Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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DEKCICEKONE

HäLBM ONÄT S S CHRIFT
FURDIE-lNTERES S EN -DES

Kunstforschers & Sammlers

I. Jahrgang 13. Heft 1909

Braunschweiger Tische

Von F. Fuhse

In der Stadt Braunschweig und seiner Umgegend findet man noch heute nicht
selten eigenartige Tische, deren Blatt aus Glasperlenmosaik gebildet ist. Auf dem höl-
zernen Kern liegt eine kittartige Masse, in die farbige Glasperlen zu Mustern ein-
gedrückt sind. Im Kunsthandel werden diese Möbel schlechthin Braunschweiger Tische
genannt. Daß Braunschweig oder wenigstens eine der Nachbarstädte ein Fabrikations-
zentrum solcher Tische gewesen sein muß, geht aus ihrer lokalen Verbreitung und
Begrenzung hervor. Außerhalb unseres Gebietes werden sie nur selten angetroffen.
Ich habe deshalb schon seit Jahren mein Augenmerk auf diesen Gegenstand gerichtet,
ohne daß es mir gelingen wollte, irgend eine urkundliche Nachricht über diese Arbeiten,
die sämtlich um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts entstanden sind, aufzufinden. Bei
meinen Untersuchungen über Stobwasser glaubte ich vor einigen Jahren eine Hin-
deutung auf die Werkstätte für diese Tische in einer Eingabe zu erkennen, die Stob-
wasser an den Herzog Carl I. richtet, und in der er bittet, ein ähnliches Aushänge-
schild an seinem Hause anbringen zu dürfen, wie es die „Korallenfabrik“ habe. Der
Braunschweiger bezeichnete mit dem Worte „Korallen“ schlechtweg Perlen. Die Ketten
aus Bernsteinperlen, die von unseren Bäuerinnen getragen wurden, hießen „Kralen
(-Korallen)-Ketten, und mit dem gleichen Namen benannten in meiner Jugend die
Mädchen auch ihre Ketten aus Glasperlen. „Korallenfabrik“ konnte demnach nur
heißen: eine Fabrik, in der Perlen gefertigt oder aber verarbeitet wurden. Diese Ein-
sicht brachte midi indessen zunächst auch nicht weiter, es wollte nicht gelingen, Näheres
über die Korallenfabrik aufzufinden, bis der Zufall mir zu Hilfe kam.

Das Tischlerhandwerk war in Braunschweig wie in den meisten anderen Städten
zünftig, ausgestattet mit einer Reihe von Privilegien, die von dem Herzoge garantiert
waren. Dazu gehörte auch, daß als Meister nur der in der Stadt tätig sein durfte,
der bei der Gilde das Meisterrecht sidi erworben hatte. Alle übrigen Tischler, die

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