Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 3

Von den Auktionen s Kleine Nachrichten

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LONDON -

Bei Gutekunst in Kingstreet kann man jetzt
neben einigen modernen Künstlern eine Kollek-
tion von Werken des frühenglischen Zeichners
und Karikaturisten Thomas Rowlandson
sehen. Dieser Künstler besaß ausgeprägten
Sinn für malerische und atmosphärische Effekte
neben scharfer Charakterisierungsgabe. Das
englische Leben des ausgehenden XVIII. und
des frühen XIX. Jahrhunderts lebt in diesen
Originalzeidmungen wieder auf.

In Edinburg hat die Schottische Äcademy
ihre Jahresausstellung eröffnet, deren Haupt-
stücke dem Altmeister Orchardson, dem Prä-
sidenten Sir James Guthrie und D. Y. Ca-
meron angehören. F.

s

MÜNCHEN -

Im Kunstauktionshaus G. Mössel (Rinder-
markt 2) findet am Donnerstag, den 18. Februar
und folgende Tage eine Auktion von Hand-
zeichnungen,' Studien, Ölbildern, Holzschnitten,
Exlibris, Stammbuchblättern usw., teilweise aus
dem Besitz des Finanzrates Wilckens und aus
den Nachlässen einiger Münchener Maler, statt.
Bayrische und italienische Ortsansichten und
Stiche stehen im Vordergründe der Auktion.
Unter den Meistern sind J. A. Klein, Sandrart,
Bartolozzi, Callot u. a. bestens vertreten. Der
Katalog verzeichnet 1951 Nummern.

S

PARIS -

Wichtige Versteigerungen haben während des
Monats Januar nicht stattgefunden. Am 27. Januar
fand eine Versteigerung von Handzeichnungen
statt, (Exp. Loys Delteil) die einige interessante
Resultate hatte. Einige Studien Wolgang v.
Menzels für den Markt in Verona brachten.
160, 175, 150 und 210 Fs. Ein schönes Aqua-
rell von Delacroix, Christus auf dem Oelberg
wurde mit 420 Fs. bezahlt.

S

KLEINE NACHRICHTEN

FÄLSCHUNGEN ÜBER
:: FÄLSCHUNGEN! ::

Florenz ist voll von dem Klatsch über eine
Fälschung, mit der ein paar bekannte hiesige
Kunsthändler hineingefallen und von der der
Louvre noch glücklich bewahrt worden ist,
weil er den Gegenstand nicht gleich bezahlen
konnte. Es handelt sich um nicht mehr und
nicht weniger als um eine große Lünette
in Ton, die dem Andrea Verrocchio zuge-
schrieben wurde. Einer unserer hiesigen
„Professori“, ein sehr selbstbewußter Herr,
kaufte sie um 14 000 Francs. Bei ihm sah
sie der nicht weniger selbstherrliche, hier an-
sässige Pariser Händler B., erkaufte sich einen
Anteil daran, unter der Bedingung sie dem Louvre
anzubieten. Das geschah und der Louvre ak-
zeptierte dankend für den Preis von 125 000 Fr.
Dann kamen aber böse Leute und wagten an
der Ächtheit dieses „Verrocchio“ zu zweifeln;
das mühsam aus Italien herausspedierte Stück
wanderte zurück, und bei näherer Erkundigung
der blamierten Händler ergab sich als der Fabri-
kant des Stückes ein gewisser Bonafede — ein
treffender Name für einen Fälscher!

s

* Antwerpen. Der Magistrat beabsichtigt das
Haus des Malers Peter Paul Rubens anzukaufen
und ein Museum darin zu begründen, in wel-
chem die Zeichnungen und Briefe des Meisters
sowie Kopien seiner Gemälde Platz finden
sollen.

*Berlin. Die bekannte Kunsthandlung
ÄgnewandSon, die seit kurzem in Berlin
eine Filiale eröffnet hat, stellt gegenwärtig zwei
bedeutende Bildnisse van Dycks aus, ein Por-
trät Maria Ruthwens, aus der englischen Zeit,
und das energisch aufgefaßte, repräsentative
Bildnis eines nassauischen Fürsten, das kurz
nach des Meisters italienischem Aufenthalt ent-
stand. Außerdem sind mehrere interessante
holländische Landschaften und Seestücke, u. a.
von S. vanRuisdael, zu sehen, sowie Werke
der großen englischen Meister, besonders von
Romney. y.

*Zum siebzigsten Geburtstage Hans Tho-
mas bereitet der Salon Gurlitt eine um-
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