Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Entdeckungen s Ausgrabungen s Literatur

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PARIS — ■ ■—

Um das Schloß Chambord an der Loire
in französischen Staatsbesitz zurückzubringen,
wird in Frankreich eine öffentliche Subskrip-
tion eröffnet werden. Chambord wurde 1526
im Auftrag Franz I. von Pierre Nepreu er-
baut; Cousin, Bontemps, Goujon und Pilon
liehen ihre Kraft zur Ausschmückung des herr-
lichen Baues. 1821 wurde das Schloß von der
Witwe des Marschalls Berthier um 1542 000 fs.
dem Staat verkauft und dem Herzog von Bor-
deaux geschenkt, dem späteren Herzog von
Chambord (1820—1883), nach dessen Tode es in
den gemeinsamen Besitz seiner 22 Erben über-
ging, die alle Ausländer, Deutsche, Österreicher,
Italiener und Bulgaren sind. Auch von ihnen
sind schon wieder mehrere gestorben, so daß
die Gefahr droht, daß das Schloß bald ganz in
den Besitz einer ausländischen Fürstenfamilie
übergeht.

Auguste Rodin bereitet zusammen mit dem
Dichter und Kunstkritiker Charles Morrice ein
Buch über die altfranzösischen Kirchen vor.

Mit dem Palais de Biron beschäftigt sich
zurzeit die gesamte Pariser Tagespresse, um
Stadt und Staat zu bewegen, das Schloß vor
dem Ankauf irgend eines Millionärs zu retten
und in öffentlichen Besitz zu bringen. Das
Palais de Biron liegt an der rue de Varennes,
an der Ecke des Boulevard des Invalides. Das
Hotel, eines der köstlichsten Bauten aus dem
Paris des XVIII. Jahrhunderts, wurde 1728—31 von
dem Architekten Gabriel für einen Emporkömm-
ling erbaut, der ein Jahr nach der Fertigstellung
des Schlosses starb. 1753 kaufte es der Herzog
von Biron, der dort 35 Jahre lang wohnte und
den großen Park durch 62 Gärtner bestellen
ließ. Nach seinem Tode ging das Schloß nach
einander in den Besitz des Herzogs von Charost,
des russischen Gesandten, Fürst Kourakin und
Frau Marat über, der Begründerin des Ordens
von Sacre-Coeur. Bis 1906 war darin ein vor-
nehmes Erziehungsinstitut untergebracht. Zur-
zeit bewohnt Rodin einen Teil des Schlosses.
Das Verkaufsdatum ist vom 26. Juni d. J. auf
ein späteres Datum verschoben. Der heutige
Wert des Schlosses mit dem Park wird auf
12 Mill. Franken geschätzt.

Ein Beispiel des Vandalismus gibt die Pariser
Stadtverwaltung, indem sie ein Privathotel in
der rue de l’Universite Nr. 24, das sie kürzlich
kaufte, niederreißen läßt. Das gut erhaltene
Hotel stammt aus den ersten Jahren des
XVIII. Jahrhunderts. Eine Säulenreihe ist dem
Hause in Halbrund vorgebaut, die eine kleine
Ballustrade trägt. Die Fenster der ersten

Etage sind mit prachtvollen Basreliefs geziert.
Die Innenräume sind reich mit Holzschnitzereien
geschmückt. Das Hotel ist eines der schönsten
Denkmale im Faubourg Saint-Germain. O. G.

AUSGRABUNGEN

rr=fH=y=-- - —-

ROM

Die im antiken Ferentum dicht in der Nähe
von Viterbo unternommenen Grabungen sind
wieder aufgenommen worden und erstrecken
sich nun anf das dort gefundene antike Theater.
Die Leitung der Grabungen liegt in den Händen
des Direktors Prof. L. A. Milani und seines
Substituten Dr. Ed. Galli. Das Resultat scheint
nach Andeutungen von fachmännischer Seite von
exzeptioneller Wichtigkeit für die Geschichte des
antiken Theaterbaues zu sein. L. P.

S

PARIS ====-

Bei dem Umbau der Unterpräfektur in Vienne
(Departement Isere) wurden in einer Tiefe von
ungefähr 3,50 m verschiedene Kunstgegenstände
aus der Römerzeit entdeckt; besonders hervor-
zuheben: eine ausgezeichnet erhaltene und über-
aus anmutige Statuette einer Terpsichore aus
Bronze und eine zweite, weniger gut erhaltene,
welche einen Gott oder eine römische Person
darstellt. R. M.-R.

:a

LITERATUR

Die Briefe der Frau Henriette Feuer-
bach, der verehrungswürdigen Stiefmutter des
Malers Anselm Feuerbach, sollen mit Zustimmung
der Familie gesammelt und herausgegeben
werden. Infolgedessen ergeht an alle Besitzer
von Briefen Frau Feuerbachs das Ersuchen, sie
in Abschriften oder Originalen dem Herausgeber
Dr. Hermann Uhde-Bernays, München 27,
zur Verfügung zu stellen. Die Originale werden
selbstverständlich unversehrt zurückgestellt
werden. Eie Familien Feuerbach und Heyden-
reich erklären sich ausdrücklich gegen etwaige
sonstige nicht autorisierte Publikationen. Die
Herausgabe wird im Verlag S. Fischer, Berlin,
erfolgen.
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