Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

Page: 59
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1909/0073
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Heft 2

Sammlungen

59

Von den Bauwerken und Kunstdenkmälern
Reggios kommen ebenfalls traurige Nachrichten.
Das Kastell, die antike Thermen anlage am Meer
und die Sakramentskapelle des Domes (XVII. Jahr-
hundert) sind zerstört; die Optimatenkapelle in
S. Gregorio ist schwer beschädigt. Die Kirche
S. Francesco und das römische Theater sind
gleichfalls vernichtet.

Über viele Kunstwerke und Ärchitekturdenk-
male herrscht zurzeit noch Ungewißheit. Erst
wenn die Äufräumungsarbeiten vollendet sein
werden, wird eine genaue Bilanz des Geretteten
und des Verlorenen aufgestellt werden können.

H. V.

SAMMLUNGEN

BERLIN

Berichte aus den Königl. Museen. In
dem Dezemberheft der amtlichen Berichte aus
den Königl. Kunstsammlungen bespricht Bode
das von uns bereits erwähnte Gemälde „Su-
sanne mit den beiden Alten“ von Pieter Last-
man, das dem Kaiser Friedrich-Museum
leihweise überlassen wurde und dort zurzeit
im Rembrandtzimmer aufgestellt ist.

Diesem Bilde stellt Bode das in derselben
Galerie befindliche, das gleicheMotiv behandelnde
Bild Rembrandts gegenüber und knüpft daran
Betrachtungen über die Beziehungen zwischen
dem 1614 datierten Gemälde Lastmans und dem
1647 entstandenen Bilde des Schülers Rem-
b ran dt.

Von den Vorarbeiten zu diesem letzteren
besitzt das Berliner Kupferstichkabinett vier;
eine davon erweist sich als auffallend in-
kongruent im Vergleich zu den übrigen, von
denen sie durch die Anordnung sowohl als
durch die Kostümierung abweicht, so daß man
sie für eine Arbeit aus der frühesten Zeit des
Meisters halten würde, wenn sie nicht wieder
durch die Sicherheit der Behandlung diese Ver-
mutung zurückweisen würde.

Jetzt stellt sich durch das Lastmansche Bild
mit Sicherheit heraus, daß Rembrandt in diesem
ersten Entwurf es nicht nur bewußt verwertet,
sondern direkt abskizziert hat, was ihn aber
dann nicht gehindert hat, zu einer so bedeutend
geänderten Endfassung zu kommen, wie sie aus
der Gegenüberstellung der Bilder deutlich genug
hervorgeht.

An diese Ausführungen schließt sich ein Be-
richt Winnefelds an über zwei hellenistische

Silberreliefs, durch welche die Silbersammlung
des Antiquariums bereichert wurde.

Es sind in Miletopolis im nordwestlichen
Kleinasien gefundene Medaillons, die unzweifel-
haft dazu bestimmt waren, in Silberschalen ein-
gesetzt zu werden. Das eine zeigt das Profil-
bildnis des Demosthenes; seine rein künst-
lerische Bedeutung wird noch dadurch erhöht,
daß es wahrscheinlich die älteste der erhaltenen
Nachbildungen einer um 280 v. Chr. in Athen
aufgestellten Originalstatue ist, auf die alle vor-
handenen Statuen und Köpfe des Redners zu-
rückgehen.

Das zweite Medaillon trägt einen stark
heraus modellierten, etwas vorgeneigten Silen-
kopf. Winnefeld mutmaßt, daß einer der besten
Künstler der pergamenischen Gigantomachie
dieses Stück geschaffen habe.

Friedrich Sarre bespricht Neuerwerbungen
der vorderasiatisch - islamischen Abtei-
lung, von denen er eine Reihe Fayencen per-
sischer Herkunft aus dem XVII. und XVIII. Jahr-
hundert besonders hervorhebt. — Delitzsch
behandelt ein Ämulet gegen die Dämonin La-
barta, das ebenfalls der vorderasiatischen Ab-
teilung eingegliedert worden ist.

Der Besitz des Kunstgewerbemuseums
an orientalischer Buchkunst und Miniaturmalerei
hat, wie Loubier mitteilt, eine wertvolle Be-
reicherung durch das Geschenk einer indisch-
islamischen Miniatur des XVIII. Jahrhunderts
erhalten, die ein getreues Bildnis des Fürsten
Achmed Schah darstellt (1747—1773), eines Herr-
schers in Afghanistan.

Endlich verzeichnet Springer als Ankauf
des Kupferstichkabinetts eine Handschrift
mit deutschen Stichen des XVIII. Jahrhunderts.
Für Datierung und Herkunft bietet der Text
keinen Anhalt. Die Stiche sind augenscheinlich
Kopien nach schon bekannten Arbeiten ver-
schiedener Künstler. Ihre allein durch die
Technik begründete Zuschreibung an Israel von
Meckenem ist nach Springer unhaltbar.

Die Januarnummer wird von Hermann Voss
durch die Veröffentlichung eines bisher unbe-
kannten Bildes von Wolf Huber in der Lip-
perheidesammlung eingeleitet, einer an
Dürers Holzschnitt (1389) leicht angelehnten
„Flucht nach Ägypten“. Wie bekannt, war der
seltene Passauer Meister in Berlin allein in der
v. Kaufmannschen Sammlung 'vertreten, und
zwar nur durch ein kleines, frühes Bild „Ab-
schied Christi“ (1519). Voss macht darauf auf-
merksam, daß sich aus der luminaristisdien
Entwicklung dem mit Huber Vertrauten von
selber die chronologische Folge seiner Werke
ergibt. Die von anderer Seite vertretene späte
loading ...