Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 21

lands, nicht viel weniger heiß umstritten, ging
für 22 500 M. in den Besitz von Jul. Drey,
München; eine Serie von sechs flämischen Ta-
pisserien, XVII. Jahrhundert, antike Schlachten-
szenen darstellend, für 24 000 M. in den Besitz
von Geheimrat Bernheimer, München, über. Än
sonstigen interessanten Preisen seien hier nodi
kurz erwähnt: Gesticktes Äntependium aus dem
Jahre 1588: 5450 M.; ein fränkisches Äntepen-
dium mit dem Tode der hl. Klara, um 1500:
4900 M. (Kommerzienrat Steinharter, München);
Kasula aus weißer Seide mit Goldstickerei:
1250 M. (Germanisches Museum, Nürnberg);
Kissen mit Elfenbeinspitzen: 1000 M. (Museum
Reichenberg i.B.); Ältardecke mit den vier Erz-
engeln : 1310 M.; Batistdecke mit Seidenstickerei:
800 M. usw.

Äuch für die kleinen Stücke wurden durch-
wegs sehr gute Preise erzielt, da die Kauflust
der Anwesenden überaus rege war.

KLEINE NACHRICHTEN

ein liebliches älteres Werk, eine Madonna aus
dem Kloster Benediktbeuren, angehört. Eine
Tafel mit der Enthauptung Johannis und der
Taufe im Jordan gehört dem Stile Multschers
aus der Ulmer Kunst an. Die alte Nürnberger
Malerei ist, neben einer hl. Ursula, durch zwei
sehr bedeutende Tafeln, Joachim und Änna vor
der goldenen Pforte und Verlobung Mariä, ver-
treten, von denen kürzlich nachgewiesen wurde,
daß sie zu einem für die Kirche von Langen-
zenn gemalten Hauptwerke des „Meisters des
Bamberger Ältares“ gehört haben. Von
Zeitblom stammt eine große Tafel mit drei
Stiftern, das einzige Beispiel eines Votivbildes
großen Stiles im XV. Jahrhundert. Sepp, der
lange Jahre auch Besitzer der schönen Abtei
Wessobrunn gewesen ist, hatte sich um die
Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Haus in
gotischem Stile in München bauen lassen (es
liegt in der Rheinbergerstraße, und das Fresko
über seinem Portale ist von Kaulbach entworfen).
Der bayerische Staat sollte dafür Sorge tragen,
daß diese Sammlungen in der Gesamtheit ihres
wertvollsten Bestandes erhalten blieben.“

Sammlung J. N. Sepp. Eine interessante
Mitteilung über die Sammlung des kürzlich ver-
storbenen Gelehrten J. N. Sepp, die uns be-
sonders wegen ihres Schlußpassus beachtens-
wert erscheint, brachte unlängst die „Fr. Z.“:
„Manche von den Kunstwerken dieser Samm-
lung stammen mittelbar oder unmittelbar aus
jener berüchtigten Schleißheimer Versteigerung,
die im Jahre 1852 stattfand. Abgesehen von
der Galerie Weber in Hamburg, hat es wohl
keine Privatsammlung gegeben, in der die Früh-
zeit der deutschen Malerei so reich und mit so
guten Beispielen vertreten war. Das vielleicht
bedeutendste Werk der Sammlung gehört der
Tiroler Schule an; es sind zwei Heilige, Ja-
kobus und Stephanus, im Stil des großen Mi-
chael Pacher, die von Neustift bei Brixen
1803 nach Schleißheim gekommen waren, Ge-
stalten von monumentalster, überwältigender
Wirkung. Ein in der Gehaltenheit seines
Schmerzes ergreifendes Miserikordienbild von
1484 vertritt die bayerische Malerei, der auch

NEUE KÄTÄLOGE

♦♦♦

Joseph Baer & Co., Frankfurt a. M., Hodistr. 6.
Lagerkatalog 572, Jagd und Sport.

Joseph Baer & Co., Frankfurt a. M., Hochstr. 6.
Katalog 568. Theologia Catholica zum Teil aus der Bib-
liothek des verstorbenen Prälaten Dr. Friedrich Schneider
in Mainz. Erster Teil: Die Bibel und ihre Exegese.

Änt. Creutzer vorm. M. Lempertz, Aachen, Hoch-
straße 66—68. Verzeichnis einer reichhaltigen Sammlung
von Büchern aller Wissenschaften. Versteigerung Frei-
tag, den 12. November.

Karl Ernst Henrici, Antiquariat für Porträts und
Äutographen, Berlin W. 35. Kurfürstenstraße 148. Ka-
talog V, 207 Frauenporträts, 437 Männerporträts.

Auf diesen ausgezeichneten, mit Sachkenntnis und
Fleiß hergestellten Katalog seien die Sammler des Kupfer-
stidies ganz besonders aufmerksam gemacht, denn unter
den fast 650 Blättern befinden sich eine Reihe nicht nur
unbekannter, sondern auch wertvoller Stücke. Die Preise
sind durchweg niedrig angesetzt. Den Katalog schmücken
eine Reihe prächtiger Bildtafeln.

Martinas Nijhoff, Librairie ä la Haye, Nobelstraat 18.
Catalogue Nr. 372, Architecteure.

Nach Schluß der Redaktion.

Der neue Direktor der National-Galerie. Prof. Ludwig Justi, bisher erster ständiger

Sekretär der Berliner Akademie der bildenden Künste, ist zum Direktor der National-Galerie als
Nachfolger v. Tschudis ernannt worden.

Diese hier zunächst nur kurz zu verzeichnende Tatsache wird in allen beteiligten Kreisen
mit aufrichtiger Genugtuung begrüßt werden. Eine bessere Lösung der so ausführlich diskutierten
Frage wäre kaum möglich gewesen.
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