Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Literatur s Sprechsaal

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gestatteter Katalog mit Abbildungen und Tafeln,
dessen Herausgabe Wilhelm Bode besorgt.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß
unter den deutschen Privatsammlungen die-
jenige von Huldschinskg in Berlin nach Reich-
haltigkeit und Qualität eine der bedeutendsten
ist. Die Geschichte dieser hervorragenden Samm-
lung, die mit ebenso großem Geschmack wie
großzügigem Aufwand an Mitteln zusammen-
gebracht wurde, ist kaum 15 Jahre alt. Mit dem
Bodeschen Werk wird die Mehrzahl der Kunst-
schätze überhaupt zum ersten Male publiziert.

Für die bildende Kunst genügt es einige
Namen zu nennen, um die Bedeutung der
Sammlung zu charakterisieren. Unter den Ita-
lienern treffen wir Raffael, Sebastiano, Botti-
celli, unter den Niederländern Rembrandt, Frans
Hals, Maes, Ostade u. a. Dieser Teil der Samm-
lung ist besonders reichhaltig und vermittelt in
einigen ausgewählten Meisterstücken einen Über-
blick über die ganze Geschichte der holländischen
Malerei.

Auch das XVIII. Jahrhundert ist vortrefflich
vertreten. Die Besucher der im Jahre 1907
stattgehabten Ausstellung des Kaiser Friedrich-
Museumvereins im Palais Redern erinnern sich
noch jener beiden prächtigen galanten Szenen
von Jean de Trog. Ebenso reich wie an Werken
der großen Kunst ist die Abteilung der Klein-
kunst und des Kunstgewerbes, über die eben-
falls eingehend und katalogmäßig berichtet
wird. Bronzen von Giovanni de Bologna stehen
neben wertvollen Werken der Goldschmiede-
kunst und einer Anzahl meisterhafter Porträt-
Miniaturen, welche einen Überblick über diesen
Kunstzweig in Deutschland, Frankreich und Eng-
land gewähren.

Die Ausstattung des Werkes soll dem Cha-
rakter der Sammlung angemessen sein. Nach
einer Einleitung Bodes über „Kunstsammeln“
folgt eine eingehende Beschreibung der Samm-
lung, an die sich zum Schluß ein wissenschaft-
licher „Catalogue raisonne“ anfügt, unterstützt
von 48 Photogravüren und einer großen Anzahl
von Textabbildungen. Im ganzen gelangen nur
130 Exemplare dieses für die Kreise der Sammler
hochinteressanten Werkes in den Handel (Preis
100, bezw. 110 M.).

In dem bei E. Wasmuth erscheinenden
Werke „Neubauten der Stadt Berlin“, das
Ludwig Hoffmann herausgibt, kam soeben der
VIII. Band mit dem Märkisdien Provinzial-
Museum heraus. Die vorzüglichen Lichtdruck-
tafeln, die nach Aufnahmen von E. v. Brau-
ch itsch ausgeführt werden, veranschaulichen
die mustergültige Einrichtung des Museums in

vollkommener Weise. Es ist zu begrüßen, daß
die Kenntnis dieses vorbildlichen Museums -
bau es so in weitere Kreise getragen wird, zu-
mal da der Erbauer selber im begleitenden
Text seine Anschauungen und Absichten dar-
legt und in knapper Form erläutert. V.

SPRECHSHÄL

EIN VORSCHLAG AUS FACHKREISEN

Zwei wohl fast alle Leser dieser Zeitschrift
interessierende Angelegenheiten sollen hier kurz
zur Sprache gebracht werden.

I.

Jeder Kunsthistoriker hat heutzutage zu seinen,
wie immer gearteten Arbeiten Photographien,
und zwar möglichst viele und gute nötig. Ab-
gesehen davon, daß er bei der Lektüre sehr
vieler kunstgeschichtlicher Abhandlungen um
viele Abbildungen von Kunstobjekten verlegen
ist, die besprochen, aber nicht reproduziert
werden, findet er beispielsweise beim Sammeln
des Materials für seine eigenen Arbeiten, daß
die Bilder, Skulpturen, kunstgewerblichen Er-
zeugnisse usw., die er gerade kennen lernen
will und muß, in den entlegendsten und oft
sehr weit voneinander entfernten Orten auf-
bewahrt werden und nur an Ort und Stelle zu
besichtigen sind. Der nächstliegende Gedanke
ist nun, ob von den betreffenden Kunstwerken
Photographien käuflich sind, um zeitraubende
und kostspielige Reisen nach den verschiedenen
Aufbewahrungsorten zu sparen. Gar mancher
aus dem Leserkreise hat, öfter als ihm lieb
war, die Erfahrung machen müssen, daß in
vielen solchen Fällen jedes Mittel fehlt, um zu
erfahren, ob von dem gerade in Frage
stehenden Kunstobjekt (Architekturen usw.)
eine oder mehrere brauchbare käufliche Photo-
graphien existieren oder — falls keine solche
vorhanden sind — ob in der betreffenden
Stadt (oder Umgegend) ein Photograph seinen
Wohnsitz hat, der eine solche Aufnahme machen
kann. Die Anfragen an Pfarrer, Direktoren
kleinerer Museen, Schloßverwalter, Stadtmagis-
trate usw. haben gewöhnlich, falls man über-
haupt eine Antwort erhält, keinen Erfolg. Wie
mancher unserer Leser wird wohl über der-
artige Unzuträglichkeiten und aus ihnen sich
ergebende Lücken und Mängel seiner Arbeit
Klagen Vorbringen können. Ich kann mir die
Ausmalung dieser Art von Misere der Kunst-
historiker hier ersparen, erlaube mir dagegen
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