Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Personalien s Vermischtes

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PERSONALIEN

LEIPZIG

Zu Ehrendoktoren der Universität wurden
anläßlich des 500. Jubiläums ernannt: Prof,
fl. Venturi in Rom, Maler Fritz von Uhde in
München, Bildhauer Seffner in Leipzig, Maler
Greiner in Rom.

Max Klinger und Karl Seffner erhielten
den Titel „Geheimer Hofrat“.

Direktor Prof. Dr. Graul wurde das Ritter-
kreuz 1. Klasse des fllbrechtsordens verliehen.

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PARIS ==^==^^-

Der Medailleur Jules Clement Chaplain ist
am 13. Juli in Paris gestorben. Geboren am
12. Juli 1839 in Mortagne, studierte er in Paris,
wurde Mitglied des Instituts und war Lehrer
für Medaillenkunst an der Ecole des Beaux-
Ärts. Seine Hauptwerke sind Medaillen für
Victor Hugo und mehrere Präsidenten der Re-
publik.

VERMISCHTES

Angebliche Erwerbung eines Kölner Altar-
werks fiir die Berliner Museen. Durch die Zei-
tungen geht die Nachricht, die Berliner Museen
hätten einen hervorragenden Altar der alt-
kölnischen Schule erworben. Es ist dies ver-
mutlich eine Verwechslung mit dem kürzlich in
die Sammlung gelangten plastischen Hochaltar
des Doms zu Minden, der nach mehreren ver-
unglückten Reinigungs- und Restaurationsver-
suchen im Dom zur Seite gestellt, und den k.
Museen verkauft worden ist. Der Altar besteht
aus einem unteren spätromanischen Teil mit
zahlreichen Heiligenfigürchen und einem größe-
ren Aufsatz mit der Krönung Mariä aus der
zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Ein Alt-
kölner Altar mit vier gemalten Tafeln, mit je zwei
Heiligen in reich geschnitzter gotischer Ein-
rahmung wurde bereits vor Jahresfrist vom
Berliner Antiquar Jaques van Dam erworben.
Dieser Altar stammt ans der Sammlung des
Barons von den Brenken, der ihn von F. Wall-
raf erwarb; er befand sich ursprünglich in St.
Gereon zu Köln. Es ist dies der Altar, dessen
Restauration, wie in den letzten Tagen in ge-

wissen Blättern behauptet worden ist, von Ge-
heimrat Bode verhindert sein soll, weil sich
dabei heraussteilen könnte, daß die Bilder
gleichfalls, wie die „Madonna in der Wicken-
blüte“, gefälscht seien. Wie der General-
direktor bereits im „Cicerone“ mitgeteilt hat,
ist die Restauration dieses Altars schon seit
längerer Zeit im Gange und hat gerade er-
geben, daß unter der schlechten Übermalung
aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
die echte alte Malerei von etwa 1425 zu Tage
kommt. Gleichzeitig erklärte Geh. Rat Bode,
daß diese alte Malerei ganz übereinstimmt mit der
der angeblich falschen altkölnischen Bilder, deren
Echtheit gerade auf Grund jener Restauration
er schon a priori aufrecht erhalten will.

Die Kirchendiebstähle in Frankreich. End-
lich ist die Pariser Polizei der Diebesbande
auf die Spur gekommen, die seit langen
Monaten Raubzüge in den Kirchen und Mu-
seen der französischen Provinzen veranstal-
teten. Als am Samstag, den 17. Juni, das Haupt
dieser Verbrechergesellschaft in seiner Pariser
Wohnung verhaftet werden sollte, erschoß er
zwei höhere Polizeibeamte und dann sich selbst.
Da er seine baldige Verhaftung voraussah, hat
dieser Räuber und Mörder, der sich Delaunag
nannte, alle seine Legitimationspapiere und die
gesamte Korrespondenz mit seinen Komplizen
vernichtet. In seiner Wohnung wurden Pläne
von Kirchen und Museen in der Provinz auf-
gefunden und 48 Kunstwerke, die aus franzö-
sischen Museen und Kirdren stammen; dar-
unter Elfenbeinschnitzereien, Bronzen, Limogen,
Emaillen, Silberarbeiten und Bücher. Die meisten
Altertümer stammen aus dem Museum in Gueret
und den Kirdien in Limoges, Sainte-Viaure und
Brive. Drei Pariser Kunsthändler, die von De-
launag häufig gekauft haben, sind in Haft ge-
nommen; sie behaupten, die Herkunft der von
Delaunay verkauften Gegenstände nicht gekannt
zu haben. Einer dieser Kunsthändler, Chevil-
lard, in der rue Faubourg St. Honore, hat eine
verzweigte, ausländische Kundschaft, und wurde
bereits der Mittäterschaft überführt.

Den diesjährigen Herman Grimm-Preis
gewann Dr. Ignaz Beth mit einer Arbeit
über das Thema „Die Baumzeichnung in der
deutschen Graphik des XV. und XVI. Jahr-
hunderts“. Die preisgekrönte Abhandlung wird
gegen Ende dieses Jahres im Verlag von Heitz
und Mündel in Straßburg erscheinen.

Redaktionelle Notiz. Auf ausdrücklichen Wunsch des Herrn Dr. Ludwig Pollak-Rom haben
wir mitzuteilen, daß derselbe mit dem von Geheimrat Bode, S. 443 des Cicerone, erwähnten
„Grafen“ Ignaz Pollak nicht identisch ist.
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