Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

Page: 136
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1909/0150
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
136

Der Cicerone

Heft 4

gegen sein wird. Äus der großen Änzahl der
Werke des Künstlers, die auf dem Markt einen
sehr hohen Preis erreichen, ist vor allem aus
französischem Privatbesitz eine Reihe bisher
wenig bekannter Arbeiten zu nennen, die in-
dessen an dem Gesamtbild, das wir von dem
Schaffen Ziems haben, nichts zu ändern ver-
mögen. Der Maler bunter Marinen, der nament-
lich Venedig bevorzugte, wird auch auf dieser
Ausstellung über den anspruchslosen Landschafter
siegen, obwohl gerade hier Ziem gute Quali-
täten zeigt, die freilich an die Werke seiner
großen Zeitgenossen nicht heranreichen. Bilder
von Ziem sind mehrfach auch in deutschen Pri-
vatbesitz gelangt, doch hat keines derselben
den Weg nach der Riviera gemacht. Möglicher-
weise wird das Interesse des kaufkräftigen
Rivierapublikums Ziem wieder in Mode bringen
wie vor über 30 Jahren. Diese Ausstellung ist
erzieherisch jedenfalls wertvoller als die sonstigen
Darbietungen der Saison, bei denen es sich nur
darum handelt, mit Ladenhütern verständnislose
Käufer zu beschwatzen.

S

SCHWEIZ -

Die Turnus-Ausstellung des Schweizeri-
schen Kunstvereins im Jahre 1909 wird am
4. April in Basel eröffnet, dann die Städte
Aarau, St. Gallen, Winterthur, Le Locle und
Biel besuchen und an letzterem Ort im Sep-
tember geschlossen werden.

* *

*

Die eidgenössische Kunstkommission,
die am 5. und 6. Februar in Bern tagte, be-
schloß, den nächsten schweizerischen Salon im
Jahre 1911 in Zürich abzuhalten in den Sälen
und zur Eröffnung des neuen Kunsthauses am
Heimplatz, das derzeit von den Architekten
Curjel in St. Gallen und Moser in Karlsruhe für
die Zürcherische Kunstgesellschaft erbaut wird.

C. H. B.

DENKMALPFLEGE

DÜSSELDORF

lm Januarheft der Zeitschrift „Die Rhein-
lande“ erregt ein kurzer Artikel von Dr. Ed. Re-
nard allgemeineres Interesse. Es handelt sich
um einen Abschnitt aus einer Denkschrift des
gleichen Verfassers, worin der historische und

künstlerische Wert der königl. Schlösser in
DüsseldorfundBenrath erläutert, worin ferner
dieGefahren beieinerVeräußerung in Privathände
angedeutet werden. Der Rheinische Verein für
Heimatpflege und Denkmalschutz hat, unter Bei-
gabe der Renardschen Denkschrift, sich an das
Königl. Hausministerium gewendet, um den be-
absichtigten Verkauf abzuwenden. Hoffentlich
wird es diesen ernsten und berechtigten Be-
strebungen gelingen, die drohende Gefahr ab-
zuwenden und dem deutschen Volke den Besitz
der beiden Schlösser als Nationaldenkmal zu
erhalten.

s

KÖLN ===== - -

Der Clarenaltar im Dom und die Ma-
donna mit der Wickenblüte. Das letzte
Heft der Zeitschrift für christliche Kunst ist in
seinem ganzen Umfange der wissenschaftlichen
Erläuterung von Fragen gewidmet, die nicht
nur in den Rheinlanden in der letzten Zeit die
Gedanken aller Kunstfreunde beschäftigt haben,
die vielmehr in der ganzen gebildeten Welt
ein Aufsehen erregten wie kaum eine andere
künstlerische Frage im Laufe des letzten Jahr-
zehntes. Die seltsame Tatsache, daß der be-
rühmte Altar im Kölner Domchore durch Über-
malungen aus dem Beginne des XIX. Jahrhunderts
verdorben worden war, daß unter der Farbschicht
sich ein altes Gemälde von bemerkenswerter
Schönheit befinde, wurde durch die Mitteilung
überboten, daß auch die vielverehrte Tafel mit
der „Madonna mit der Wickenblüte“ sich als
die Arbeit eines Malers aus dem Beginn des
XIX. Jahrhunderts darstelle, hier allerdings mit
dem Unterschiede, daß kein altes Original unter
dem modernen Überzug sich verberge. Von den
psychologischen Folgerungen, die gezogen wurden
aus der Entdeckung einer derartigen Täuschung,
der sämtliche hervorragenden Kunsthistoriker des
vergangenen Jahrhunderts unterlagen, ist nicht
gerade zur Ehre der kunstwissenschaftlichen
Forschung in der Presse viel zu lesen gewesen.
Es ist darum erfreulich, daß entgegen dem
lächerlichen Kult, den trotz allem einige ver-
zückte Kunsthistoriker noch mit diesem letzten
Bilde treiben wollen, hier Direktor Dr. Poppel -
reuter die Ergebnisse seiner Untersuchung im
Anschluß an die Beobachtungen des Restau-
rators Fridt unbefangen und überzeugend mit-
teilt. Dieser Aufsatz weist zunächst auf das
Maltechnische, auf die krankhaften Reißungen
der Fläche, auf die Metallart der Scharniere,
die aus Messing sind statt aus Eisen, und geht
dann auf die Widersprüche in dem rein Inhalt-
loading ...