Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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DER KUNSTMARKT

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DIE SAMMLUNG MAURICE KANN

Der Ankauf der Maurice Kannsamm-
lung durch Duveen Brothers hat begreif-
licherweise hier das größte Aufsehen erregt;
das Interesse ist sogar fast größer als seiner-
zeit, als die Rodolphe Kannkollektion in den
Besitz der Duveens überging. Denn einige der
elf Bilder, um die es sich bei diesem Ankauf
vornehmlich handelt, sind nur ganz wenigen
Kennern zu Gesicht gekommen. Zeigte Maurice
Kann doch seine Bilder niemandem, sondern
ließ sie gegen die Wand gelehnt in seinem
Hause stehen. Sie sollen nun aber während
des Oktobers in London, wohin sie schon
gebracht worden sind, öffentlich ausgestellt
werden und dürften wohl sehr viele Kunstfreunde
nach London locken. Die elf Bilder bestehen aus;

Vier Rembrandts, alle dessen letzter
Periode angehörig; nämlich das sogenannte
„Porträt eines Auktionators“ oder des jungen
Haaring, Sohnes jenes Beamten des Bankerott-
gerichtshofes, der dem Meister in seiner schlim-
men Zeit beigestanden; ferner die Porträts
eines Mannes und einer Frau, in der Behandlung
und Farbengebung an die „Judenbraut“ er-
innernd, und „Pilger beim Gebet“, datiert 1664.
Letzteres hatte Kann von Konsul Weber in
Hamburg erworben.

Drei Frans Hals, Porträt eines Bürger-
meisters oder reichen Bürgers von Haarlem,
eine großartige Leistung; dieses] Bild hing
lange Zeit in der Arundell of Wardourkollek-
tion; sodann Männerporträt mit dem Wappen
der Kecimans Familie von Ätlasserdam, kleiner
im Umfang als das erste, aber von noch feinerer
Qualität. 'Es dürfte den Vater jenes Jünglings
darstellen, dessen Porträt einst in der Rodolphe
Kannkollektion gehangen.

Cuyp, ein großes, aufs sorgfältigste durch-
geführtes Bild, das Kennern noch von der Zeit
her bekannt ist, als es sich in der Sammlung
des verstorbenen Lord Revelstoke befand.

Zwei Jacob Ruysdaels, darunter „Korn-
feld“, die umfangreichste und vielleicht beste
Version des von dem Meister so oft behan-
delten Themas.

Reynolds: Porträt der Elisabeth, Lady
Taylor, ein gut erhaltenes Bild, das vor längeren
Jahren aus London nadi Paris gewandert war.

Neben diesen elf Gemälden haben Duveen
Brothers noch angekauft adit dekorative Stücke

von Boucher, für Mme. de Pompadour gemalt;
eine ausgesuchte Kollektion von Majolikas;
einige selten schöne Limoger Emaillen, darunter
das Porträt des Duc de Nevers aus der Spitzer-
kollektion; ca. 150 goldne und emaillierte Schnupf-
tabakdosen und eine Marmorbüste, die Dona-
tello zugeschrieben wird. All diese Gegenstände
aber bleiben vor der Hand noch in Paris.

Mr. Joseph Duveen äußerte sich einem Ver-
treter der London News Agency gegenüber
folgendermaßen über den Ankauf: „Öffentliche
Galerien in Deutschland und Amerika wett-
eifern miteinander, die Gemälde zu erwerben,
die wir nur nach schwerem Kampfe mit der
Konkurrenz erstanden haben. Wenn aber
die Trustees der Londoner National Gallery
das erste Angebot zu haben wünschen, so
sind wir gern bereit es entgegenzunehmen.
Der Ankauf der Holbeinschen Christine von
Dänemark hat ja gezeigt, daß man in England
immer Geld für wirklich gute Gemälde zusam-
menbringen kann.“ — Ob Mr. Joseph Duveen
sich da nicht doch etwas täuscht? Etwas
anderes ist es, ein seit Jahren zum festen Be-
stand der National Gallery gehöriges Bild vor
dem Verkauf ins Ausland zu bewahren, etwas
anderes aber Riesensummen für neue Bilder
aufzubringen, zu denen das Publikum kein
näheres Verhältnis hat. Und immer findet sich
anch kein Mäcen, der zehntausende von Pfunden
für ein Bild ausgibt, um es der Nation zu
schenken. F.

BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

AACHEN

Die ursprünglich von Ant. Creutzer (vorm.
M. Lempertz) für September angekündigte Ver-
steigerung R. Vasters findet neuerdings erst
Mitte Oktober statt. Die Sammlung enthält eine
Reihe Gemälde älterer Meister, ferner inter-
essante Antiquitäten sowie Gold- und Silber-
arbeiten, über die ein noch in Vorbereitung
befindlicher Katalog Auskunft gibt. Nähere Mit-
teilungen behalten wir uns bis nach stattge-
babter Versteigerung vor.

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