Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Kunstliterntur.

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dic moderncn Lcistungen der graphischen Künste nnaus-
öesctzt zu fortlanfender Kenntnist seincr Besucher bringc.
Eine Auswaht der intercssantesten Blätter aus dem un
Seemann'schen Berlage erscheincnden, von Johann
Eissenhardt radirten Prachtwcrkc iiber die Städel'sche
Galeric älicrcr Meister in Franlfnrt ain Biain, welche
diesmal epponirt war, hat allseitig Beachtnng nnv An-
eücnnung gefuuden. Oskar Bcrqgrucn.

Rmistliteratur.

^ulins Lcsting, Altoricntalische Teppichinustei.
Berliu, Ernst WaSinnth. Fol.

3n dcn letztcn Jahrzchnten war nian anf dein
Gebiete dcr Jndnstrie fast ausschliehlich anf Bervvll-
icinninnng bcr Technik bedacht und hat in diescr Be-
»iehung Bewnuvernswerthes geleistet. Aber dic groste
Ausbildnng dcr Bkaschinenarbeit nnv das daniit zu-
sumincnhängciide Bestreben nach inoglichstcr Billigkeit
Produkte hat bckanntlich zn eincr argcn Vernach-
^isisung von Forinen und Farben, dcr ganzcn künst-
^''schcn Ausbildung dieser Produktc geführt.

Seitdein dies iu den lcitendcn Kreiscn erkannt
'muven, ist niaii jetzt in stets ziinchinendcni Ntaste be-
diesen Fehlcr zu beseitigcn, nnscre Zndustrie-
chmdnkie den besten allcr Zciten invglichst glcichzustellcn
sie auf deni Weltmarkte konkurrenzfähig zu niachen.
llm zu Lein erwünschteuZiele zu gelangen, uiust nian !
^'c> verschiedene Wege verfolgen: uäinlich ven Geschmack
^ grosten Publiknins bilvcn, dasselbe für die bessern
^geiiständc inleressircn und vieFabrikanten anregen, auch
uustlerisch behandelte Gegenstände zu produziren und
'm'en zu diesem Zwccke inustergiliige Vorbilder beschafscn.
Tcidcs nuist gleichzeitig und unter wechselscitigcr stkück-
Uchi des Eincn anf das Andere geschchen, denn das
Hubtikuni braucht die Fabrikanten nnd dic Fabrikanten
^unen ohne das kaufende Publikuin nicht bestchen.
^uueben niüsscn dann freilich auch Künstler herange-
uldct wcrden, wclche iin Stanve sind, die Entwürfc für
"cgeiistände zn fcrligen, wclche ihren Zwcck vollkvinincn
"l"llcii und zugleich künstlerisch ausgebildet sind, bci
^lchen aber anch besondere Rücksicht auf Material und
^Mik genoininen ist, dainit vie Ausführung dcrselbcn
d. h. „jcht ^ ihencr bcwerkstclligt werdcn kann.
Ncues auf diescin Gebicte zu schafsen, ist nur
"'"ig Auserwählten gegeben und gelingt nur in ver-
^'"Men Fällen. Es ist anch nicht s° nöthig, da dic
ueisten derartigen Aufgaben in alter Zeit in mustcr-
M'ger Wcise bcreits gelöst wordcn sind und für unserc
^u'igcn Zwccke entwedcr nur gcringer odcr gar keiner
' ''andernna^ Lcdürfen. Wir dürfen nur auf das zurück-
den Blütheperioden der Knnst in früheru
von dcn verschiedcncn Völkern Gntes

8chen,

^ lchlchiinderten

was

gcleistct worden ist. Wir sainineln solche Gegenstände
in unscrn Mnscen, theils für Zwecke der Wissenschaft,
uni die Grundsätze, welche in alter Zeit inastgcbend
warcn, kenncn zu lcrnen, die historischc Entwickclung
von Kunst nnd Tcchnik zu studiren, dann abcr auch uui
nnsern Geschuiack an ihnen zn bilden nnd sie anch wohl
dirckt als Vorbildcr für das niodernc Schaffen zu vcr-
wenden.

Aber von ansgeführten ältcrn Gegenständen, be-
sonders solchen, wclche leicht dem Vcrdcrbcn ansgesetzt
sind, wie Gewebc, Teppichc, Spitzen, oder solchcn, welche
zur Zerstörung reizen, wie Gegenstände aus edeln Me-
tallen, sind dic alten Originale nnr in kleiner Zahl
erhalten Wir niüsscn daher zur Ergänzung der ini Ori-
ginal crhaltcnen Gegenständc auf ältere Abbildungen
derselbcn, wic sie auf Geinälden, Zeichnnngcn, Kupfer-
! stichcn, ja selbst an Skiilptnrcn sich finden, auf die in
Kupferstich noch erhallenen Mnsterblätter für Hand-
werker (Oriianicntstiche) nud anf die nur in Handzeich-
nnngen vorhandcnen Enlwürfe zu solchcn Gegcnständen
zurückgchen, auch sic saninieln nnd studiren.

HauSgeräthe, Schniilckgegenständc, Teppichc, Muster
von Sciden- und Saininetstoffcii u. A. findcn sich auf
alten Bildern ziemlich oft und zwar in so vollständiger
Weise dargcstcllt, dast nian jetzt ohne Wciteres darnach
arbciten käiin. Eine Sainiulung nnd Publikation dieser
auf ältcrn Bildcrn vargcstcllten Gcgcnstände in guten
Abbilduugen war schon lange ein lebhaftcr Wunsch der
betreffenven Kreise, war aber, so weit bekannt, bis jetzt
nur in Anfäiigen unv zwar nnr in Zeichnungen, also
nur Wenigcn zugänglich, vorhanden. Erst in nenester
Zcit ist mehr Vafür geschehen. Einzclne Stoffmuster
nach alten Bildern und Staluen sind in größeren
Publikationen nnd Jonrnalen abgebildct. Ein Werk,
welchcs Schiuuckgcgenstände nach Lltercn Porträts dar-
stellcn wird, bercitet der Architekt Luthmer in Bcrlin
vor. Eine inustcrgiltigc Publikätion altoricntalischer
Teppichc nach Darstellnngen auf ältern Seinäldcn,
Arbeiten eines Ghirlandajv, Naffael, Tintorctto, Bkein-
ling, Holbein, Behani, Cranach u. A. liegt uns hier vor.

Dv. Julius Lessing, Direktor dcr Saininlung dcs
deutschen Gcwerbeinuseunis zu Bcrlin, hat seit Jahren
die Muster solcher Teppiche, welche als Gegenstände des
höchstcn Luxus auf Bildcru dcs fünfzehnten und sech-
zehnten Jahrhundcrts, besonderS vor dein Thron der
Madonna, aber auch als Tischdecken vder svnst darge-
stellt sind, aus den verschiedensten, zuni Theil weit
cntlcgeiien Bkuseen nnd Kirchen gcsamnielt und eine
kritisch sorgfältig gesichtete AuSwahl in gewissen-
haften, den Originalen möglichst getrencn, wie der
Berfasser versichert, bis auf den Stich genauen Nach-
bildungen (auch die Varianten sind angegeben) in
ineistcrhaftcn Farbendrncken rcprodnzircn lassen. Zur
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