Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Institute und Vereine s Personalien

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vor. Die Römer griffen die Erfindung schnell
auf. .Was von etruskischen Bauten nach diesem
System ausgeführt ist, datiert erst aus helleni-
stischer Zeit. Im vierten Jahrhundert n. Chr.
baut man im ganzen Mittelmeergebiete nach
diesem Prinzipe.

* *

*

Sitzung vom 19. März. Prof. Pigorini hält im
Namen der italienischen Kollegen einen warmen
Nachruf für den kürzlich verstorbenen Prof. Mau.
Mau sei durch die so langen Jahre römischen
Aufenthaltes halber Römer geworden. Älle hätten
in ihm außer dem großen Gelehrten einen wahren
Freund verloren. Namens der jüngeren Fach-
genossen assoziierte sich Paribeni den Worten
Pigorinis. Hierauf sprach Paribeni über jüngst
zutage gekommene Gräber in Genua. Bei der
Anlage der Straße venti Settembre fand man
85 Gräber, deren Inhalt ins Museo Civico ge-
langte. Im Aufträge der Regierung hat Paribeni
die Grabungen überwacht. Die Gräber waren
in Form eines runden Schachtes „pozzetto“ an-
gelegt, der nach der Aufnahme der Äsche mit
einem horizontalen Steine verschlossen wurde.
Man fand in den Gräbern eine Reihe von griechi-
schen und unteritalischen Vasen aus Ton,
dann Bronzevasen, Fibeln und u. a. auch einen
Helm. Die Funde erstrecken sich nach der
Meinung des Vortragenden vom Anfänge des
vierten Jahrhunderts v. Chr. bis in die helle-
nistisch-römische Epoche. Unter den Vasen ragt
ein Krater mit der Darstellung der Odgsseus-
Eurykleiaepisode, ein anderer mit dem Raube
der Europa hervor, der erstere wahrscheinlich
attischer Herkunft. Der ganze Friedhof erinnert
an die Gräber der Certosa von Bologna. Älle
Beigaben der Gräber sind Import. L. P.

PERSONALIEN

DIE ERNENNUNG DIREKTOR
VON TSCHUDIS

Die Verhandlungen, von deren Beginn und
Fortführung wir unseren Lesern bereits in den
beiden letzten Nummern des „Cicerone“ be-
richtet haben, sind nunmehr zu einem erfreu-
lichen Ende gelangt, und Direktor von Tschudi
hat sich definitiv entschlossen, als Direktor
der kgl. bayerischen Zentral-Gemälde-
galerie nach München zu gehen. Tschudis Be-
deutung ist bereits inHeft!2, Jahrg.I derMonats-

hefte für Kunstwissenschaft von Gustav Pauli rich-
tig gekennzeichnetworden.was er für die Berliner
Nationalgalerie geleistet hat, ist ein bleibendes
Verdienst, und es wird ihm sicher nicht leicht
geworden sein, von dieser langjährigen Stätte
seines Wirkens zu scheiden. Dennoch wird
sein Entschluß, den ersten Posten in München
zu übernehmen, vor allen Dingen in Süddeutsch-
land mit aufrichtiger Freude begrüßt werden, denn
Tschudi bringt alle Qualitäten'mit, die ihn für eine
leitende süddeutsche Stellung als den rich-
tigen Mann erscheinen lassen. Er ist außerdem
Sdiweizer von Geburt und infolgedessen werden
ihm auch die partikularistischen Kreise der
bayerischen Hauptstadt ohne Voreingenommen-
heit entgegenkommen. Das ist bei den ge-
spannten Verhältnissen, die in München bisher
herrschten, und über deren Kleinlichkeit Tschudi
seine Persönlichkeit erhebt, nur erfreulich. Die
Aufgaben, die den neuen Direktor erwarten,
sind sehr groß; sie richten sich insbesondere
darauf, die längst gewünschte Auslese aus dem
vorhandenen reichen Material der Sammlungen
zu treffen, und das weniger Wichtige auszu-
scheiden, damit die Glanzstücke so genossen
werden können, wie sie es verdienen.

Über die Nachfolge Herrn von Tschudis in
Berlin ist bisher an leitender Stelle noch
keinerlei Entschluß getroffen worden.

. s

ÄMSTERDÄM -

Herr Ä. Pit, Direktor des an das Rijks-
museum angegliederten Niederländischen Mu-
seums für Geschichte und Kunst, ist am 22. Fe-
bruar von der Universität Utrecht zum Doktor
honoris causa in den „Nederlandsche letteren“
ernannt worden. Dr. Ä. Pit studierte in Paris
an der Ecole du Louvre und wurde 1896 Unter-
direktor des Niederländischen Museums für
Geschichte und Kunst, dem er seit 1898 als
Direktor vorsteht. Er hat u. a. veröffentlicht:
„Les origines de l’art Hollandais“, „Catalogue
descriptive des eaux-fortes originales deZilcken“,
„Het Goud“ en Silverwerk in het Nederlandsch
museum voor geschiedenis en kunst,“ sowie
„De Beeldhouwkunst“ in demselben Museum.

S

ROM -

Der bisherige Verwaltungsdirektor desNeapler
Museums, Giovanni Gattini, ist seiner Stel-
lung enthoben und nach Turin versetzt worden.
In Ermangelung des noch immer fehlenden
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