Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 19

Tat sind von den ägyptischen Grabfunden an
bis auf die Gegenwart die verschiedensten
Zweige der Webe-, Nadel- und Klöppelarbeit
in bemerkenswerten Beispielen vertreten und
viele der vorhandenen Arbeiten sind textile
Kunstwerke von erster Schönheit, oder Muster
interessanter, seltener Techniken. So bietet die
Auktion denn jedem einschlägigen Museum,
auch dem größten, an Textilien reichsten, Ge-
legenheit zur Erweiterung, Ergänzung der Be-
stände und ebenso findet auch jeder Spezial-
sammler des Interessanten genug, gleichviel ob
er liturgische oder profane Gewänder, Merk-
tücher oder Paramente, Brokate oder altitalienische
und altdeutsche Leinenstickereien, Erzeugnisse
der Volkskunst oder kostbare gotische Änte-
pendien sucht. Besonders auf letztere sowie
auf eine Serie von prächtigen vlämischen
Gobelins, welche die Meistermarke des bekannten
Jacque Peubels tragen, sei hier noch ausdrück-
lich aufmerksam gemacht.

KLEINE NACHRICHTEN

Brüssel. Ein dem hiesigen Finanzmann Paul
Dansette gehöriger Van Dyck, Bildnis einer
noch jugendlichen Dame Vinck von Antwerpen,
sitzend dargestellt, ein gutes Bild und be-
deutender als das vom König dem Museum
überlassene, ist an Duveen Brothers für 550000 fs.
(angeblich) verkauft.

Zu dieser Nachricht wird weiter gemeldet,
daß das Bild bereits nach Amerika für eine
Million fs. weiter verkauft ist. F. M.

* *

*

Brüssel. Das goldene Tafelservice des
Königs, ein Geschenk Wilhelms IV. von Eng-
land an seine Nichte Victoria zu ihrer Ver-
heiratung mit Albert von Coburg-Gotha, wel-
ches durch Erbschaft an König Leopold I.
gekommen ist und uur bei seltenen Anlässen
zum Vorschein kam, ist ebenfalls verkauft
worden. Ebenso ist bereits ein Teil des
Mobiliars freihändig veräußert; das Übrige wird
mit den modernen Bildern diese Woche im
Musee moderne ausgestellt werden. F. M.

* *

*

Wie soeben gemeldet wird, sind die wert-
vollsten Gemälde der Sammlung M. Kann, über
die im letzten Heft an dieser Stelle näheres be-
richtet wurde, bereits in den Besitz des bekannten
amerikanischen Sammlers Alt mann überge-
gangen, und zwar soll er 3 Bilder von Rem-

brandt, einen Ruysdeal (das Kornfeld) um die
Gesamtkaufsumme von 1 Million Dollars er-
worben haben. Auch Whistlers Nachtgemälde
„Valparaiso“ wurde inzwischen nach Amerika
an den Detroiter Millionär F r e e r verkauft.

NEUE KÄTÄLOGE


Ludwig Rosenthals Äntiquariat in München,
Hildegardstr. 14. Katalog No. 133. Bavarica.

Fr. Klübers Nacht., Nähr & Funk, Buchhandlung
und Äntiquariat, München, Lenbachplatz 9. Anti-
quariats-Katalog No. 167.

Max Harrwitz, Buchhandlung und Äntiquariat,
Nikolassee bei Berlin. Äntiquariatskatalog 106.

fl. Buchholz, München, Ludwigstr. 7. Äntiquariats-
katalog Nö. 48, I. Kunst und Kunstgeschichte, II. Ar-
chäologie.

C. Lang & Co., Rom, Via Bocca di Leone 13.
Italia Parte III Roma. Alte und seltene Bücher über
Rom, Änsiditen und Pläne der ewigen Stadt.

Edward Baker, Birmingham, John Bright
Street 14 and 16. Catalogue No. 242. Ä miscellaneous
Collection of nearly 3000 rare und curious works in all
brandies of literature.

Edward Baker, Birmingham, John Bright
Street 14 and 16. Catalogue No. 265. Books of all
descriptions (nearly all in new conditionsl.

Nach Schluß der Redaktion.

Eine Büste Lionardos da Vinci, die jüngste
Erwerbung des Kaiser Friedrich-Museums. Ge-
heimrat Bode erwarb kürzlich in London aus
dem dortigen Kunsthandel die lebensgroße und
bis auf die Hände erhaltene, bemalte Wachs-
büste einer Frau, die er für ein Werk Lio-
nardos hält. Bode wird diese Büste im
Oktoberheft des „Jahrbuches der Kgl. preuß.
Kunstsammlungen“ publizieren. Man darf seinen
Mitteilungen mit Spannung entgegensehen. In-
zwischen klagen die „ Times “ über diesen
neuesten Triumph der gefürchteten deutschen
Konkurrenz auf dem internationalen Kunst-
markt und bemerken dazu ironisch, daß dieser
Fall der englischen Kunstkennerschaft kein ge-
rade glänzendes Zeugnis ausstelle.

Unser Londoner Redakteur meldet im Ein-
zelnen noch Folgendes: Woher die Büste stammt,
ist unbekannt. Für wenige Pfund kam sie vor
zwei Jahren bei einer Versteigerung unter den
den Hammer, wechselte seitdem öfters den Be-
sitzer und stieg bis zu £ 150 im Preise, für
welche Summe die Firma Durlacher sie erstand,
um nun eine Anzahl von Tausendpfundnoten
dafür zu erhalten.
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