Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Smmnlungen und Ausstellungen. — Vermischte Nnchrichten. — Zeitschriften. — AuktionS-Kntnlnge.

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öammltmgsn und Ausstellungen.

0. L. Diisseldorf. lAusstellung des Hrn. Schulte.)
Körperliches Leiden ist ein Vorwurf, welcher prinzipiell nus
der Kunst verbannt wird, wohl aber gibt es viele Gegen-
ständs, in denen geistiger und materieller Schmerz vereint
zur Darstellung kommen. Ein solcher indessen ist auch nur
erträglich, wenn das geistige Element überwiegt, ja das
menschliche Elend so zu sagen ganz in sich auflöst. Dies
ist O. Seitz in seinem „Gefesse'lten Prometheus" nicht ge-
lungeu, oder er hat es vielmehr gar uicht erstrebt. Das
beweist uns die ganze Behandlung des Gegenstandes, vor
Allem beweisen es die rothgepreßten Stellen des Körpers,
der Druck der Eisenbänder an Leib und Armen. Unwillkür-
lich eilt die Phantasie dem gegenwärtigen Augenblick voraus
und fragt sich, was wird mit diesem clenden, zwischen Himmel
und Erde nackt aufgehängten Körper noch werden? Und
um so mehr peinigt uns dieser Anblick, als Alles sehr richtig
gezeichnet und wirknngsvoll gemalt ist; so gereichen hier die
Vorzüge des Bildes demselben zum Nachtheil. Mit der gegen-
wärtigcn Quäl ist es aber noch nicht genug gewesen, denn
schon schwebt der Geier dicht heran, ini Begriff, ssin scheuß-
liches Mahl zu beginnen. Jn der zusammengekrampften
Hand des Gemarterten ist der Schmerz, den ihm die Bisse
bereiten werdc», schon vorgebildet. Ueber und unter der
langen nackten Gestalt starrt ein schwärzlicher Fels, ein trost-
loser Himmel überspannt das Ganze uud vereint sich in der
Ferne mit dem Ocean. Aber keine hold klagenden Töchter
des OceanuS steigen auf, kein versöhnliches 'Element mischt
sich in den Jammer; kein Himveis auf endliche Erlösung,
wie sie doch auch für den lange Duldenden gekommen isü
F. Maldarelli aus Neapel führt uns in seiner Vestalin,
dis eben lebendig in ihre Gruft hinabgelassen worden ist^
keinen minder tragischen Gegenstand vor. Das Element der
Schönheit lindert aber hier das Grauen. Halb besinnungslos
vor Angst und Schmerz streckt das Mädchen dis Arme nach
der Leiter aus, auf welcher man sie in das düstere Vsrlicß
hiuabgebracht hat, und die jetzt durch eine Luke zurückgezogen
wird, — ein letzter ohnmächtiger Rettnngsversuch. Schon smkt
sie in die Knie und wird bnld des TodeS Beute sein. Schade,
d nß gerade hier des Künstlers Jntention nicht rccht zum
Ausdruck gekommen ist, denn wir müssen erst genau hinseheu,
ehe uns dieso Bewegung klar wird; beim ersten Blick glaubt
man, die Figur sei zu kurz gerathon. Der jugendliche, fast
kindliche Kopf, Hals und Arme haben etwas sehr Liebliches
und RUHrendes, welchen Eindruck noch die bläuliche, dämme-
rigs Beleuchtung crhöht. Sehen wir hier oin Opfer des
Fauatismus, der Gransamkeit der Menschen, so in einem
andern Bilde desselben Künstlers ein zwiefaches Opfer der
Elemente. Der Aschenregen von Pompeji begräbt zwei junge
Frauen, die hingesunken sind uud dem Erstickungstode nahe
scheinen. Auch 'hier zeigt sich in Einzelheiten ein Sinn für
Schönheit, in der ganzen Komposition und Gruppirung aber
ein kläglicher Naturalismus; denn wie durch ein blindes Un-
gefähr sind diese Gestalten hingeworfen, dis eine rechts, die
andero links, jene sogar mit den Küßen iu fast komischer
Weise strampelnd. Daß man Leichen in solchen Stellungen
gefunden haben soll, kann keine Rechtfertigung dafür sein.
Der Künstler ist kein Archäologe, kein Historiker; seins Ziele
und Zwecke sind andere und höhere. Brunnor aus Karls-
ruhe erfüllt diese mit seinen „Ämoretten" nicht. Diese Liebes-
götter sind kleine Mänuer und Frauen, aufgequollen und
ivulstig. An der Farbe sehen wir, datz dcr Künstler zu den
Vershrern Makart's gehört; nber wir sehen nur die Absicht,
ihm zu gleichen, nichts mehr. — Von hier geschnffenen Bildern
erwähneu wir, außer einer schönen römischen Landschaft von
O. Achenbach, welche wir schon früher eingehend besprachen,
einiger kleinerer prächtiger Strandscenen von A. Achenbach;
im Portraitfache zweier weiblicher Bildnisse von Fr. v.
Modle, Proben eines schönen Talents und fleißigen Stu-
diums der Natur. Eine kräftigere Betonung von Licht und
Schatten, mehr Nundung, wäre denselben allerdings zu
wünschen.

Vermischte Nachrichten.

Der künstlerischc Nachlaß des Geiircnialers Bclly, der
por Kurzem in Paris gestorben ist, wurde iu diesen Tagen

im Hütel Drouot versteigert. Belky, ein Schüler /coi
schloß sich den sogenannten Orientalisten an und seme * ..,g
lassenschaft besteh't vorzugsweise aus Skizzen, die cr im ^
gesammelt. Vou seiner geistvollen Art, Menschen ^ ss,,,ge-'
mit flüchtigen Strichen zu charakterisiren, legen Ei,
Reproduktioneu Zeugniß ab, welche die Zeitschrift I- Lir I - -
veröffentlichts.

Zeitschriften.

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La86l. —8. ^1ä6xi'6V6r: Loiob 0i'ULllli6ut!i't6 8xit26

8äb6l8ob6iÜ6. — 1VI. Lirobui ozc or : 816 VerbüuäiAUvA^

— 8. Oollaort: 2vvoi äuw6l6n§6bän^6. — ^ies:

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2ior8obi1ä. — ZV. Diotterlin: 1Zrunu6u au8 86iu6iu - ^
turvverbo voin äabro 1501. — Lvve! Llatt mit sox. '.^oiieo-
Ki8ob6n Ornanionton, a. ä. k. Llipkor^tiobbabiuet iu ^

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li'illon. (Llit ^.bbilä.) — I*roiu6uaä68 au 8ouvre:

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8. äo Loutovab/ 6t 8. Viollot - 1o - 8uo, vou ig W

(21!t ^cbbilä.) — 0. lü^riös, 863 Obatoaux bistorill^o^
I'rauo6, von 8. 0oii86. (IVIit ^.bbilä.)

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