Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Institute und Vereine s Personalien

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da der Meister 1438 in Perugia nachweisbar
ist, so legte man seine dortige Tätigkeit in
dieses Jahr. Es handelt sich um eine Serie
von „Uomini illustri“. — Das Haus derBaglioni
ist nach 1540 bei der Errichtung des Castello
Paolino größtenteils demoliert, dieses selber in
den fünfziger Jahren des vergangenen Jahr-
hunderts bis auf die Fundamente zerstört wor-
den. Dabei sind die Fresken, die man als
Venezianos Ärbeit ansieht, zugrunde gegangen;
doch hat Dr. Bombe in der Peruginer Pinako-
thek ein bescheidenes Bruchstück gefunden, das
sich aber in einem so traurigen Erhaltungs-
zustand befindet, daß ein Urteil, ob es von
Domenico herrührt oder nicht, nidit abgegeben
werden kann. Der Cyklus umfaßte 24 Nomini
illustri und eine thronende Peruria. Dr. Bombe
wies nun nach, daß Francesco Maturanzio die
Lobsprüche unter den Bildnissen verfaßt hat;
da dieser erst um 1443 geboren ist, könnten
jene Figuren nicht 1438 entstanden sein, sie
müßten vielmehr um zwei oder drei Jahrzehnte
später datiert werden; infolgedessen können
sie nicht von Domenico Veneziano, der 1461
starb, gewesen sein. — Obwohl sich eine Dis-
kussion über Äutor und Datierung von zugrunde
gegangenen Fresken nicht verlohnt, sei doch
bemerkt, daß die Lobsprüche Maturanzios immer-
hin auch unter längst fertige Darstellungen ge-
schrieben worden sein könnten.

Dr. Corwegh versuchte die Verbindung zu
finden zwischen dem eigentümlichen Stil der
französischen Werke des Francesco Laurana
und dem seines sonstigen Lebenswerkes. Er
erfaßt eine Reihe von sizilianischen Werken:
die Madonna mit Kind im Museo zu Pa-
lermo (Phot. Crupi 982), welche mit der Maria
Magdalena zu Marseille von derselben Hand
wäre, die Madonna del Soccorso in S. Fran-
cesco zu Palermo (Rolfs Taf. 42, Äbb. 3), die
Madonna im Palazzo dell’Äccivescovado zu
Syracus, die Madonnen im Museo zu Sgracus
(Nr. 12 259) und im Kreuzgang zu S. Domenico
in Palermo als zusammengehörig und schreibt
sie dem Domenico Gaggini zu: es seien Werke
eines fertigen Künstlers, nicht die eines ge-
ringeren Meisters wie es Pietro di Bontate ist.
Diese Zusammenstellung würde erweisen, daß
Laurana von der sizilianischen Provinzkunst,
indem er in der Werkstatt Gagginis arbeitete,
beeinflußt worden ist; auch die Reliefs am Sockel
der Berliner Frauenbüste hätten dorther nicht
von der Antike ihren Ursprung. — Eine ein-
gehendere Behandlung dieser Dinge stellte der
Vortragende in Aussicht, alsdann wird eine Nach-
prüfung im einzelnen eintreten können. Jeden-
falls ist es eine Verkennung der Tragweite

dieser Feststellungen, wenn der Vortragende
behauptete, daß durch sie gezeigt werde, wie
die Forschung über Francesco Laurana trotz
der Bücher von Burger und Reifs erst am An-
fänge stände.

PERSONÄLIEN

BERLIN

Den wissenschaftl. HilfarbeiternDr. Schnorr
von Carolsfeld und Dr. Bernoulli ist die
kommissarische Verwaltung der 3. Direktorial-
assistentenstellen bei denSammlungen bezw. der
Bibliothek des Kunstgewerbemuseums vom
1. April ab übertragen worden.

s

MÜNCHEN ===== -

Ferdinand von Reznicek +. Mit dem be-
kannten Zeichner, der in jungen Jahren ge-
schieden ist, verlieren seine Freunde einen
liebenswürdigen Genossen, die deutsche Illustra-
tionskunst eines ihrer fähigsten Talente. Als
Mitarbeiter des Simplizissimus, dem Reznicek
von der ersten Nummer an angehörte, hat er
sich einen Weltruf geschaffen, den er seiner
flotten Technik und der vorzüglichen Charakte-
risierung der eleganten Welt und der Halbwelt
verdankt. So werden seine Arbeiten immer für
die deutschen kulturellen Verhältnisse am An-
fänge des XX. Jahrhunderts eine große Bedeu-
tung bewahren, wenn audh einmal der Reiz seiner
vielfach in das erotische Gebiet hinüberspielenden
Situationskomik nicht mehr zu packen vermag.
Leider ist Reznicek, der, ein gebürtiger Wiener,
erst in München und dann lange Zeit in Paris
studiert hat, ebensowenig wie Rudolf Wilcke zu
größeren Arbeiten gekommen.

VERMISCHTES

KÖNIG LEOPOLDS VERKAUFE

Die vom König von Belgien an den Pariser
Kunsthändler Kleinberger veräußerten Gemälde
sind: ein Hobbema, friesische Landschaft von
großer Sdrönheit (von König Leopold I. für
18 000 fs. erworben), ein ziemlich unbedeutender
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