Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Nr 28.

^ahrgang.

Beiträgc

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k-ipzig zu richton.

-ö. April

I>iser,itr

ü 25 j?f. für die drei

l878.

Beiblatt -zur Zeitschrift für bildeirde Kuirft.

^uicheint jedo Moche am Donnerstag, für die 2ll'onnenten der „Zeitschrift für l'ildeilde 2(nnst" gratis; für sich allein bezogen kostet der
Iahrgang 9 Ulark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschcn und österreichiscl)en j?ostanstalten.


^lakart

s „Einzug Aarl's V. in Antwerpeir

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Dieses Stück Chronik des ehr-

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A lL ^sll^un>, welches einem reizenden Bilde

m ^chür's ans dcm Pariser Salon von 1861 znm
^Uvurfe gedient hat, hätte Makart, seiner ganzcn
^ »3» „ach, sicherlich weit besser illustrircn kvnncn, als
vo» j^u, niißverstandencn Mittheilnngen

sicu^" den Elnzug Karl's V. in Antwerpen. Der
S8l». i ^ ^hronist macht ganz ehrlich die „tswwos
I-outss uuss" zur Hauptsache des Bildes;
^ini^ öei seincm Mangel an Geist und historischem
dx„ b basselbe einem Stoffe gegenüber thun müssen, für
so»d ""^re Behandlung nicht bloß entsprechend,
Äieiü" ^radezu geöoten erscheint. Dcr Nürnberger
ä» ^elcher auf seiner niederländischcn Reise wic
''?^°ber Herr" empfangen wurde, erzählt in seinem
!»> .."^r*), daß er Anfangs August 1520 in der

. slatte der Maler im Zeughaus zu Antwerpen den

er Anfangs August 1520

.. der Male

^ 'uwphbau herrichten sah, durch welchen mau deu König
einführen soll. Dieses Werk, sährt Dürer fort:
Uierhundert Bögen lang und ein jeder 40 Schuh weit

'I Dürer's Briefe, Tagebücher und Reime rc. von Moriz
"Usl"S, Wisn 1872, S. 83 und 95.

uud wird anf beidcn Sciten der Gasse aufgcstcllt, hübsch
gcorbuet, zwei Stockwerkc hoch; darauf wird mau die
Schauspiele aufführen. Dies kostct zusammen von den
Schreinern nnd Malern 4000 Gnlden und ist dies
Werk in Allem überaus kostbar gemacht. An einer
späteren Stclle bemerkt Dürer: „Jch habe eiuen Stüber
für bas gedrucktc „Einreitcn zu Antwerpcn", wie der
Köuig mit einem köstlichcu Triumph empfangen wurdc
— da waren die Pfortcn gar kostbar verziert — mit
Schauspielen, großcr Freudigkeit uud sv schvnenMädchen-
gestalten, oergleichen ich wenig geseheu habe". Bervoll-
ständigt werden diese flüchtigcu Notizen durch eiue oft
reproducirte und auch in Thausiug's Biographie Dürer's
(S. 421) übergegaugenc Erzähluug Bkelanchthon's,
welchcr aus Dürer's Munde vvn dcn herrlichen Schau-
spielen vernommen hattc, die der Maler in Antwerpen
gesehen habe, und wic in den vffenbar mhthologischen
Gruppen die schönsten Juugfraucu ausgestcllt gcwesen
wärcn, fast ganz nackt und bloß von einem dünnen und
durchsichtigen Schlcier umhüllt. Der jungc Kaiser habe
zwar die Mädchen keines Blickes gewürdigt, Dürer*) aber
sei gern herangekommen, sowohl um zu schcn, was vor-
gestellt werde, als auch um den vollendeten Wuchs der
Jungfrauen genauer zu betrachteu, oder, wie er sich
ausdrückte: Doch, weil ich eiu Maler bin — „ulüiiuw-
tuluni illvsi-ssulläius eii-ounisxsxi." Diese Angabcn,

-) Das rechnet Melanchthon dem zwanzigjährigen Kaiser
als „Haupttugend" an> wenn man aber bedenkt, daß Karl
V. durchaus kein Kostverächter war, so möchte man in dieser
unnatürliche» Enthaltsamkeit eher einen BeweiS jener staats-
klugen Selbstbeherrschung erblicken, von welcher der Kaiser
schon in früher Jugend auffallende Proben gegeben hat.
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