Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 2

Personalien s Vermischtes

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nach Deutschland, wahrscheinlich nach seiner
engeren Heimat Barmen, zurückzuziehen. Bei
seinem Entschlüsse waren zunächst Familien-
rücksichten maßgebend. Dann hat Dörpfeld den
Wunsch, die Eigebnisse seiner drei Jahrzehnte
umfassenden Forschungen der Öffentlichkeit zu-
gänglich zu machen, was ihm bei seiner an-
strengenden Amtstätigkeit bisher fast unmög-
lich war. Vor allem will er die Leuka-Ithaka-
Frage in Buchform behandeln. Noch wichtiger
und längst ersehnt ist die Behandlung der
Topographie Athens aus seiner Feder. Die ihm
nahestehen, werden den Verlust Dörpfelds bitter
empfinden, wie denn auch ganz Athen seine
hervorragende Persönlichkeit sehr vermissen
wird. Es soll indessen versucht werden, einen
Modus zu finden, um den Gelehrten auch noch
nach seinem Fortgang an das Institut zu fesseln
und ihm alljährlich einen kurzen Aufenthalt in
Athen zu ermöglichen. Eine Entscheidung darüber
ist noch nicht gefallen. Sie erfolgt bei der
nächsten Plenarversammlung des Archäologi-
schen Instituts, die Mitte April in Berlin statt-
findet, wo auch über seinen Nachfolger eine
Entscheidung getroffen wird.

S

WARSCHAU -

Im Älter von 84 Jahren starb der Kunst-
sammler und Kunstschriftsteller Mathias Ber-
sohn, Verfasser einer Reihe von kleinen Mono-
graphien aus dem Gebiete der polnischen
Kunstgeschichte, so über Holz- und Steinsyna-
gogen in Posen, über Danziger Kupferstecher,
die Radziwill’sche Waffensammlung, Martinus
Theophilus Polak, Maler aus dem XVII. Jahr-
hundert (Frankfurt a. M. 1891), die Marien-
burg usw. Seine Sammlungen sind zum Teil
schon bei Lebzeiten an die Warschauer Gesell-
schaft der Kunstfreunde, an Krakauer Museen,
sowie an die Warschauer jüdische Gemeinde
(Sammlung jüdischer Kulturgegenstände) ver-
macht worden. p. E.

VERMISCHTES

PARIS

Unter dem Vorsitze des Unterstaatssekretärs
der Schönen Künste, Dujardin Beaumetz, ist
eine Kommission konstituiert worden, die sich
mit der Reorganisation der Verwaltung der

staatlichen Porzellanmanufaktur in Sevres
beschäftigen soll. Schon seit Jahren war in
den Erzeugnissen dieser Manufaktur ein ge-
wisser Stillstand zu beobachten. Während die
technischen Prozesse immer mehr verfeinert
wurden, hat sie künstlerisch, im Gegensatz zu
den staatlichen Manufakturen Deutschlands und
Dänemarks, kaum neues und persönliches zu
schaffen gewußt. R. M.-R.

s

TOLEDO -

Der Untergang des Domes von Toledo
scheint Tatsache werden zu wollen. Wie die
„Kölnische Zeitung“ berichtet, droht die Decke
des Mittelschiffes mit unmittelbarem Einsturz,
so daß dieser Teil der herrlichen Kathedrale
bereits polizeilich abgesperrt wurde. Wenn
nicht energische Schritte zur Erhaltung ge-
schehen , steht dasselbe Schicksal auch dem
oberen Aufsatz des Turmes bevor. Beim Ein-
sturz werden der schöne Chor und die beiden
Gitter, die ihn und den Hauptaltar abschließen,
zugrunde gehen.

s

VERONA —-. . -

Vom Bronzeportal der Basilica von S. Zeno
sind zwei Reliefs gestohlen worden und zwar
Darstellungen eines harfespielenden Engels und
eines trinkenden Engels. G.

s

AMERIKA = - —-

In der eben erschienenen Januarnummer der
„Rassegna d’arte“ berichtet F. Mason Perkins
über ein bisher unbekanntes Bild der lombar-
dischen Schule, das sich in der Sammlung
D. F. Platt in Englewood (New Yersey) befin-
det. Während Berenson in diesem Bilde ein
unter mailändischem Einfluß entstandenes Werk
der neapolitanischen Schule zu sehen glaubt,
schreiben es andere dem Boltraffio zu. Per-
kins selbst wagt eine Bestimmung nur insofern,
als er sich für „mailändisch“ entscheidet. Die
Zuweisung an Boltraffio hat, soweit die bei-
gegebene Abbildung schließen läßt, insoferne
viel für sich als Komposition wie Einzelheiten
(die Hände, das Balanzieren des Kindes, der
Ausdruck desselben) stark an Boltraffio — etwa
die Madonna in Petersburg — erinnern.

S
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