Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Die Jl>hres(Uisstellu»g ini Wicier Äünstlerhnusc.

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Arbeit theitiveise sehr zu Stattcu gekviumeu, zumat
ihn, unstreitig Begabung ftir das Dekoratide uud ein
scincr Sinn fiir das Malcrische iiiiieivohueii; atleiu
wir vcrmisseu an dcm Ruudgemälde Berger's den
gcistigen Gehalt, die bestrickeude Elcgauz dcr Fvrmeu,
^ie stupeudc Sicherheit iu der Perspektivc sowie die
Airtuvsität iu der Ausfiihruug, Ivclche dcn Epigone»
^er grvßcn Veuetiauer zu eiueni der interessautestcn
Kiiiistler des vvrigen Jahrhuuderts stempcln. WaS die
">as>ive Frauengestalt bedeutct, Ivclche als Friedens- nnd
^iegesgvttin im Centruni thront und Ivas die allegorisch
gedachten Pntti besagcn, von dcnen einigc cin Wappeu-
ichild zn den Wvlken tragcn, vcrmag tein Verstand der
^eiständigcn zu ergriindeus ein Fiinkchen Jdee nnd ein
Fadchcn Zusammenhang dars man abcr bei einei» mit
Ansprnchen auf nivuumentale Wlrkung hervortretenden
^ekorationsgemälde billiger Wcise denn dvch vcrlangein
^üs Kvlvrit strebt einc Jmitativn der Malerci ut
ibvsea an nnd den leichten Vvrtrag, die kiihle Stim-
»ning der Frescvgemälde Tiepvlv's; allein die grnnd-
""rschiedenc Technik der Oclmaterci leistete Widcrstand,
so ist das Kolvrit stcllcnweisc zn pastos ausgcfallen,
Rllenivcisc zn verblasein Ueber die Pcrspektivc läßt sich
sAn Urtheil abgeben, da das Gemälde im Saale mit
^berlicht vcrtikal gchängt Iverden niußtes an Stclle des

hätten ivir daranf bcstandcn, daß das Pla
Ä'ndbild j„ dcr natiirlichen Hvrizvntale zur Anschauung
g^bracht iveiidc, nnd nns eher mit cinem niinder gntcn
sstatze in einem stlcbcnranme begniigb

Das Genre ist ziemlich zahlreich, jedoch durch
hervorragendcs Werk vertrcten. Oricntalische
habcn Seel in Diisseldvrf, Mvreau in Paris
""d Schvnn in Wien mit gleichcr Sachkenntniß nnd
^sichicklichkcit vcrwcrthet. Jm „egYPtischen Harcm"

-!-v-((ua)ieit vcrwcrtbct. Um „egypttsctsen Harem"
Erstgvnannten sind Architektnr nnd AnSstattnng
reichen Frauengemaches mit l'emerkenswcrther Vir
!""sttät nnd Farbenpracht iviedcrgegeben: die Fignrei

^"k°n beinahe

zur blvßen Staffage herab.

gnren

Diescn

"'nvnrs kann man gegcn Morcau'S „Tanzendc Zi
gttincrin" nicht erhebni. Da siud atle Figuren eitel
' "ben nnp Belvegung: solvoht die schtankgliedrige Gita-
'b deren schv„ geschlvungcncr 8eib dic Bivllklänge der
''Uentalischen Musikanten durch cdle, ivellenfömige Bc-
'"cgungen illnstrirt, als anch die Philister beidcrlci Ge
^"chtes, w'elchc aus dcr Straße, au dcu

Nl

. ^ . —.

