Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 7.1891-1892

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Die neueren Vervielfältigungsverfahren — Personal- und Ateliernachrichten — Preisausschreiben

So sind wir am Schluß dieser viel zu langen Aus-
führungen über die neueren Vervielfältigungsverfahren
angelangt. Die Leser, welche die nötige Geduld besaßen,
und den Aufsatz nicht als allzu langweilig beiseite
legten, werden es uns vielleicht verzeihen, wenn wir in
künftigen Nummern dieser Zeitschrift in kurzen Rationen
auf etwa entstehende neue Verfahren Hinweisen und
damit obiges ergänzen.

Personal- und Akrlirr-Nachrichten

kr. Der Maler Joseph Sattler, der die künstlerische
Ausbildung München verdankt, jetzt in Straßburg ansässig ist,
giebt seit kurzem unter dem Titel „Die Quelle, ein fliegender
Bilderbogen" ein eigenartiges Witzblatt heraus — ein Blatt
im strengen Sinn des Wortes. Er verspricht, zweimal im Monat
einen stattlichen Karton erscheinen zu lassen mit einer humoristischen
oder satirischen Darstellung, die von einem knappen Text er-
läutert wird. Die uns vorliegende erste Nummer erweckt günstige
Vorurteile für das originelle Unternehmen. Tie künstlerische
Ausführung steht ans einer Höhe, zu der die Illustrationen
unsrer Witzblätter, selbst die der Münchener „Fliegenden Blätter"
nur ausnahmsweise aufsteigen. Sattler wählt nicht die Umriß-
zeichnung zur Ausprägung seiner satirischen Phantasie, er bietet
vielmehr eine wohldurchgeführte Tuschmalerei, die der Lichtdruck
gut vervielfältigt. Das Probeblatt zeigt ein witziges Symbol
der „öffentlichen Meinung": einen riesigen Kochtopf, aus dem
verdächtige Dämpfe aufsteigen. Außen an den Wänden des un-
heimlichen Kessels lauschen die Priester der öffentlichen Meinung,
die Zeitungsschreiber; aus dem wirren Brodeln und Zischen
formen sie ihre Orakelsprüche. Die Begabung des Zeichners ist
anscheinend besonders stark und fruchtbar auf dem Grenzgebiet
zwischen dem Phantastischen und dem Komischen. Sein Witz
wird auch in den folgenden Nummern des „Bilderbogens" sich
kaum zum Politischen oder Aktuellen wenden, dagegen wahrschein-
lich Bedeutendes leisten in der Gestaltung allgemeiner satirisch-
symbolischer Gedanken. Jedenfalls aber dürfen wir von dem
vortrefflichen Zeichner Schöpfungen gleichmäßig gediegener und
echt künstlerischer Arbeit erwarten. l>2Siy

— Berlin. Der Deutsche Kaiser hat Sir John Millais
den Orden pour le merite verliehen.

— München. Der aus den deutschen Reichslanden ge-
bürtige junge Bildhauer Heinrich Waderöe, bekannt durch
seine „Cloö" („Kunst für Alle", VI. Jahrg. S. 177), für die er
die große Medaille der Münchener Akademie und weitere Me-
daillen der Münchener und Berliner Ausstellungen erhielt, arbeitet
gegenwärtig an einer interessanten Gruppe „Die Kinder des
Märtyrers". lwisi

— Professor Hugo-Vogel in Berlin hat den Auftrag er-
halten, ein großes Wandgemälde, die „Industrie" darstellend, für
das Gebäude der Dannstädter Bank anzufertigen. iMN

— Paris. Emanuel Fremiet in Paris ist zum Mit-
glied der Akademie der schönen Künste in Paris gewählt worden.
Die Bildhauerin Frau Berteaux hatte demonstrativ, um die
Akademie zur Erörterung der Frage zu nötigen, ob auch Frauen
zu den akademischen Würden zugelassen werden könnten, ihre
Kandidatur angemeldet. Diese ist nicht berücksichtigt worden.

— Berlin. Das Reisestipendium der vr. Paul Schultze-
Stiftung in Berlin im Betrage von 3000 Mark ist dem Schüler
der dortigen akademischen Hochschule, Bildhauer Heinrich Paul
Günther, geboren am 15. September 1864 zu Gera, zu-
erkannt worden. ii22ii

— München. Dem Studierenden der Akademie der bil-
denden Künste in München, Jakob Stolz aus St. Ingbert
(Pfalz), ist zum Zwecke einer Studienreise nach Italien ein Sti-
pendium im Betrage von 2400 Mark für das Jahr 1892 ver-
liehen worden. llbvsi

