Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 23

anzufertigende Fachkataloge, andererseits als
Grundlage für die Inventarbereinigung. Der
Jahresbericht konstatiert bei dieser Gelegenheit,
daß sich nach dem Ausweis der Kataloge das
Verhältnts der ausgestellten zu denmagazinierten
Altertümern wie 2:3 stellt, d. h. von40000Ob-
jekten sind 16000 für das Publikum sichtbar,
während 24000 in mehr oder weniger passenden
Räumlichkeiten aufbewahrt noch immer der Aus-
stellung harren. Bei einer Mitberücksichtigung
der prähistorischen und römischen Abteilung
verschiebt sidi das angegebene Verhältnis aller-
dings zugunsten der ausgestellten Objekte; allein
diese Abteilungen spielen bei der nachgerade
akut gewordenen Platzfrage keine wesentliche
Rolle.

Unter den Ankäufen sind zunächst mehrere
Holzskulpturen aus der Zentralschweiz und Ost-
schweiz hervorzuheben, die darauf hindeuten,
daß man zielbewußt eine allmähliche Ergänzung
der nicht eben zahlreichen Holzplastiken des
Museums anstrebt. Die Holzstatue eines jugend-
lichen heiligen Königs mit ursprünglicher Be-
malung (um 1300) aus der Innerschweiz ist auf
einer Tafel des Beridits abgebildet. Dann hat
die Kommission in ergiebigem Maaß von der
Aufforderung des Herrn Dr. H. Angst Gebrauch
gemacht, aus seiner im Frühjahr 1909 öffentlich
versteigerten Privatsammlung eine erste Aus-
wahl zu treffen. Von diesen Erwerbungen sind
eine reich mit Kerbschnitzereien gezierte Kassette
aus Birnbaumholz mit dachförmigem Dekel (aus
dem XIV. Jahrh.) und mehrere Waffen, Schwerte,
Säbel und Dolche (XII. bis XVII. Jahrh.) in Ab-
bildungen dem Berichte beigegeben.

Zusammen mit der Eidg. Kommission der
Gottfried Keller-Stiftung konnten der größere
Teil der kunstvollen Schmiedearbeiten des See-
hofs zu Meilen (1767) erworben und im
Äußern des Museums an der nordwestlichen
Ecke wirkungsvoll aufgestellt werden; auch diese
Gruppe ist auf einer der Tafeln abgebildet.

Außerdem hat die Kommission der Gottfried
Keller-Stiftung die von ihr erworbenen Zimmer-
decken und Wandgemälde aus dem Hause der
Familie Corragioni d’Orelli in Luzern im Museum
deponiert, hervorragende Werke aus dem ersten
Viertel des XVI. Jahrhunderts. Die größere, mit
1523 datierte Holzdecke, durch spätgotisch pro-
filiertes verkreuztes Stabwerk in rautenförmige
Felder geteilt und mit reizvollen geschnitzten
Medaillons geschmückt, ist ein Werk des Zürcher-
ischen Meisters Hans Küng, der 1520 die ähn-
lich behandelte schöne Decke im Saale der
Schmiedenzunft zu Zürich ausführte. Die Wand-
gemälde der Hauskapelle, ein Zyklus von Hei-
ligenbildern, dürfen mit größter Wahrscheinlich-

kiet als Werke des Zürcherischen Malers Hans
Leu d. J. betrachtet werden. Leider gestatten
die Raumverhältnisse des Museums die Aus-
stellung dieser Kunstsachen z. Z. nicht; sie
werden aber einmal eingebaut mit zu den wert-
vollsten Schätzen des Museums gehören.

Die Münz- und Medaillensammlung hat durch
die Schenkung der Sammlung brasilianischer
Münzen, Medaillen und Geldscheine des 1907
in Zürich verstorbenen Herrn Dr. Julius Meili
(im ganzen 3505 Stück), eine außergewöhnliche
Bereicherung erfahren.

Schließlich teilt der Bericht noch mit, daß
Herr August F. Ammann zur Seeburg bei
Kreuzlingen dem Landesmuseum seine große
etwa 7000 Nummern umfassende Exlibris-Samm-
lung die er bis zu seinem Ableben noch weiter
zu vermehren gedenkt, vermachte. Dadurch ge-
langt das Museum in den Besitz einer der
hervorragendsten Sammlungen von Exlibris und
wird zugleich „die heraldischen Materialien auf
eine Höhe bringen, wie sie wohl selten ein
Museum aufzuweisen in der Lage sein dürfte“.

C. H. B.

AUSSTELLUNGEN-

LONDON

Französische Meister. Bei Messrs. Tooth
and Son in Bond Street sind einige Franzosen des
XVIII. Jahrhunderts in meist trefflichen Beispielen
zu sehen, u. a. Watteau, Grenze, Boucher,
Fragonard, Pater, Francois Fabre, während
Messrs. Obach eine Kollektion von französischen
Porträtschwarz-weißblättern, vor allem von
Nanteuil zusammengebracht haben, darunter
Ludwig XIV. (aus drei verschiedenen Jahren). —
Wedgwoodporzellan. In 11 Conduit Street
ist ein Teil des an Stückzahl sehr umfangreichen
Tischservices zu sehen, das Josiah Wedgwood
für Catharina von Rußland in ca. achtjähriger
Arbeit anfertigte, und das lange Zeit hindurch
für verschollen galt, bis es kürzlich im Peterhof-
palast wieder aufgefunden wurde. Die Stücke
sind mit englischen Veduten: Schlössern, Parks,
Brücken usw. geschmückt; auch Ansichten der
Londoner Vororte im XVIII. Jahrhundert finden
sich. Einige der Veduten stellen die einzig vor-
handenen Ansichten abgebrochener Baulichkeiten
dar. — Von moderner Kunst bieten Messrs.
Knoedler in Bond Street eine gewählte Aus-
stellung: Shannon, Ricketts, Orpen, Philpot usw.
sind mit gutgewählten Beispielen vertreten. —
In der Carfax Gallery hält der Bildhauer
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