Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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sZ. Dahrgang.

Bciträge

s-nd mi prof. Dr.L.vo»
kntzow (wicn, Thrre-
s>an,m,gossc 2S) odcr m,
d-r verlogsssandlimg i„

6-npjig z„ richton.

25. Dktobcr

Nr 2.
Insrrrite

!r 26 j?f. für die drei
rNcrl gespciltene j)elit-

H877.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

^rscheint jede woche am Donnerstag, für die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Runst" gratisfür sich allein bezogen kojtet der
Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen und österreichischen ssostanstalten.

' D,e akademische Runstausstellung zu Berlin. II. — Hans wilhelm Kref; von Kressenstein über Dürer. -- l)irsch, Der Formenschat; der
^enaissance. — Runstlagerkatalog von F. Meyer. — Bovy ch — Rasseler Runstverein, Stuttgart; Bürnberg. — Aus Innsbruek. - Leip-
Ziger Runstauktion. — Zeitschriften. — Auktions-Rataloge. — Inserate.

Di.

akadcnüsche Aunstausstcllung zu Berlin.

II.

W-nn wir d-n Begrifs des Hist°mcnbild-s ""ch

»wglichst weit begrenzen und selbst ^ ^E^^mälde
Eenre einerscits nnd das nwdenie --- ) )

andererseits mit cinbegreism, dmiw

Material zusannnen, das stch alv chnn ^

«-»„h,il>mg dmt,-,-,. di. ,,ch -»> 1

Wiwdigx beschränlen will. Es sind zwar aussa
^ilder norhanden, deren Stvsse der Myt^
^cigengeschichte entlehnt sind, aber a ewse
l°gische Plnnder zerstiebt in Nichts ^e ernstei,
hechbedcutsanien Schöpsungen E.

v. Heyden's. Der würdige Altnieiser ^
b°-ser Schule hat nns die trauernde Pcn-l°p- « '

t°ie sie schlaslvs auf ihrem Lager sitzt mid lei
ll-ere starrt, des fernen Gemahls g-d-ul-" - ^

^ie Hände über dem Knie verschränlt un " ^
isl vvn deni sein nwdellirten Rücken h--abg-gM-n,

b-n eine brennende Lanrpe ihren glührwthen

Zur Seite des Bettgestells sällt ein grüncr ,

schwereni Wvllenstoss von der Decke herab. Er g r
einen wirlsanien Hintergrnnd für dic crnste, ""^°
G-stalt ab, die nach den Traditionen des h-stm'sck-n
Stils in Lebensgröße dargestellt ist- Der Maler ha
s'ch uni die Beobachtung archäologisch-- Treiw mcht
gekünnnert. Ans dcm siiuhebctt liegt eine Schliimmer-

^°lle, deren Mnster aus einem nwderen -vapisiciic-

8-schäst hervorgegangen zn sein schcint, mi an ) a
B-ttg-stell entspiicht keineswegs der Beschr-'bnng, dw
U"s Honier von de»> Bieisterwerke des ersindungsre.chen

Odysseus cutworfen hat. Aber die Gestalt der trancru-
deu Penelope athmct eine wahrhaft antike Größe und
Eiufachheit. Sie ist unt jcneu Heroineu verwaudt, von
denen uns die plastischc Kuust der Griecheu so herrliche
Abbildcr hinterlassen hat, mit dcu drci Thauschwesteru
vom Parthcnon uud mit der traucrndeu Ariadue. Daö
Bild zeigt in seiuer kreiftigcii, wenu auch etwaS harteu
Farbcugebuug uud in seiner mit vollster Sichcrheit durch-
gcftthrten Zeichnuug, daß dic Haud des greiseu MeisterS
noch keineswegs erlahmt ist.

A. vou Heyden hat den Moiuent dargestellt, wie
Oedipus das Näthsel dcr Sphiux lost. In ciusaincr
Gebirgsgcgend hockt das Fabelthier auf eiueiu Felse».
Seiu Antlitz trägt dieZttge cines erustcu, schvueu Weibes.
Dunkle Lockeu, dic sich schlaugeugleich wie die Haare der
Medusa ringclu, nuirahiiieii die hohe Sliru. Oedipus
hat eben das verhäuguißvollc Wort gesprvcheu, die
Sphinx erhebt die eiuc ihrer Lvwcuprankeu uud starrt
ihreu Uebcrwiuder mit dciu AuSdrucke starreu Eutsetzeus
an. Auch dieses Bild trägt dcu Charakter autiker
Grvßc. Seiue Dimcusionen sind jedoch weitaus geriuger,
als dic des Beudemaun'schen Bildes. Oedipus ist etwa
in halber Lebcnsgrvße vargcstcllt. Hicr ist durch die
Beschränküug, die sich dcr Kttnstlcr auferlegt hat, durch
die möglichste Znrückhaltung in Verwerthuug maleriscker
Effekte der große Eindruck crziclt. Dic dttstre FelS-
gegcud ist trefflich fttr deu tragischeu Bivuieut gewählt.
Jn diesem einfachen, hervischcn Stile, so denke ick, mir
mag Polygnot seiue Heldcu der cpischcn Sagc iu deu
atheuischen Propyläen gemalt haben. Leider koinmt die
große Feiuheit, mit dcr nnser Kttnstler den nackieu
Körper deö Oedipus durchgeftthrt hat, bei der unbarm-
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