Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Ausstellungen

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SCHWEIZERISCHE
KUNSTAUSSTELLUNGEN
im Februar und März

Radierungen, durchsetzt mit ziemlich will-
kürlich zusammengebrachten Gemälden, füllten
im Februar die Ausstellungsräume der Kunst-
halle in Basel. Auch diese graphische Aus-
stellung konnte keinen Anspruch darauf machen
eine irgendwie umfassende Übersicht zu geben,
war aber doch eine größtenteils sehenswerte
und anregende Kollektion, in der Künstler wie
Bejot, Alfred Baertsen, Albert East, Franz
Brangwyn, L. Legrand, Olaf Lange, der Kiinger-
Schüler Geyger, Max Liebermann, der Schwede
Anders Zorn und die Franzosen Fehden Rops,
Cottet und Besnard mit guten und besten Ar-
beiten vertreten waren.

Ihnen folgte im März die Vereinigung schwei-
zerischer graphischer Künstler, die „Walze“, mit
einer umfassenden Kollektion von Radierungen,
Holzschnitten, Lithographien und farbigen Zeich-
nungen, meist interessante und charakteristische
Blätter von Theodor Meyer-Basel, Albert Welti,
H. B. Wieland, Ernst Kreidolf, B. Mangold,
Ernst Würtenberger und anderen schweizerischen
Künstlern.

Im Kunstmuseum in Bern zeigte der
Maler und Architekt Adolf Tieche von Bern
eine reizvolle Auswahl seiner Arbeiten, träume-
rische Herbstbilder aus Versailles und seinen
Gärten, ansprechende Studien aus der Heimat
und Italien, nichts hochbedeutendes und doch
alles voll feiner Kunst. Diesen sympathischen
Malereien hat Tieche einige interessante Skulp-
turen seines Ende 1908 in Paris viel zu früh
verstorbenen Luzerner Freundes, des Bildhauers
Hermann Faller, beigegeben.

In Lausanne, in der Grenette, hatten
vier Berner Maler Colombi, Geiger, Senn und
Feuz eine kleine aber vorzügliche Ausstellung
ihrer jüngsten Arbeiten, vornehmlich Land-
schaften, veranstaltet, während in Genf im
Athenaeum neben dem Nachlaß Sandreuters
Malereien der Künstler Hugonnet, Duvoisin und
Vallet zu sehen waren, ungewöhnliche Schöp-
fungen voll dunkler Träume und trunkener Phan-
tasien. Im Musee Rath in Genf stellte Otto
Vautier neben anderem seine noch nicht ganz
vollendeten, färben- und lebensfrohen Wand-
bilder für das Schulhaus Päquis aus; die ihm
die Stadt in Auftrag gegeben hat.

Nachdem im Monat Februar im Künstler-
haus zu Zürich Kollektionen verschiedener
Künstler, darunter der Maler Paul Barth, F. Gilsi,
Ernst Hodel, Wilhelm Laage, Fritz Mock und
vom Sohne Segantinis Gottardo zu sehen waren,

erhielt die März-Ausstellung durch das mit
Spannung erwartete Wandgemälde Ferdinand
Hodlers für die neue Universität in Jena ihr
Gepräge, und wurde so zum einzigartigen Er-
eignis. Das gewaltige Bild, etwas über 5 m
Breite zu 4 m Höhe, erscheint in seiner wunder-
baren Konzeption, im rythmischen Aufbau und
im prachtvollen Klang seiner Farben als die
geradezu überwältigende Schöpfung einsichts-
vollsten künstlerischen Könnens. Ob aber auch
die Aufgabe, nach der der Aufbruch der Jenenser
Studenten zum Freiheitskampf 1813 geschildert
werden sollte, durch diese eine, allerdings wohl
unübertrefflich dargestellte Episode zu Pferde
steigender Jünglinge restlos gelöst ist, wird eine
ruhigere Kritik, die des ersten faszinierenden
Eindrucks Herr geworden ist, zu entscheiden
haben. Das noch unvollendete Gemälde wan-
dert von Zürich, bevor es an seinen Bestimmungs-
ort kommt, in die Sezessions-Ausstellung nach
Berlin.

Neben diesem Wandbild und seinen Studien
nimmt noch ein anderes Werk Hodlers „Liebe“
die Aufmerksamkeit in hohem Maße gefangen.
Die Komposition, die in Dresden im vergangenen
Jahr zu sehen war, ist jetzt geteilt; aus dem
Triptychon entstanden ein Doppel- und ein
Einzelbild, jedesmal aber eine Schöpfung von
hinreißender Gewalt, eine unglaublich wahre
und doch erhabene, teilweise sogar schöne
Schilderung dessen, was alle Wesen bezwingt.

Die übrigen Gemälde Hodlers, einige Land-
schaften aus älterer und jüngster Zeit, ein großes,
1880 von dem damals siebenundzwanzigjährigen
Künstler gemaltes Figurenbild „das Gebet im
Kanton Bern“ sowie Landschaften und Bildnisse
der Berner Maler Ernst Linck und Max Buri
treten gegenüber dem nachhaltigen Eindruck der
beidenHodlerschenHäuptwerke natürlich wesent-
lich zurück.

Zu gleicher Zeit hatte der Genfer Maler
Daniel Ihly (geb. 1864) im „Helmhaus“ zu
Zürich gegen 90 Arbeiten ausgestellt, gefällige
Landschaften von frischem, hellem Ton, ge-
wissenhafte Porträts, daneben aber auch Figuren-
bilder, die einheitliche Auffassung zum Teil
vermissen lassen. C. H. B.

DENKMALPFLEGE

BERLIN

Deutscher Verein für Kunstwissenschaft. Die
für die Veröffentlichung der Denkmäler deutscher
Kunst eingesetzte Kommission hat eine Reihe
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