Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Sprechsaal s Literatur

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von einer häufigeren Inanspruchnahme aus be-
greiflichen Rücksichten nicht abgehalten wird.

Gewiß werden nun manche Verwaltungen
großer Sammlungen vor der Aufnahme des ge-
samten Bestandes zunächst zurückschrecken. Aber
dann mögen sie wenigstensinjedemFalle, woeine
Photographie gewünscht wird, diese Aufnahme
ohne weiteres von einem des Photographie-
rens kundigen Beamten sofort und auch
um einen geringen Preis anfertigen und
die Platte aufheben lassen. Bei späteren
Bestellungen ist dann eine Neuaufnahme
unnötig und die Kosten für einen Abzug sind
gleich Null. Wie oft wird heute von verschie-
denen Seiten ein und dasselbe Kunstwerk auf-
genommen, wie viel Zeit und Geld wird so
unnötig aufgewendet! Ich glaube, viele Fach-
genossen auf meiner Seite zu haben, wenn ich den
Wunsch ausspreche: alle Museumsvorstände, die
bereit sind, auf eine einmalige schriftliche Bitte hin
zu einem niedrigen (festen und bekannten) Preise
(dessen Betrag gleich pränumerando bei der
Bestellung bezahlt werden kann) in kürzester
Frist die Aufnahme des gewünschten Gegen-
standes bewerkstelligen zu lassen, möchten dies
im „Cicerone“ bekannt geben.1) JeneSammlungen
würden dann gewiß bald über einen ansehn-
lichen Bestand von Negativen verfügen, von
denen um So zahlreichere Fachgenossen Nutzen
hätten, je größer und vollständiger die Negativ-
sammlungen sind. Wahrscheinlich werden auch
viele Kunstforscher, die bereits privatim im Mu-
seum Aufnahmen machten oder machen ließen,
bereit sein, die in ihrem Besitze befindlichen
Platten zu dem besagten Zwecke den betreffen-
den Sammlungen zur Verfügung zu stellen.

Ich möchte ausdrücklich bemerken, daß durch
diesenVorschlagden großenphotographischenFir-
men keine Konkurrenz gemaclit werden soll.
Alles, was von diesen Firmen bereils photogra-
phiert ist und also schnell und billig erhältlich ist,
braucht nicht neuerlich aufgenommen zu werden.
Auch könnte man diesen Geschäften nahe legen,
vorher noch eine Auswahl von mehr oder we-
niger „gangbaren“ Nummern in ihre Kollektionen
aufzunehmen, den Rest der nur für den
Kunsthistoriker Interesse habenden
Kunstwerke aber der Linse des nur der
Wissenschaft dienenden Museumspho-
tographen zu überlassen.

Was ich anregen möchte, ist also die Auf-
stellung einer Liste aller der Museen, die bereit
sind, in der angedeuteten Weise die Beschaffung
von Photographien nach jedem bisher noch nicht

■) Diesen Wunsch unterstützen wir wärmstens.

Die Red.

aufgenommenen Gegenstand ihrer Sammlungen
im Interesse der Wissenschaft so leicht wie
möglich zu machen, zu beschleunigen und zu
verbilligen. Die Museumsvorstände, die sich
hierzu bereit erklärten, würden der Wissenschaft
damit einen großen Dienst leisten, für den sie
des wärmsten Dankes aller Fachgenossen gewiß
sein können. Kurt Freise.

LITERATUR

VILLE E CASTELLI D’ITÄLIÄ, LOM-
BÄRDIÄ E LÄGHI, MILANO 1908
(ED. DELLA „TECNOGRÄFICÄ“)

Die vorliegende Publikation ist nicht als
wissenschaftliche Arbeit beabsichtigt. Wenn ich
dieselbe trotzdem an dieser Stelle zur Anzeige
bringe, so geschieht es in der Überzeugung,
daß doch auch der Forscher in diesem reich und
gut illustrierten Bande sehr viel interessantes
finden kann. Die italienischen Villen und ihre
Kunstschätze, die der Ausländer auch nur bei
längerem Aufenthalt im Lande und bei persön-
lichen Beziehungen zur italienischen Gesellschaft
allmählich kennen zu lernen Gelegenheit hat,
bilden in ihrer Art ein Gegenstück zu den eng-
lischen Landsitzen. Hier wie dort tritt uns eine
Kultur entgegen, die in einem gewissen Stil der
ganzen Lebensführung ihren Niederschlag ge-
funden hat. Die großzügigen Barockanlagen,
die heiteren Rokokoräume scheinen auf ihre Be-
wohner einen unbewußten aber umso sichereren
Einfluß auszuüben. Wie sich aber dann das
moderne Leben diesen ererbten Formen an-
paßt, sie durchdringt, das ist reizvoll zu be-
obachten, dafür gewinnen wir schon aus vor-
liegendem Buche manche Beispiele.

Zahlreiche interessante architektonische De-
tails, Angaben über Anlagen, deren Pläne wir bis-
weilen wohl beigefügt wünschten, Mitteilungen
über Gärten und Ansichten derselben, endlich
Notizen über wertvolle Wand- und Tafel-
malereien, Skulpturen oder Erzeugnisse des
Kunstgewerbes wird sich der Forscher gerne zu
Nutze machen, wird ihm doch dadurch größten-
teils neues Material angegeben.

In bunter Abwechslung werden uns Kastelle
vorgeführt, wie in Rocca d'Ängera mit ihren
interessanten Fresken des XIV. Jahrhunderts,
und die von der cremonesischen Malerfamilie
derCampi aufs prächtigste ausgeschmückte Villa
Cicogna in Bisuschio, das Schloß des Barto-
lommeo Colleoni, Malpaga und die von dem
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