Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Entdeckungen s Denkmalpflege

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ENTDECKUNGEN

ÄNCONÄ

Hier hat man vor einigen Tagen bei Bau-
arbeiten vor der porta Cavour in der via Marg-
herita einige Bestattungsgräber gefunden, die
man nach dem Inhalte der hellenistischen Zeit
zusprechen muß. Die Grabbeigaben bestehen u. a.
aus Glasschalen, Schmuckkästchen aus Bein,
Schreibstili, goldenen Ohrringen mit Ketten-
hängern. Der sehr rührige Direktor des Än-
conitaner Museums Prof. dall’Osso wird nun die
Grabungen auf breiter Basis aufnehmen. L. P.

S

ÄREZZO -=—---

In der hiesigen San Francesco-Kirche wurde
ein großes, aber sehr beschädigtes Fresko auf-
gedeckt. Es stellt Maria zwischen vier Heiligen
und Episoden aus dem Leben letzterer dar.
Nach Vasari gehört dieses Wandbild dem Spi-
nelli an, der ein seltener Kolorist, aber ein
mittelmäßiger Zeichner war. Er lebte noch im
Jahre 1426.

S

BRÜSSEL ■ ■ -

Äuf einem zur Gemarkung des Kohlenindu-
striellen Warocque bei La Louviere wurde ein
fränkischer Friedhof mit 370 Gräbern gefunden,
ferner ein römisches Krematorium, dessen Epoche
demnächst festzustellen versucht werden wird,
sobald der Fundort von Fachkennern besucht
sein wird.

* *

*

Bei dem kleinen Orte Trivieres wurde ein
fränkischer Friedhof entdeckt, der obgleich
erst zur Hälfte bloßgelegt, bereits 385 Gräber
sowie einen aus römischer Zeit stammenden
Kalkofen zutage gefördert hat. Hauptfundstücke
waren ein römischer eiserner Helm und ein
Degen. In der für die Beerdigung der Frauen
reservierten Ecke fanden sich Fibeln, Ohrringe
und andere Ziergegenstände. Der Archäologe
de Loe bereitet einen ausführlichen Bericht über
den Friedhof und die Funde vor. F. M.

S

GENT =-r-

An der Porte d’Änvers wurden 2 goldene>
4 silberne und 24 bronzene römische Münzen
gefunden, die für Judäa zur Zeit des Pontius

Pilatus geschlagen zu sein scheinen und die In-
schrift tragen: Pontius Pilatis Judi ...., Jahres-
zahl unkenntlich, auf der Rückseite ein Bienen-
korb.

S

PARIS - — ' ■- ' -

Eine Reihe von Ausgrabungen wurde in
Älise Sainte Reine, dem alten Alesia, unter-
nommen, in der Nähe des galloromanischen
Theaters wurde ein Relief mit der Darstellung
eines Gottes, wahrscheinlich eines Jupiters, zu-
tage gefördert. Das Stüde ist leider stark be-
schädigt. R. M.-R.

S

ROM '.-...

In der Nähe von Pompeji sind bei privaten
Ausgrabungen, wie die Zeitungen melden, vor-
zügliche Fresken in einer antiken Villa zutage
getreten, doch hat die Regierung sogleich das
Einstellen dieser Ausgrabungen verfügt. Wie
uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, be-
ruhen die sämtlichen Zeitungsnachrichten zu-
nächst noch auf verfrühten Informationen, denen
erst nach der Erklärung des Ministeriums auf
Grund fachwissenschaftlichen Gutachtens ent-
sprechende Wichtigkeit zuzuweisen sein wird.
Wir werden nicht verfehlen, unseren Lesern
dann genaues zu berichten.

DENKMALPFLEGE

VENEDIG

Mit der Summe von 260 000 lire, welche zu
Restaurazionszwecken ausgelegt wurde, hat man
hier manches zu Wege gebracht. Der 80 m
hohe Glockenturm der Frari-Kirche ist jetzt von
den Rosten aus konsolidiert, vondem er drohte
über die Kirche einzustürzen. In dem Frari
selbst sind wieder alle Eisenklammern ange-
bracht, die in früheren Zeiten entfernt wurden;
einige während des Pestjahres 1640 vermauerte
Fenster sind nun geöffnet. Die Aksis, Sakristei,
einige Bögen und Grundmauern sind zum
Teil ganz vermauert worden. Die alte Tünche
der Kirche wurde entfernt und mit Backstein-
farbe ersetzt, was direkt schauderhaft wirkt.
Auch eine andere monumentale Kirche, „S. S.
Giovanni e Paolo“ wird gründlich restauriert.
Die berühmten Glasgemälde von G. Mocutto
(1473) haben eine neue Einfassung erhalten. Die
Fundamente der Rosenkranzkapelle, die be-
kanntlich durch einen Brand 1867 ihres künst-
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