Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 13

bezeichnet. Individuelles Sehen und Packen
wird durch einen eisern auf ein bestimmtes Ziel
gerichteten Willen in stilistische Ketten ge-
schlagen, deren Klirren man gleichsam noch
hört. Man fühlt das große Wollen, ahnt das
Ziel, und wird doch nicht sicher genug geführt,
um selber bis zu ihm zu gelangen. Sein Porträt
des Malers W. Nicholson aber hat etwas sicher
Monumentales. Bedeutsame Arbeiten senden
noch W. Rothenstein, Wilson Steer, der
frühe Freilichtschotte W. Mc. Taggert, Marc
Fisher, C. J. Holmes, W. Orpen u. a. m.
Max Beerbohm ist mit einer Reihe seiner
sichertreffenden Karikaturen vertreten. S ar gen t
schickt schneidig hingeworfene Skizzen, mit
denen er gern außerhalb der ehrsamen Royal
Äcademy auftritt. F.

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PÄRIS ■'■■=■ - ~

Bei den Bernheims findet eine Kollektivaus-
stellung des Werkes von Maximilien Luce statt.
Luce gehört zu der Gruppe der Neoimpressio-
nisten. Seine Landschaften aus Holland und
aus der Umgegend von Paris bestätigen aufs
neue seinen Ruf als rechtschaffener, ernster
Künstler, doch fehlt diesen in eine violettblaue
Skala getauchten Bildern, dieser gewisse von
Erdenschwere befreite, lyrische Schwung, den
sonst gerade die lachende Ile de France ein-
zugeben pflegt.

*

* *

Bei Georges Petit schloß sich an die Aus-
stellung der Societe Nouvelle die alljährliche
Vorführung der Societe desPastellistes Franpais*.
Die diesjährige Ausstellung befand sich nicht
auf dem Niveau der früheren. Dieser Salon
leidet unter einem gewissen Mangel an Ein-
heitlichkeit der künstlerischen Tendenz. Albert
Besnard bringt ein virtuoses Bildnis der Prin-
cesse Murat und eine Reihe Studienköpfe, die
durch eine ungewohnte gedämpfte Farbenskala
überraschen. Von Lhermitte eine Reihe köst-
licher Landschaften, denen die gedämpften Töne
der Pastelltechnik einen besonderen Zauber ver-
leihen. Diese Arbeiten zeichnen sich durch eine
unglaubliche Feinheit und Sicherheit der Be-
obachtung aus und es lebt in ihnen der Geist
der Maler von Fontainebleau nach, wenn an
Stelle von deren schwermütigen Pathos auch
eine heiterere Auffassung der Natur getreten ist.
Von Aman Jean eine Reihe seiner sensitiven
Frauenbildnisse, audi in den Porträts und dem
dumpfen, trüben Kanal in Venedig von Levy-
Dhurmer klingt eine leise mystische Note an.
Abel Trudlet wirkt in seinen Pastellen von den

Seinequais sympatischer und weniger brutal als
in seiner sonst recht seelenlosen Malerei. Da-
neben eine Reihe guter Arbeiten, aber auch all-
zuviel Mittelgut, das dem Gesamteindruck dieses
kleinen Salons schädlich ist. R. M.-R.

DENKMALPFLEGE

BÄDEN

Anfang März beschloß die Einwohner-
gemeinde Baden nach einem Gutachten von Prof.
Dr. J. Zemp in Zürich die Wiederherstellung des
ehemaligen Landvogteischlosses und die Ein-
richtung des Gebäudes zu einem Museum für
die bereits vorhandenen, im Kasino und an an-
deren Orten notdürftig untergebrachten Samm-
lungen. Das Schloß, hart am rechten Ufer der
Limmat als wegbeherrschender Brückenkopf er-
richtet, ist ein unregelmäßiger Bau, der Jahr-
hunderte lang bis 1798 den eidgenössischen
Vögten als Residenz diente und 1807 in den
Besitz der Stadt Baden überging. Das heutige
Gebäude wurde unter teilweiser Benützung einer
älteren Burg 1487—1489 von Baumeister Jakob
Hegnauer von Zürich neu aufgeführt und 1579
wesentlich erweitert. Damals ist der charakte-
ristische, bis zum Dach emporführende Schneggen
angebaut worden, den man durch ein kunst-
volles, mit Reliefskulpturen geziertes Sandstein-
portal von 1580 betritt. C. H. B.

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GENF .- ---—.—

Von jenen fünf Chorfenstern der Kathedrale
St. Pierre in Genf, die vor etwa 40 Jahren als
schadhaft entfernt wurden, sind jetzt die beiden
am besten erhaltenen im Atelier für Glasmalerei
Kirsch & Fleckner in Freiburg a. U. zur Wieder-
verwendung in dem seiner Vollendung entgegen-
gehenden neuen Museum in Genf wiederher-
gestellt worden. Das eine Glasgemälde zeigt
St. Jakobus von Campostella mit aufgeschlage-
nem Budie und darüber eine Verkündigung,
das andere den Evangelisten Johannes, im
oberen Teil Maria auf der Mondsichel. Die aus
der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts stam-
menden Glasmalereien, die sich durch große
Schönheit und Leuchtkraft auszeichnen, sind
offenbar Stiftungen des Chorherrn Andreas von
Malveda, dessen Wappen unten am Jakobus-
Fenster angebracht ist. C. H. B.

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