Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 1

München starkeEinwendungen zu machen scheint.
Der große Vorzug, gegenüber der Organisation
in Preußen, liegt in der Zentralisation; daß der
Generalkonservator die ganze Leitung in seiner
Hand hat, daß er den Stab seinerBeamten in Mün-
chen um sich vereinigt und sie, je nach ihrenKennt-
nissen und Studien, bald hierhin, bald dorthin
schicken kann, daß er für die Restaurationen
einen Beirat von Künstlern hat, daß er eine
eigene Konservierungsanstalt hat und, last not
least, daß die ganze Kommission ihren Sitz im
National-Museum hat, also in engster Fühlung
mit den Sammlungen dieses bayrischen Zentral-
museums und mit seiner Bibliothek steht, woraus
auch die Leitungen dieser Anstalten wieder den
größten Vorteil ziehen: alles das scheint mir für
die Entwickelung beider Institute die günstigsten
Aussichten zu stellen. — Wahrlich, wenn Herrn
Voll in den nächsten Jahren meine Besudle in
München von den Portiers der Hotels häufiger
gemeldet werden sollten, so würden diese Besudle
mehr dem Studium und der Suche nach Vorbil-
dern für unsere Museen als dem Wunsch der
gefürchteten Aufdrängung Berliner Beamten für
München gelten!

Ich werde häufig gefragt, weshalb ich auf
Volls Aufsätze in den M. N. N. im Septem-
ber und spätere Ergüsse nicht geantwortet
habe; ich kann immer nur darauf erwidern, daß
ich mich darauf nicht hätte äußern können, weil
ich sie nicht gelesen hätte, daß ich mich aber
auch nicht mehr äußern wolle, weil ich alles
gesagt habe, was mir zur Richtigstellung falscher
Angaben notwendig erschien. Wenn Prof. Voll,
wie Sie mir sagen, darauf zurückkommt, daß
die Kannsche Kreuzigung von Giov. Bellini von
mir selbständig erworben sei, daß aber die Sach-
verständigen-Kommission dafür nicht zu haben
gewesen sei, so bedauere ich, daß Herr Voll auch
hier auf Klatsch und Äushordiungen seine Ver-
dächtigungen stützt: die Kommission hat schon
im Sommer 1907, noch bevor der Verkauf der
Sammlung R. Kann an die Kunsthandlung Du-
veen abgeschlossen war, ein Gebot auf das Bild
einstimmig beschlossen; ich habe aber damals
den Ankauf für uns nicht abgeschlossen, weil
mich sowohl Dr. Swarzenski für die Städelsche
Galerie, wie Geheimrat von Reber für die Alte
Pinakothek um Überlassung gerade dieses Bildes
baten, das mir für unsere Galerie nicht so not-
wendig erschien, da sie zwei andere frühe Bil-
der Bellinis mit ähnlichen Motiven bereits be-
sitzt. Ich kann übrigens meine Zeit besser an-
wenden, als alles das zu lesen oder gar zu
beantworten, was aus Unkenntnis oder böser
Absicht gegen unsere Museen gesagt und ge-
schrieben wird. Durch die Quertreibereien

und Zeitungspolemiken, die in München an der
Tagesordnung zu sein scheinen, möchte ich
mir meinen Humor nicht verderben oder mir
gar München und meine guten Beziehungen
zu Münchener Kunstfreunden und Künstlern
verleiden lassen. Daß diese auch ihrerseits
nicht daran denken, erfuhr ich erst vor einigen
Wochen, als ich ein paar sehr angenehme
Tage in München verlebte. Ich war erfreut
bei der Gelegenheit zu sehen, wie vortrefflich
es Furtwänglers Nachfolger verstehen, die In-
teressen der Äntikensammlungen ganz in dessen
Geiste zu fördern, und wie sie das starke
Angebot von Antiken in München, welches sie
Furtwänglers und Dr. Arndts wie in neuester
Zeit Professor von Bissings Rührigkeit ver-
danken, in bester Weise ausnutzen. Ist es
Herrn Voll, der das Wort prägte: „die bayeri-
schen Museen den Bayern“, wohl einmal in den
Sinn gekommen, daß diese Münchener Archäo-
logen durchweg Norddeutsche sind, ja daß
gar Furtwängler und Wolters Jahre lang Ber-
liner Museumsbeamte waren? Wahrlich nicht
München, sondern Berlin hat sich schlecht dabei
gestanden, daß man solche Leute von hier hat
fortziehen lassen.

Und wie regt sich, dank z. T. denselben
Leuten, der Kunsthandel in München! Nicht nur
der hier altheimische Handel mit mittelalterlicher
und späterer Kleinkunst und Dekorationsstücken
aller Art: München zieht auch den Handel mit
griechischer und römischer Kunst, mit Münzen
und Medaillen, mit alten Gemälden,Kupferstichen,
illustrierten Büchern mehr und mehr an sich. Fast
in alle dem steht jetzt München in Deutschland
weitaus obenan! Wie traurig sieht es daneben bei
uns in Berlin aus; wie schwer wird es unseren
Museen gemacht, die alles draußen suchen müssen,
während man es in München den Direktoren
ins Haus bringt oder diese es, ich möchte sagen,
auf der Straße finden!“

SAMMLUNGEN

ÄLTJONISCHER BRONZEKRÄTER IM
MÜNCHNER ÄNTIQUÄRIUM

Das Münchner Antiquarium enthält eine reiche
Auswahl vorzüglicher Proben aus der antiken
Kleinkunst, darunter viele Stücke von großem
künstlerischem Wert und wissenschaftlicher Be-
deutung, aber es fehlten ihm bisher, wenn man
nicht den berühmten Goldkranz von Ärmento
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