Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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RUNDSCHAU W

SAMMLUNGEN

BERLIN ■ —

Än Neuerwerbungen verzeichnet das Maiheft
der Amtlichen Berichte aus den kgl. Kunstsamm-
lungen eines Kampanischen Krater aus der
2. Hälfte des IV. Jahrhunderts. Dieser Krater,
der nach Zahn ein besonders schönes und frühes
Beispiel des figurenlosen Typus bildet, gelangte
als Stiftung des Generaldirektors Bode aus An-
laß des 70. Geburtstages Kekules von Strado-
nitz in das Antiquarium.

Das Kunstgewerbemuseum verzeichnet als
Neuerwerbung vor allem eine prachtvolle Delfter
Vase chinesischen Stiles, von Rochus Jakobs
Hoppestein (1680—92 Meister und Inhaber der
Fabrik Int oude Moriaans Hooft) bezeichnet und
offenbar nach chinesischen Vorlagen frei kopiert.
Als Geschenk des Herrn J. van Dam erhielt das
Museum ferner eine Meißener Kanne, die die
Anfänge der Porzellanmalerei zur Zeit Böttgers
gut veranschaulicht. Nach v. Falke ist es un-
möglich anzunehmen, daß die etwas unbeholfene
und breite Bemalung außerhalb der Manufaktur
entstanden sei, wie auch, daß Herold diesen
Werken nahe gestanden habe, die vielmehr,
wenigstens in ihren Anfängen, noch in die Zeit
Böttgers selber fallen.

Für die ostasiatische Kunstabteilung bespricht
Kümmel einige chinesische Figurenbilder, von
denen bereits in diesen Blättern die Rede war.

BERN -..—.

Verein zur Förderung des historischen Mu-
seums. Nach dem Jahresbericht des Vereins für
1908, der in der Jahresversammlung Ende März
zur Verlesung kam, sind im Berichtsjahre eine
Sammlung alten Simmenthaler Geschirrs und
zwei mit 1792 datierte Porträts von Karl Ger-
mann von Lichtenstein, der 1790—1793 in Bern
arbeitete, für das Museum angekauft worden.
Die Beteiligung des Vereins an der verdienst-
vollen Herausgabe des seit 1902 regelmäßig er-
scheinenden Tafelwerks „Berner Kunstdenk-
mäler“ wird konstatiert und auf eine im Sommer
1909 beabsichtigte Veröffentlichung hingewiesen,
in der die in wunderbarer Frische erhaltenen
und aus der burgundischen Beute der Eidgenossen

stammenden gewebten Teppichen des Museums
mit Darstellungen aus dem Leben Julius Casars
farbige Wiedergabe finden sollen. C. H. B.

s

BRÜSSEL - -

Das Cinquantenaire-Museum erhielt als Ge-
schenk den Karton zu einer Glasmalerei von
Bernhard von Orley, darstellend „Jesus Gefangen-
nahme am Ölberge“. Diese Schenkung vervoll-
ständigt eine Serie von Kartons, welche dem
selben Meister zugeschrieben werden. F. M.

8

BUDAPEST -

Angelika Kauffmann-Äusstellung. Die
Kupferstichsammlung des Museums der Bildenden
Künste entwickelt sich rasch und hält sich, trotz
der engen Schranken ihres Budgets auf dem
Niveau eines den wissenschaftlichen und künst-
lerischen Forderungen entsprechenden Instituts.
Die darin von Dr. Gabriel v. Terey veranstal-
teten Ausstellungen machen entweder neue Er-
werbungen bekannt, oder einen Teil des alten
Bestandes, der über eine kunsthistorisch wichtige
Frage in geeigneter Zeit Aufschluß gibt. Ende
vorigen Jahres kam die Reihe an Rembrandt
und jetzt auf Angelika Kauffmann.

Die gegegenwärtig ausgestellte Kollektion
vereinigt acht Gemälde, darunter eine Miniatur,
ein Pastellbild, 18 Orginalradierungen, zwei mit
Zucchi gemeinschaftlich ausgeführte Kupferstiche
und 164 Blätter nach den Werken der Künst-
lerin.

Unter den letzteren dominieren die in Punk-
tiermanier ausgeführten Stiche von Kirk, Bar-
tolozzi, Burke, Bettelini, Lawrie, Scorodoomoff,
Ryland, Ruotte, Marcuard, S. u.J.G. Facius, Ryder,
Delattre, Harding, Pye, Durmer, Sintzenich, Read,
Knight, Spilsbury, Berger, Tomkins, White,
Michel, Dickinson und Schiavosetti. Schab-
kunstblätter sind von Murphy, Burke, Green,
Dickinson, Houston, Watson und Kininger zu
sehen. Än diese Sammlung reihen sich noch
einige teils sehr gute Linienstiche von Schultze,
Taylor, Morghen und Porporati.

Es ist dem für unser Zeitalter charakteristi-
schen historischen Sinn und dem großen Auf-
schwung der Wertschätzung der Linienkunst zu-
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