Wcndnng, als kvnnte der schreck-
ko Ulan noch einnial Vvn den Todten aufcrstehcn.
-^ctaillc hat das Atelier Mcissonicr's mit Nutzen be-
K'cht: jeder Knopf sitzt an der richtigen Stellc, jede
an ihrem Ort nnd jede Spur Vvn Frische nnd
cn ist vm-xy pix gelcckte malerische Tcchnik glücklich
kciausgesigt, Svnst hat Detaillc meistenthcils Rück-
U'gsepichden nnd hcimliche Ueberfälle gemalt nnd anch
"Un ei„ anerkennenswerthes Talcnt cntfaltet.

, Berne Bellecour schildcrt eine Sccnc ans dem
bei Malmaison (21. Okt. 1870), einer kleincn
änkelei, die aber dadnrch ihre bcsvndere Bcdentung
daß sich an ihr dic ll'iraillsur^ cls la Zsina
iciligien, z„ welchen dic Pariser Maler ein Kon-

sichtbar sind. Der Malcr, dcr sich selbst „nter den
Helden befindct, hat vffcnbar eine sehr gnte Dccknng
gehabt, da er die Scene Vvn hinten bevbachtct hat.

Der Berzwcifliingskampf der Repnblik hat den
Kricgsmalcrn im Allgemcinen srnchtbarere Anregnn-
gen gebvten als der an tragischcn Katastrvphen so
reiche erste Thcil deö dcntsch-franzvsischen KriegeS.
Nnr Prvtaiö, deffcn elcgischc, elcgantc Manier an
nnsercn Grafen v. Harrach crinnert, hat ans die Ans-
stellnng zwei Erinncrnngen an Metz gcschickt. Daa
einc Bild, cin Stillleben im ticfstcn Sinne des Wvr-
tes, führt nns anf eines der entsctzlichcn Schlachtfeldcr
dcS Mvnats Aiignst. Die Nacht hat das Lcichcnfcld
mit ihrcm mitleidigcn Schleier zngedeckt, man nntcr-
scheidct nnr die Leichc cineS franzvsischen Kürassiers,
dcsscn Panzer dnrch das Dnnkcl lcnchtet. Anf dcm
anderen Bilde sieht man cincn franzbsischcn Osfizier,
der anf ciner Anhvhe Vvr Mctz sitzt nnd scinc knm-
mcrvvllcn Blicke anf die Kathcdralc dcr Stadt richtel,
welche die Abcndsvnne mit ihren letztcn Strahlcn ver-
goldet. Adolf Roscnbcrg.

Notizen übcr cinige wcnig bckannte Nialcrcien
in Holland.

Die Gcschichte der nicderländischcn Malerei ivird
eine lückenhafte bleibcn, sv langc man sich nicht dic sehr
lohncndc Mühc iiimnit, Hvlland iin Detail zu durch-
svrfchen. Was da alles in kleincn Städten zn findcn
ist, davvn macht sich schlvcr Jemand eine Bvrstellung,
der nicht sclbst Gelegenheit gchabt hat, sich von dcr
Verstecktheit manchcr dicht an der Heerstraße licgcnden
Knnstschätze zn überzcngen. Ganz abgeschcn vvn dcr

'Psnt gcstM h„tti>,„ Man sieht die Herren zwischen
^»Itvcken liegen nnd gemüthlich anf dic Prnssiens
b nallcn, die ganz im Hintergrnndc nnr undentlich

Mengc Vvn Wandmalereien, ivclche währcnd der lctztcn
Jahre in Kirchen, vffentlichen Gebänden und Privat-
häuscrn cntdcckt wurden, und übcr die das jüngst cr-
schiciienezlvciteHcftder: „LlsckvckesIiiiFSu vau cksLijll^-
uckvissurs voor cks Llonuiusutsu van Asssliiscksnm sn
Lun8t" theilweise bcrichtct (in cinem Jahre ivnrdcn
an acht Ortcn Wandinalcrcicn cntdcckt) sind in klcincrcn
Stüdten anf den Rathhänsern, in dcn Waiscnhänscrn,
in dcn Senatssälen einigcr altcr Univcrsitätcn nicht
wcnige wcrthvvlle Regentcnstückc, PvrträtS nnd Stif-
tnngsbildcr zn finden, die zwar nicht das Gcsammt-
nrtheil über die nicderländische Bialerei iimstvßcn
könne», wic cs zur Zeit besteht, aber daffelbe inannig-
fach korrigiren nnd ergänzen wcrden.

Sv bcsitzt das prachtvolle Stadthaus zn Middel-
bnrg in der Prvvinz Seeland etwa 20 Regcntenstücke
aus den verschiedcnsten Zeiten, so sollen sehr schöne
Bilder dcr Art in Hvvrn sich besindeiii sv findet man
dercn im städtischen Waisenhauo zu Naarden, nnd
zwar eines von Kamper, 1663 datirt, ein zweites
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