"»d vvn deu Erkern hcrab das sremdc braunc Mädchen
""d sein Orchcstcr bcgaffen. Das dankbarc Publikum
77 dic Szene spielt in cinem mittelalterlichcn franzö-
!"chen Städtchen, dessen Architektur trefflich charakterisirt
wcist wahrc Kabinetsfignrcn von Klcinstädtern
""s. und der Eindrnck, dcn dic tanzcndc Schöue bei
"e^chfedenen Zuschauern hervorbringt, i)i in er-
getzlichstvv Mannigfaltigkeit gescknldert. Das Kvlorit

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ist reich »nd krästig, jedoch mehr gedämpsl alv cs in,
Jntercsse der angestrcbten Harmvnie erfvrdcrlich ge-
Ivcse» sein diirftc; etivas mehr Licht nnd ctlvas Iveniger
Gran hätte kaum geschadet. Am entgegeugesetzten Feh-
ler lcidet die „Toilette einer vvrnehnien Egypterin"
vvn Schönn, ein richtig nnd energisch kvlvrirtcs, aber
in allzn viel Farbe getauchtev Vild, ivelchem nian
einen Dämpfer aufsetzen möchte, um ihm eine edlerc
Wirkung zn verleihen. Jm Beiiverk des Badcgemaches
nnd in den Körpern der Staffage steckt viel Stndinm
und scharfe Bcvbachtung: Iver mit dem Oricnt vertrant
ist, dcn erfrent die intime Kenntniß der dargestellten
Meuschcn »nd Diuge, die nian alle» vrientalischen
Bildcrn Schönn's uachriihmcn mnß.

Die Ilrheber der iibrigen Genrebilder finden Ivir
meistens auf gelvvhuten Pfaden. Friedricki Fried-
ländcr fiihrt nnö in drei gemlithlichen Bildcrn Ivie-
der einmal seine Spezialität vvr: österreichische Inva-
lidcn, die sick' das svrglvse Lebeu in ihrem präck'tigen
Palaste in Wien ivvbl bchagen lassen und iiber die
365 Feiertage ihres Iahrcs mit allerhand harmloser
Kurzlveil hinlvegzukommen sich bcmiilien. Dcr Kiinst-
ler hält nicht mit Uurecht an diesem Stoffe fest, de»n
znm Thcil hat er es denisclben zn verdante», daß alle
seine Bilder diesmal vou Mitgliederu des österreichi
scheu Kaiserhauses augekauft wurden. Der Ivackere
MathiaS Schmidt, Ivelchcr bekanntlich der ui» De-
fregger geschaarteu Tirvler Kiinstlerkolonie au der
Jsar augchört, bietet uus abermals eiu aus ivelt-
lichen und geistlichen Elemeiilen scherzhaft gemengtes
Sittenbild; vffenbar hat der' Künstler in seincr Hci-
mat die Ersahrnng gemacht, daß die Briider Pförtner
an dralle Dirud'ln die „Klvstcrsuppc" selten anstheilcn,
vhne durch väterlichcs Kneifen in die vollen Wangen
ihr bcrechtigtes Wohlgcfallen an Ivvhlgestalteten Kin-
dcrn Gottcs auszudriicken. Jn der Wvlle gcfärbt ist
anch der „Hosbränhäuslcr" von Emannel Spitzer,
der sich durch seine Zeichnnngen fiir die „Flicgenden
Blätter" als hnmorvvller Schildercr dcs Miinchener
Lebcns bckannt gcmacht hat. Das ist der richtige
Habitnö des HvfbränhauseS, ivelches, ach! uun a„ch
vvn dcr Knltnr belcckt iverdcn soll : das ist dcr richtige
Ansatz znm Bierbanch, das die richtige Frisur nnd
Toilette mit dcr im Baycrnlande so volköthümlichen
Zierde dcs Ringes in flcischigcn, hvchgerötbetcnAlänner-
vhren; das der richtige Ausdruck dcr höchstcn Bier-
seligkeit! Dcr „Hvfbräuhäuslcr" hat, Ivie das halb-
gcleert dastehcudc Glas Bier beivcist, vffenbar dic
äußerste Grcnze seiner Ivahrlich nicht karg bemessenen
Leistungsfähigkcit crreicht; selbst das beim „stlettigivabi"
erstandene uud thcillveisc nvch nickt ansgebrauck't
daliegende Stimnlans vermag seinc Rczeptivnsfähigkcit
nicht mehr zn steigern. Das jetzt vvn Wiener Kiinst-
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