Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Sammlungen s Ausstellungen

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rücksichtigen. Äls weitere Gebiete konnten der
neuen Galerie eine reiche Skulpturensamm-
lung und eine kunstwissenschaftliche Sammlung
von Nachbildungen angegliedert werden. Die
erstgenannte Äbteilung gibt in chronologischer
Folge Beispiele aus allen Perioden der Bild-
hauerei: So sind heute schon die ägyptische
Skulptur und die griechische und römische Bild-
hauerei des Ältertums vollwertig vertreten, zu
denen die seinerzeit erworbene Sammlung Ädolf
Furtwänglers von Werken antiker Klein-
kunst ein prächtiges Gegenstück darstellt. Weiter-
hin sind die Ergebnisse der Expedition zur Ent-
deckung des Menas-Heiligtums, die vornehmlich
mit Unterstützung der Stadt Frankfurt durch-
geführt wurde, bemerkenswert. Äuch die früh-
mittelalterlichen Arbeiten langobardischen Stils,
römische und gotische Skulpturen aus Frank-
reich, Italien und Deutschland, verdienen Be-
achtung. Ein besonderer Saal ist der Blütezeit
der deutschen Plastik in der Spätgotik ge-
widmet. Hier sind es vor allen Dingen Arbeiten
aus dem Kreise Multschers und Syrlins, die die
Bedeutung dieses Teiles ausmachen. Daneben
ist die italienische Renaissance sehr würdig ver-
treten, ganz besonders durch den prächtigen
Majolikaaltar von Andrea della Robbia, den
Frankfurter Kunstfreunde gestiftet haben, zu-
gleich mit dem Hauptstück der Antikenabteilung,
jener neuentdeckten Athena des Myron, die wohl
von jetzt an unter dem Titel „Die Frankfurter
Athena“ dauernd dem Bestand der klassischen
Archäologie einverleibt werden wird. (Über die
Statue hat Ludwig Pollak kürzlich in den Jahres-
heften des ö^terr. archäologischen Institutes be-
richtet. Ihre Entstehung geht danach in das
erste vorchristliche Jahrhundert oder in die aller-
erste Kaiserzeit zurück.)

Frankfurt darf sich zu dieser neuen städti-
schen Galerie durchaus beglückwünschen. Sie
ist ebenso ein Beweis für die konsequente Durch-
führung einer großen Idee, wie ein schönes
Zeugnis für die reiche Opferwilligkeit der Bürger-
schaft. Ohne die Unterstützung der letzteren
wäre es kaum möglich gewesen, schon jetzt
eine in sich geschlossene Sammlung im Zeit-
raum von wenigen Jahren aufzustellen. Für
eine kräftige Weiterentwicklung und den Ausbau
des Unternehmens werden hoffentlich die städti-
schen Körperschaften sorgen.

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HAARLEM — -

Endlich scheint die Frage nach einem Direktor
am städtischen Museum ernstlich in Erwägung
gezogen zu werden; denn nunmehr ist ein dies-

bezüglicher Antrag beim Magistrat eingegangen.
Hoffentlich folgt dem Antrag auch bald die so
dringend nottuende Abhilfe der die Gemälde
leicht in Gefahr bringenden jetzigen Zustände.
Der Antrag ist vom Magistrat soeben genehmigt.

KRAKAU =■ --

Die unlängst verstorbene Witwe des pol-
nischen Landschaftsmalers Jan Stanislawski
hat dem Muzeum Narodowe eine Auswahl von
100 der bedeutendsten Gemälde ihres Gatten
vermacht, sowie die Summe von 3000 Rubel zur
Herausgabe einer Publikation über den Künstler.

Zur bevorstehenden Feier des 25jährigen
Bestehens des genannten Museums hat Prof.
Lasczka eine Medaille verfertigt, welche auf
der einen Seite die Sukiennice, den jetzigen
Sitz des Museums zeigt, und auf der andern
die Silhouette des Wawelschlosses, worin die
kunsthistorischen Sammlungen dereinst Platz
finden sollen. P. E.

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ROTTERDAM = —.

Auf Kosten eines hiesigen Bürgers, der un-
genannt zu bleiben wünscht, soll im Museum
Boymans einSaal durch moderne Nachahmungen
im Stil Louis XIV. ausgeschmückt werden, zu
deren Vervollständigung er alte Gemälde und
altes Porzellan, soweit sie in diesen Stil passen,
(vorläufig) geliehen hat. K. E.

AUSSTELLUNGEN

AUSSTELLUNG VON WERKEN
MOHAMMEDANISCHER KUNST IN
MÜNCHEN 1910

Der Fachausschuß für die Ausstellung von
Werken mohammedanischer Kunst in München
1910 (Vorsitzender Geheimrat vonTschudi, 2. Vor-
sitzender Direktor Stegmann, Kommissare Dr.
Martin-Stockholm, Prof. Sarre-Berlin, Dr. von
Buerkel-München) gibt soeben ein erstaunlich
umfangreiches und aussichtsvolles Programm für
die große Darbietung aus, welche auf unmittel-
bare Veranlassung des Prinzen Rupprecht von
Bayern, eines begeisterten Verehrers der Kunst
des Orients, im nächsten Jahre auf dem Münchner
Ausstellungspark stattfinden soll, und zu welcher
durch L. von Buerkel schon seit einiger Zeit
ernste Vorbereitungen getroffen werden. Bei

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