Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Sammlungen s Ausstellungen

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Katalog besteht aus Zetteln von starkem weißen
Karton, mit der Schreibmaschine beschrieben,
die in zehn eichenen Kartothekkasten von Soen-
neken untergebracht sind.

S

SCHAFFHAUSEN —

Das Münsterareal in Schaffhausen, d. h. die
an das romanische Allerheiligen Münster an-
grenzenden ehemaligen Stiftsgebäude mit dem
bekannten romanischen, z. T. in gotischer Zeit
umgebauten Kreuzgang, das von der Stadt dem
Kanton Schaffhausen abgekauft wurde, soll in
ein städtisches Museum umgewandelt werden.
Professor Dr. Gustav Gull in Zürich, der Er-
bauer des Landesmuseums, ist mit den vorbe-
reitenden Studien beauftragt worden.

C. H. B.

s

SCHWEIZ - -

Gottfried Keller-Stiftung. Die eidgenössische
Kommission der Gottfried Keller-Stiftung hat
im vergangenen und im laufenden Jahre folgende
Kunstgegenstände angekauft: Zwei Zimmeraus-
stattungen aus dem Hause der von Orelli-Co-
raggioni in Luzern (1523), die dem Landesmu-
seum in Zürich überwiesen wurden, ein Öl-
gemälde von Giovanni Segantini „Strickendes
Mädchen“ das die Kunstgesellschaft in Zürich
erhielt, und eine Büste aus Bronze und Silber
von Franc^ois Boquet aus Carouge (Genf) in
Paris, die dem Musee d’art et d’histoire in Genf
übergeben worden ist. In der letzten Sitzung
erwarb die Kommission von den Erben Ädrien
Mercier das Gemälde „Sappho“ von Marc
Charles Gabriel Gleyre, das der Meister, der
1806 in Chevilly geboren wurde, und am
19. Mai 1874 zu Paris starb, in den Jahren 1835
bis 1838 schuf. Das Bild wird im Kunstmuseum
zu Lausanne deponiert werden. C. H. B.

AUSSTELLUNGEN

BRÜSSEL

Von dem Äntwerpener, voriges Jahr ver-
storbenen Bildhauer Jef Lambeaux ist in
seiner Vaterstadt jetzt eine Ausstellung von
37 Werken des großen Künstlers, darunter der
vor dem Äntwerpener Rathause stehende
Brunnen des „Brabo“, der dem Äntwerpener
Museum gehörende „Kuß“, der „gebissene

Faun“, das in Brüssel befindliche Basrelief der
„Menschlichen Leidenschaften“, „die Ringer“,
sowie eine Anzahl vortrefflicher Porträtbüsten.

F. M.
s

LONDON ----- - -

French Gallery (Messrs. Wallis & Son, 120 Pall
Mall). Diese Galerie, die schon seit langem die
französische und niederländische paysage
intime als Spezialität pflegt, hat in ihrer
96. Ausstellung eine Reihe ganz außergewöhn-
lich schöner Werke von Matthew Maris (17);

J. Israels (12); H. Harpignies (14) und
L’ Herm itte (18) vereinigt. Von letzterem findet
sich ein frühes, kühlgehaltenes, jedoch stimmung-
durchtränktes Werk: „Das Ende des Tages“.
Millet sagte von ihm, es besitze all die Stim-
mungskraft, die einer Flucht nach Ägypten
eignen sollte. Ein paar der Israels sind in der
Art dieses Meisters etwas zu sentimental. Die
Mathew Maris aber sind wahre Perlen, aus
Liebe zur umgebenden Natur und einem den
alten, ewig lebendigen Sagen seines Volkes
weit offenen Herzen geboren. —

The Fine Art Society (148, New Bond Street).
Hier ist jetzt eine große Zahl ausnehmend
schöner japanischer Buntdrucke (268 Stück)
von zusammen 37 Künstlern von der Mitte des
XVII. Jahrhunderts bis Mitte des XIX. Jahr-
hunderts zu sehen. Die meisten Stücke sind
von dem japanischen Verlagshause Daikoku-ya
gesammelt worden. Besonders berühmte Stücke
sind: „Frauen und Kinder vom Strande tau-
chende Frauen beobachtend“ vonUtamaro und
desselben Künstlers „Seidenwurmserie“. Uta-
maro ist im ganzen mit 40 Werken vertreten.
Nach den hier kürzlich gezahlten hohen Auktions-
preisen für japanische Drucke erweckt diese
seltene Ausstellung natürlich ein ganz beson-
deres Interesse.

The New English Art Club (Galleries of the
Royal Society of British Artists, Suffolk Street,
Pall Mall). Aus seinem kleinen Heim, einer
einstigen Werkstatt, in Bond Street ist der Club
der fortschrittlich gesinnten, nach individuellem
Erleben, Ersehen und Gestalten strebenden eng-
lischen Künstler diesmal in größere Quartiere
gezogen und hat darin eine äußerst lebensvolle,
anregende Ausstellung eröffnet. Am meisten
fallen einige große Werke des seltsamen Stilisten
und großen Könners A. E. John auf, den man
in seinem Wesen und Wollen Nichtkennern
vielleicht dadurch wenigstens etwas erklären
kann, daß man ihn, mit einem natürlich etwas
hinkenden Vergleiche, als den englischen Hodler
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