Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Sammlungen s Ausstellungen

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sowie zwei Holzschnitte norddeutscher Pro-
venienz vom Ende des XV. Jahrhunderts, die
heilige Anna und die heilige Helena darstellend.

* *

*

Der Unterstaatssekretär der Schönen Künste,
Herr Düjardin-Beaumetz hat im Louvremuseum
die Räume besichtigt, in welcher die aus der
Sammlung Victor Gag erworbenen Stücke zur
Aufstellung gekommen sind. Das Louvre ist
nicht die einzige staatliche Sammlung, der die
Schätze dieses Amateurs zu gute gekommen
sind. Ändere Stücke sind an das Cluny, an das
Museum von St. Germain und an das Museum
der dekorativen Künste gegangen.

* *

*

Dem Louvre wurde von dem Sammler
Charles Drouet testamentarisch eine Sammlung
japanischer Holzschnitte vermacht, dem Luxem-
bourg eine sehr schöne Studie von Whistler:
Mann mit Pfeife, und ein Bildnis des Antoine
Jecker von Carolus Duran.

* *

*

In Cairo wurde bei Gelegenheit des archäo-
logischen Kongresses das neue Gebäude des
französischen archäologischen Institutes einge-
weiht, das zugleich die französische Schule für
Rechtswissenschaft beherbergen wird. Die archä-
ologische Schule ist im Jahre 1881 gegründet
worden. R. M.-R.

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RHEIMS- ====-

Dem Museum zu Rheims wurde das Modell
der Statue „Die Zuflucht“ von Barrias durch
die Witwe des Künstlers überwiesen.

AUSSTELLUNGEN

SCHWEIZERISCHE KUNSTAUS-
STELLUNGEN

Die Turnusausstellung des Schweizerischen
Kunstvereins, die den Sommer über die Schweiz
durchzieht, vermag leider keinen Begriff zu
geben, von dem, was einheimische Künstler der-
zeit erstreben und leisten. Viele hervorragende
Kräfte fehlen, andere sind unzulänglich und
nicht mit ihrem Besten vertreten; dagegen wurde
manches aufgenommen, was besser zurück-
gewiesen worden wäre. Immerhin findet sich
unter den 300 Nummern doch auch manches

beachtenswerte, ja vortreffliche, und da die
Ausstellung nur klein ist, gewinnt diese Minder-
heit an Bedeutung.

Neben Ämiet, der ein Stilleben, rot und
gelbe Äpfel auf türkisblauem Hintergrund, und
ein lesendes Mädchen in flächiger und doch
plastisch lebendiger Malerei ausgestellt hat,
neben Giacometti, Ed. Bille mit kleinen Walliser
Landschaften, den „Ziegen“ von Ernst Hodel,
einem Waldweg von Hugonnet und Bildern
von Kreidolf, Würtenberger, Trachsel und Vallet
sei besonders auf Albert Muret aufmerksam ge-
macht, dessen „Kruzifix“ auf blühendem Fried-
hof gleich wie „die Rast im Jura“ von J. J.
Lüscher eine erfreuliche Frische und Originalität
in die sonst etwas eintönige, fast gewohnte
Bilderreihe bringt. Auch das Knabenbildnis von
Karl Dick und das Bild einer alten Frau von
Schobinger aus Luzern sind prächtig erfaßte,
viel versprechende Leistungen.

Eine famose, überaus reife Bronzebüste des
Dichters Hermann Hesse von Zimmermann, die
kleine Silberbüste eines Kindes von August
Heer, die verheißungsvollen Plastiken Walter
de Vigiers und das reizvolle Frauenbild „Früh-
lingsscheiden“ von H. Hubacher in Genf mögen
als die bedeutendsten der ausgestellten Skulptu-
ren hervorgehoben werden.

Eine, vor allen diesem schweizerischen Turnus
gegenüber, überraschend eindrucksreiche natio-
nale Gemäldeausstellung ist imMai in derG alerie
Leopold Robert in Neuenburg veranstaltet
worden. Teilweise dieselben Aussteller wie dort,
von jüngeren Giacometti, Muret, Bille, Her-
menjat, Äuberjonois, Bieler und Trachsel, und
doch ist alles freudiger, eindrucksvoller und zu-
kunftssicherer. Dazu erscheint diese Veranstal-
tung auch deswegen noch besonders interessant,
weil sie vorzüglich Gelegenheit gibt, die künst-
lerische Eigenart der Westschweiz und ihren
Zusammenhang mit der unserer deutschen Lan-
desteile selten gut zu studieren und zu erfassen.

Schließlich darf die Kollektivausstellung von
Malereien des in Paris lebenden Waadtländers
Felix Valotton, die im Mai die Säle des Künst-
lerhauses in Zürich füllte, nicht unerwähnt
bleiben. Der als Meister des Holzschnittes
längst bekannte Künstler überraschte in seinen
über 70 Gemälden, Figurenbildern, Interieurs
und Landschaften, durch seinen markanten, per-
sönlichen Stil, seinem vornehm feinen Geschmack
und die strenge Sachlichkeit seiner Auffassung.

C. H. B.

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