Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 16

samte Bildersammlung, welche Caillebotte dem
Museum vermachte, zur Aufstellung gelangt.
Die beschämende Tatsache, daß ein Dezennium
lang 18 Bilder aus dem Besitz dieses ruhm-
würdigen Stifters in den Magazinen lagern, wird
deutschen Ohren unglaubwürdig klingen. Es ist
aber wahr, daß zwei Bilder von Renoir, drei
Bilder von Sisley, elf Bilder von Pissaro, zwei
Bilder von Cezanne und die Krokettpartie von
Manet wirklich immer noch nicht aufgehängt
worden sind.

* *

*

Im Museum Cluny ist eine kleine Ausstellung
von Kinderspielzeug aus dem Mittelalter und der
Renaissance eröffnet worden. Puppen, Kinder-
küchen, Bleisoldaten usw. Die meisten dieser
Dinge wurde aus dem Bett der Seine auf-
gefischt. 0. G.

S

SCHWERIN i. M. -

Großherzogliches Museum. Die Neuordnung
der Gemäldegalerie nähert sich langsam ihrer
Vollendung. Die Disposition der Räume wurde
in der Weise getroffen, daß der Hauptsaal
der Galerie und zwei Nebensäle rechts und
links ganz den Holländern überlassen wurden,
die auf diesen Ehrenplatz in Schwerin be-
rechtigten Anspruch haben. An diese Räume
schließen sich links die Franzosen und rechts
die deutschen Meister an. Ein größerer Ober-
lichtsaal im rechten Flügel hat die italienischen
Meister aufgenommen. In den vier Kabinetten
links sind die modernen Meister untergebracht;
die Kabinette rechts wurden wiederum für die
holländische Schule reserviert.

Es sind im Laufe der letzten Jahre vollstän-
dig neu hergerichtet worden: der Saal der ita-
lienischen Schule, der holländische Hauptsaal,
der deutsche Saal und der Saal der französi-
schen Meister mit den Hauptwerken Oudrys.
Gleichfalls neu geordnet wurden auch die vier
Kabinette mit den Werken neuerer Maler zum
Teil aus Mecklenburg, unter denen Otto Dörr
der Ehrenplatz gebührt.

Der eben vollendete zweite holländische Saal
umschließt vor allem die Schule Rembrandts, so-
weit sie in der Galerie vertreten ist: Werke des
Ferdinand Bol, Salomon Köninck, des Barendt
Fabritius u. a. Dazu kommen die späteren
Holländer, die starke italienische Einflüsse er-
fahren haben. Sie scharen sich um ein Haupt-
werk der Galerie, das „Römische Fährbot“ des
Ädriaan van de Velde. Wenigstens ein kleiner
Teil der Gemälde, vor allem die köstlichen Bilder
Könincks wurden von Ä. Hauser sachkundig

restauriert, der sich in den letzten sechs Jahren
um die holländischen Meister der Schweriner
Galerie überhaupt die größten Verdienste er-
worben hat.

Auch jetzt wieder wurde nach Kräften an-
gestrebt, die Wände nicht zu überfüllen und
jedem Bilde einen ausreichenden Platz und eine
eigene Wirkung zu gönnen. Für die Rahmen
wurden vielfach Muster des Kaiser Friedrich-
Museums nachgeahmt. Alle größeren Bilder
wurden hier wie dort an Kupferdrähten auf-
gehängt. Die Wände wurden mit Linoleum be-
kleidet und mit heller Ölfarbe gestrichen, ein
Verfahren, das schon früher angewandt wurde
und sich außerordentlich bewährt hat.

In kleineren Galerien zwingen meist schon
die knapp bemessene Mitteln die Notwendig-
beit auf, bei umfassenden Neuordnungen lang-
sam vorzugehen. Man kann aber hier auch
eher als in großen Kunstzentren aus der Not
eine Tugend machen und das, was geschehen
soll, mit aller Sorgfalt vorbereiten.

In der Flucht der Haupträume der Galerie
harrt zurzeit nur noch der dritte holländische
Saal der Erneuerung. Mit den vier holländi-
schen Kabinetten, die augenblicklich noch eher
einem Bildermagazin als einer Gemäldegalerie
gleichen, wird die Neuordnung der Galerie zu
beschließen sein.

Um auch hier der Zukunft eine freiere An-
ordnung der Bilder zu ermöglichen, ist im Mu-
seum ein größeres Depot eingerichtet worden.
Eine Unzahl minderwertiger Bilder, vor allen
des XIX. Jahrhunderts, wurden zum Schmuck
von Großherzoglichen Ministerien und Verwal-
tungsgebäuden hergeliehen. E. St.

AUSSTELLUNGEN

KRÄKÄU

In den Sälen der Gesellschaft der Kunst-
freunde ist eine kleine Ausstellung von Ge-
mälden alter Meister, vorwiegend Porträts, er-
öffnet worden. Besonderes Interesse erwecken
die Bildnisse des Ehepaars Oswiencim aus der
Mitte des 17. Jahrhunderts, wahrscheinlich von
Jon Fricius, dem Schüler Jordaens', gemalt, das
Porträt des sächsischen Feldmarschalls Graf
Fleming und seiner Gemahlin, einer geborenen
Fürstin Radziwill, von dem Dresdener Hofmaler
Ludwig de Silvestre, sowie das Porträt des
Grafen F. Noszynski von Grassi (1797). Aus
dem XIX. Jahrhundert stammen zwei Frauen-
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