Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 1

Der Kunstmarkt

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varienberg“ und „Kreuzabnahme“ 1540 gs.,
„Abendmahl“ 440 gs. ein. Äus den italienischen
Majoliken der Sammlung sei erwähnt ein Gub-
bioteller, Tod der Dido darstellend, von Maestro
Giorgio 1512 gefertigt, 1300 gs. (Partridge).

Än Bildern und Stichen besaß Lord Ämherst
nur wenige aber z. T. sehr gute Stücke. Von
letzteren: Ä. Dürer „Ädam und Eva“ (B. 1),
eines der besten Exemplare des Blattes; Dun-
thorne zahlte £ 195 dafür; Colnaghi & Co. £110
für „Ritter Tod und Teufel“ (B. 98); Obach £98
für „Heiliger Hieronymus in der Klause“ (B. 60).
Rembrandts „Der Künstler an ein Fenster ge-
lehnt“ (B. 21) wurde mit £ 70 (Colnaghi & Co.)
bezahlt. Vier Rembrandtsche Federzeichnungen
kosteten £ 59, und drei Federzeichnungen von
P. Breughel £ 50.

Seine Bilder waren die folgenden: Hochland-
szenen von Copley Fielding 310 gs. (Ägnew);
Landschaft in Wales von David Cox 125 gs.
(Ägnew), beides Aquarelle; und folgende Öl-
bilder: Ä. van der Neer Flußszene 270 gs. (Field);
Anbetung der Könige, frühe deutsche Schule
180 gs. (Buttery); Einfahrt zum großen Kanal,
Venedig, Guardi 120 gs. (Lacey).

Alles in allem brachte der bisherige Verkauf
der Kollektion £ 58,428.5.6. Mit ihr ist wieder
eine der bedeutenden englischen Privatsamm-
lungen verschwunden. Während aber bei anderen
oft nur Erben alten Besitzes der Schätze frei-
willig oder gezwungen sich entäußern, mit denen
sie oft kein allzu enges Band verknüpft, hat
hier eben der Sammler selber, der einst be-
gonnen, seinen ganzen Reichtum, sein Lebens-
werk hingeben müssen; wahrlich ein hartes
Los. F.

Weniger bedeutend waren die späten Ita-
liener der Sammlung. Ein interessantes Ge-
mälde von Ferrab osco (hl. Magdalena) brachte
nur 65 M., ein angeblicher G. B. Tiepolo
(Gastmahl Simons in reicher Architektur) 220 M.
Der sehr dekorative „Rasende Herkules“, Schule
Domenichinos genannt, war nur eine Kopie
eines Münchner Bildes von Orbetto, aber von
guter Durchführung, ebenso war der Carlo
Dolci (Salome) eine Kopie des bekannten Ge-
mäldes in Dresden.

Besonders zu erwähnen sind die fast durch-
weg reichen und schönen alten Barockrahmen
der Galerie.

Die vom 24.-28. November bei Ämsler &
Ruthardt abgehaltene Versteigerung brachte
meist interessante kleinere Sachen; dement-
sprechend sind keine besonders hohen Preise
zu notieren. Bemerkenswert vollständig ver
treten war Wenzel Hollar; einige Blätter
wurden von der öffentlichen Kunstsammlung in
Basel und dem Berliner Kupferstichkabinett ge-
kauft. Einzelne Blätter erzielten höhere Sum-
men, so P. 678 66 M., P. 1036 II 76 M., P. 606
bis 609 95 M.

Besonders gut bezahlt wurden moderne
englische Radierungen, so Seymour Haden
bis 160 M., Herkomer bis 210 M., Whistler
bis 465 M. (W. 154).

Auch Ch. Meryon und Anders Zorn
brachten es auf höhere Preise. Unter den mo-
dernen Deutschen ragte besonders M. Kl in ge r
hervor, von dem interessante Studien zum
Verkaufe gelangten, sowie Stauffer-Bern,
Otto Greiner und Peter Halm mit beson-
ders guten frühen Drucken. H. V.

VON DEN AUKTIONEN

BERLIN -=-

Am 1. Dezember ward die Galerie A. von
Herrenburger bei Rudolph Lepke ver-
steigert. Die besonders an späteren Nieder-
ländern und Deutschen reiche Sammlung bot
nige gute Gemälde und als Hauptstück einen
. orzüglichen Salomon de Bray (Martyrium
eines Heiligen, von 1652 datiert und voll be-
zeichnet), der es auf 2600 M. brachte. Ein
Stilleben von Jurian van Streek erzielte
735 M., ein recht guter, etwas trüber B er ehern
900 M., ein sehr dekoratives Porträt von Jan
Weenix 1050 M.

MÜNCHEN =- -

Mit einer Verspätung, wie sie der neue Er-
scheinungsmodus des „Kunstsammlers“ unmög-
lich machen wird, referieren wir über die letzten
Ereignisse auf dem Münchner Kunstmarkt.

Die Versteigerung der griechischen Münzen
der Sammlung Weber bei Dr. Jakob Hirsch
ging nach achttägiger Dauer zu Ende und
brachte es zu einem Gesamtergebnis von einer
Viertel Million Mark. Der römische Teil der
Sammlung wird erst im Mai 1909 unter den
Hammer kommen. Er wird von den Numis-
matikern noch höher eingeschätzt, weil er über
größere Clous verfügt und besonders dem von
den Sammlern heute am stärksten betonten
Prinzip der schönen Erhaltung mehr entgegen-
kommt als die Griechensammlung.
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