Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 7

lieh geschriebene Biographie des verschollenen
Meisters, heute werden wiederum unter seiner
Ägide ungefähr 100 Werke Fallers vereinigt, die
von größtem Interesse für die Entwicklungs-
geschichte der modernen Malerei sind. Faller
ist durch und durch Luminist, er hat das später
von Monet gelöste Problem deutlich erkannt,
doch hat er mit einer hauptsächlich wohl von
den Fontainebleauern inspirierten Technik die
allzuschwere Aufgabe nidit lösen können: viele
seiner Bilder scheinen durch gefährliche Farben-
mischungen zum allmählichen Untergang ver-
urteilt zu sein, andere frisch alla prima herunter
gemalte Naturstimmungen sind noch heute von
erstaunlicher Frische und können den besten
Werken der Fontainebleauer an die Seite ge-
stellt werden, aber eben diese Ungleichheit war
wohl schuld daran, daß der einsame Grübler
Faller niemals den verdienten Erfolg hatte.

Die Societe Nationale des Beaux-Ärts wird
in diesem Jahre wiederum eine retrospektive
Ausstellung in dem Schlößchen Bagatelle
veranstalten. Es sollen Frauenporträts aus der
Zeit der drei Republiken ausgestellt werden.
Die vorjährige Retrospektive litt unter einer
mangelhaften Vorbereitung und machte einen
zusammengewürfelten Eindruck. Hoffentlich wird
in diesem Jahre interessanteres und einheit-
licheres geleistet werden.

Im Musee des Arts decoratifs findet eine
großeÄusstellung französischerSpitzen statt,
der man eine vom Textilmuseum in Lyon ge-
liehene Sammlung von Goldspitzen und Spitzen
spanischer Provenienz aus dem XV. bis XVII.
Jahrhundert angegliedert hat.

Der Salon des Independants findet in diesen
Jahre in einem provisorischen Gebäude im
Tuileriengarten statt. Des Platzmangels halber
werden von jedem Mitgliede nur zwei Werke
angenommen.

In der Gallerie Chaine et Simonson hielt
die Societe de la peinture ä l’eau ihren vierten
Salon ab, auf dem Besnard, Simon, Äubur-
tin, Luigini, die Belgier Khnopff und Dalaunois
mit trefflichen Arbeiten vertreten waren. Unter
den Pariser Aquarellisten-Ausstellungen ist
diese jedenfalls die interessanteste. R. M.-R.

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VENEDIG =r- -

Auf der nächsten VIII. internationalen Kunst-
ausstellung, die am 24. April eröffnet wird, wird
diesmal nicht nur Belgien einen Pavillon haben,
sondern auch Ungarn, wofür der ungarische

Reichstag 200 000 Kronen bewilligt hat. Audi
England wird seinen Pavillon errichten, den
F. Brangwyn, T. Grosvenor und G. Frampton
ausstatten werden; ferner die Münchner Se-
zession. Es werden Sonderausstellungen orga-
nisiert von Stuck, Kroyer, Zorn, Besnard; von
Inländern Ettore Tito, G. Ciardi, C. Innocenti,
C. Tallone, M. De Maria, D. Calandra und
F. Jerace. Von verstorbenen italienischen Künst-
lern werden Sonderausstellungen des Militär-
malers G. Fattori, des Toskaner Macchiainolo
T. Signorini, G. Pelizza und Orientmaler Ä. Pa-
sini zu sehen sein. Amerika wird zwei Säle
für sich haben. Auch will man Bilder der wenig
bekannten malerischen Orte Italiens ausstellen.
So werden C. Cairati Malereien aus Mittel- und
Norditalien, De Maria-Bergler solche aus Sizi-
lien und F. Gioli solche aus Toskana hierher
senden. Br.

DENKMALPFLEGE

DIE KOMMISSION ZUR ERHALTUNG
DER KUNSTDENKMALER
IM KÖNIGREICH SACHSEN

Dem soeben erschienenen Berichte auf die
Jahre 1906, 1907 und 1908 ist zu entnehmen, daß
die Tätigkeit der Kommission wiederum bedeut-
sam gewachsen ist. Auf ihre Anregung hin
wurde u. Ä. durch eine Verordnung des Königl.
Ministerinms des Innern vom 16. September
1908 ein Königlich Sächsisches Denkmal-
Archiv begründet, das der Leitung des Prof.
Dr. Bruck (von der Königl. Technischen Hoch-
schule zu Dresden) unterstellt worden ist. Der
Zweck dieses Denkmal-Archivs ist die Samm-
lung aller älteren und neueren auf die Bau- und
Kunstdenkmäler im Königreich Sachsen bezüg-
lichen Zeichnungen und Abhandlungen. Schon
jetzt ist ein reicher Bestand an solchen Nachwei-
sen über die ursprüngliche Gestalt eines
Kunstdenkmalsund über die mit ihm etwa vor-
genommenen Veränderungen vorhanden; beson-
ders wertvoll vertreten ist in der Sammlung die
für Sachsen kulturreichste Zeit, das XVIII. Jahr-
hundert, aber auch die Zeit der Renaissance,
das XVI. Jahrhundert, und die Übergangszeit von
der Renaissance zum Barock, das XVII. Jahrhun-
dert, finden in den Besitzständen des Archivs
bereits Ausdruck. Die Kunstwissenschaft wird
aus dieser Sammlung, das ist schon heute zwei-
fellos, manche wertvolle Anregung ziehen
können.
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