— Weimar. Professor Leopold v. Kalkreuth weilt
gegenwärtig in Weimar, um die Söhne des Erbgroßherzogs zu
porträtieren. ^12;

tti. Rom. Wie uns aus Rom geschrieben wird, ist daselbst
hochbetagt der Landschasts- und Blumenmaler Alessandro
Mantorani gestorben. Mantorani war nahezu ein Menschen-
alter (40 Jahre) hindurch im Vatikan thätig gewesen, wo er auch

sein Atelier hatte, und sein hervorragendstes Werk hätte, nach dem
Wunsche Pius IX., die Dekorierung des Portikus im San Damaso-
Hofe sein sollen. Der Tod des Papstes hinderte jedoch die Aus-
führung der Arbeit; die von Pius IX. dafür ausgeworfene Summe
wurde von seinem sparsamen Nachfolger anderweitig verwendet
— wie Fra Tacoreco im „Corriere" erzählt zu den Börsen-
Spekulationen des Monsignor Folchi — und Mantorani mußte
obendrein sein altes Atelier im Vatikan verlassen. Treffliche
Werke Mantoranis befinden sich übrigens auch im Palazzo Tor-
lonia. — In Parma wurde ein im Besitz des Grafen Godi be-
findliches großes Silberkruzifix von Benvenuto Cellini auf-
gefunden. Die künstlerischen Autoritäten in Rom wie Florenz
bezeichnen dasselbe zweifellos als ein Werk des genannten großen
Florentiners. I>3>81

^ In Dresden ist am 21. Juli der Schlachtenmaler
Oberstlieutenant z. D. Theodor von Götz gestorben. Er war
am 14. Dezember 1826 zu Litschen bei Hoyerswerda geboren und
neigte ebensowohl zur militärischen, wie zur künstlerischen Lauf-
bahn. Sein erster Lehrer war der Genremaler Hautzsch. Als
Kadett malte er ein Bild „Schachspielende Kadetten", das auf
der akademischen Kunstausstellung in Dresden einen Käufer fand.
Als Portepeejunker trat er 1848 in das sächsische Heer und zwar
in ein Leipziger Regiment ein, mit der Absicht, zugleich die dortige
Malerakademie zu besuchen. Doch wurde er zu bald nach Wurzen
versetzt. Im Schleswig-Holsteinschen Feldzüge 1819 sammelte
er zahlreiche Skizzen aus dem militärischen Leben, die er später
für Bilder verwertete. In Dresden, wo er seit 1850 lebte,
schloß er sich an den bekannten Schlachtenmaler Ludwig Albrecht
Schuster an, der damals gerade aus der Schule Berners von
Paris znrückgekehrt war. Sein erstes größeres Gemälde, dar-
stellend die zwölspfündige sächsische Batterie bei der Erstürmung
der Düppeler Schanzen, war in der akademischen Ausstellung
des Jahres 1851 zu sehen. Von weiter folgenden Bildern sind
zu nennen: das 2. Jägerbataillon beim Sturm auf die Düppeler
Schanzen, die Batterie Probsthagen in der Schlacht bei Bautzen,
Szene nach der Schlacht bei Frwdland, Szene ans der Schlacht
bei Königgrätz. Um die künstlerische Ausbeute des deutsch-fran-
zösischen Krieges voll verwerten zu können, nahm v. Götz, der
inzwischen zum Bataillonskommanteur und Oberstlieutenant vor-
gerückt war, am 20. Dezember 1872 seinen Abschied. Er wurde
alsdann mehrfach zum Vorsitzenden der Dresdner Künstgenossen-
schaft und 1882 zum Mitgliede der kgl. Galeriekommission Dresden
ernannt. Die zahlreichen Schlachtenbilder, die Götz seitdem noch
malte, stellte er in Düsseldorf, Berlin, meist aber in Dresden
aus; sie sind im Besitze des Königs von Sachsen (Aus der
Schlacht bei St. Privat), des Prinzen Georg von Sachsen (bei
Sedan, bei Daigny, nach der Parade) und verschiedener sächsischer
und preußischer Offizierkorps. Sein Hauptwerk, die Begrüßung
des Kronprinzen Albert von Sachsen mit dem Prinzen Georg
nach der Schlacht bei Beaumont am Abende des 30. August 1870
wird in der kgl. Galeiie zu Dresden bewahrt, v. Götzens letztes
Bild zeigt den sächsischen Hetzklub beim Hallali einer Fuchshatz
mit mehr als 50 bildnisgeiren dargestellten Teilnehmern,

Gestorben. Am 31. Mai 1892 in Monte Cassino
k. Gabriel Wüger, Leiter der Beuroner Malerschule, von
Stcckborn (Thurgau), 63 Jahre alt. — Am 4. August zu Weid-
lingen Orientmaler Leopold Karl Müller im Alter von
57 Jahren. Wir veröffentlichen in nächster Nummer einen aus-
führlichen Nekrolog des ausgezeichneten Künstlers. 12851

Denkmäler

— New-Uork. Das Kolumbus-Denkmal, welches die
italienische Kolonie in New-Dork ihrem berühmtesten Landsmann
errichten läßt, ist von Rom, wo der Bildhauer GaetanoRnffo
mit seiner Ausführung betraut worden war, nach New-Uork ab-
gegangen. stbich

L.-O. Worms. Nach dem Beispiele der Residenzstadt
beabsichtigt man auch hier unsrem jüngst verstorbenen Großherzog
Ludwig IV., unter dessen segensreicher Regierung unsre Stadt
hoch aufblüte, ein würdiges Denkmal zu errichten, und ist be-
reits eifrig bemüht, die hierfür nötige Summe durch Konzerte,
öffentliche Sammlungen u. s. w. aufzubringen. iis«N

Ausstellungen und Sammlungen

— München. Die Preisjurh der VI. Internationalen
Kunstausstellung 1892 zu München ist, wie folgt zusammen-
gesetzt. Für das deutsche Reich wallen des Amtes die Maler:
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