Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

Page: 679
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1909/0707
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Vermischtes

679 /

Das eine stellt Maria mit Kind, zur Seite einen
Papst dar, wahrscheinlich der hl. Fabiano, und
stammt aus der Mitte des XIV. Jahrhunderts.
Das zweite Wandgemälde zeigt die Madonna
mit den Heiligen Rochus und Sebastian; es
verrät in den zierlichen Stellungen der Figuren
und der Technik bereits das XV. Jahrhundert.

Audi in Treviso selbst wurde in der
Kirche S. Giovanni Battista ein Fresko aus
dem XVIII. Jahrhundert, im byzantinischen Stil
und bestens erhalten, entdeckt. Es stellt die
Madonna mit dem Kinde dar. b.

VERMISCHTES

DER STREIT UM DIE NEU ER-
WORBENE FRÄUENBÜSTE DES
KAISER FRIEDRICH - MUSEUMS

Es war vorauszusehen, daß sich über die in
England erworbene, Leonardo zugeschriebene
Wachsbüste eine lebhafte Debatte entspinnen
würde. Daß hierbei englischerseits die Be-
hauptung auftauchen sollte, nicht Leonardo,
sondern ein englischer Bildhauer des XIX. Jahr-
hunderts, names Lucas, sei der Urheber, war
ein unvorhergesehener Bühneneffekt.

Mehr aber audi nicht. Die anfangs mit
überraschender Genauigkeit gemachten Behaup-
tungen des Kunsthändlers Cooksey, der sogar
photographisches Beweismaterial anbieten wollte,
schwanden allmählich dahin, als dieses der
Öffentlichkeit bekannt ward. Das elende, in
den London News abgedruckte Cliche nach einer
wunderlich zurechtgeschusterten, schlechten Auf-
nahme bewies allerhöchstens, daß es sich um
eine ähnliche Arbeit, wahrscheinlich um eine
direkte, aber schwache Kopie des Berliner
Exemplares handelte, die möglicherweise noch
existiert und vielleicht mit einer in der eng-
lischen Presse andeutend erwähnten ähnlichen
Büste identisch ist. Nach der Behauptung des
jüngeren, jetzt 81 Jahre zählenden Lucas wäre
nidrt eine plastische Arbeit, sondern ein dem
Leonardo zugeschriebenes Gemälde einer Flora
das Vorbild für seinen Vater gewesen. Ein
Blick auf die schwadien klassizistischen Ar-
beiten des Bildhauers Lucas läßt jedoch er-
kennen, daß dieser zu einer so freien Leistung
wie der Wachsbüste unmöglich gelangt wäre,
ganz abgesehen davon, daß technische Gründe
es ausschließen, daß die Berliner Büste jahr-

zehntelang auf einer offenen Veranda gestanden
haben könnte und dabei so zahlreiche Reste
ihrer in Wasser löslichen Bemalung behalten
hätte.

Man wird danach der ganzen fadenscheinigen
und z. T. absurden Erzählung Mister Cookseys
mit äußerstem Mißtrauen gegenüberstehen und
die weitere Entwicklung der Dinge, vor allem
aber Bodes Aufsatz im Jahrbuch d. k. pr. Kunst-
sammlungen abwarten. H. V.

s

NATIONALDENKMAL IN SCHWYZ

Am 15. November 1915 soll in Schwyz zur
sechshundertsten Jahresfeier der Schlacht am
Morgarten ein „dem Ruhme des Heldenzeitalters
der Schweiz“ gewidmetes Denkmal errichtet
werden. Mit Unterstützung des Bundes, der
vorläufig 25 000 fr. beisteuerte, hat das Initiativ -
Komitee zunächst einen Ideen-Wettbewerb aus-
geschrieben mit der Bestimmung, daß die Ver-
fasser der fünf besten Entwürfe zu einer zweiten
engeren Konkurrenz aufgefordert werden sollten;
dem Sieger wird die Ausführung übertragen,
die anderen erhalten je 5000 fr. Das Preis-
gericht, dem die Architekten Professor Dr. E.
Bluntschli und Professor Karl Moser, die
Bildhauer JamesVibert und Gius. Chiattone,
der Maler Giron sowie Erziehungsrat Professor
Bo mm er und Landammann von Redin g-B ibe-
regg angehörten, hat nun Anfang August seinen
Entscheid gefällt und von den eingegangeneh
105 Projekten die Arbeiten der Bildhauer Richard
Kissling in Zürich, Angst aus Zürich in Paris
und Ed. Zimmermann aus Ermetbürgen in
München, des Architekten Otto Zollinger aus
Zürich und I. G. Utinger aus Luzern in Breslau
als die besten bezeichnet.

Während Kißling und Angst die Aufgabe
rein plastisch zu lösen versuchten, der erstere
durch die insgesamt etwa 30 m hohe, freistehende
granitne Figur eines Schweizer Kriegers, der
letztere durch eine mit Bildwerken unruhig ge-
schmückte Mauer, auf der sich die vorzügliche
Einzelgestalt eines knieenden steinwerfenden
Jünglings erhebt, zeigen die drei anderen prä-
mierten Entwürfe ausgesprochen architektonisch es
Gepräge. Zimmermann plant eine weite Terrasse,
die auf Treppen erstiegen und rückwärts durch
eine Mauer abgeschlossen wird, vor deren mo-
saikgeschmückter Mittelnische eine weibliche
Figur steht, die Hände auf ein mächtiges
Schwert gelegt. Otto Zollinger baut ein Heilig-
tum auf, einen von Mauern umschlossenen
Raum mit Tempeln in edler, feierlich antiker
loading ...