Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 5

ENTDECKUNGEN

ANTWERPEN

Der Konservator des Äntwerpener Museums,
Pol de Mont, hat auf einem Porträt des Mu-
seums, welches bisher dem Simon de Vos zu-
geschrieben wurde und dessen Selbstporträt,
einer Inschrift zufolge auf dem Bilde selbst,
darstellt, nach vorgenommener Reinigung des-
selben das Monogramm des Äbraham de
Vries 1635 gefunden. Unser Maler war hol-
ländischen Ursprungs, arbeitete in Antwerpen
1635, sowie in Brüssel am Hofe des Kardinal
Infanten Ferdinand von Österreich und hatte
solchen Erfolg, daß seine Bildnisse sogar denen
des Van Dyk vorgezogen wurden. Äußer Ant-
werpen besitzen Gemälde von ihm München
(322), Wien (1265), Amsterdam (2600 a), Berlin
(803). Monogrammiert ist das Münchener Bild,
das in Antwerpen und das Porträt des Herrn
H. van Loon in der Sammlung van Loon in
Amsterdam. Äbraham de Vries lebte von
ca. 1600 bis ca. 1660. Das Gemälde, um welches
es sich handelt, ist ein charakteristisch aufge-
faßtes, in warmem Tone gemaltes, sehr gut
erhaltenes Werk. F. M.

s

ROM ..

Im Sommer 1906 ergaben zufällige Grabungen
im villino Wurfs (der früheren Villa Sciarra)
am Janiculus den Fund des Haines der Furrina.
Die damals gefundenen Inschriften wurden von
Hülsen und dem früheren Direktor der tunisi-
schen Museen Gauckler in separaten Editionen
publiziert. Im Herbste 1908 wurden nun die
Grabungen wieder aufgenommen und zwar
von Gauckler und zwei jungen Genfer Archäo-
logen, Nicole und Darier und zwar auf Kosten
von Darier Vater. Die Forschungen haben nun
in den ersten Februartagen zur Entdeckung
eines Heiligtums syrischer Götter geführt. Außer
mehreren Inschriften hat man in der ganz
sonderbaren Tempelanlage eine marmorne
Bacchusstatue mit Spuren von Vergoldung, dann
eine stehende ägyptisierende Statue aus Basalt
und eine große dreiseitige Ältarbasis aus Ziegeln
gefunden. Diese letztere enthielt in ihrer Mitte
einen verschlossenen, kleinen quadratischen
Schacht, in dem bei der in Anwesenheit des
Unterrichtsministers erfolgten Eröffnung eine
liegende, ungefähr 50 cm lange, orientalische
weibliche Gottheit vorstehende Bronze gefunden

wurde. In den Windungen der Schlange, welche
die Gottheit umwickelt, lagen sechs Hühnereier.
Der ganze Fund ist singulär und für die Ge-
schichte der orientalischen Kulte im Rom der
späteren Kaiserzeit von hoher Bedeutung.

* *

*

Bei Grabungen für den neuen Markt in
Brindisi fand man soeben zwei große verde
antico Säulen, drei Marmorstatuen (welcher Art
wird nicht gesagt) und einen Cippus, der, wie
die lange Inschrift lautet, einer Clodia Änthia-
nilla von ihrem Vater Lucius Clodius Pollio ge-
weiht war. Man glaubt, daß man so auf dem
Fundorte auf die Reste des alten Forums von
Brundisium gestoßen ist. L. P.

s

SCHWEIZ -

Eine Erstlingsarbeit Martin Distetis. Der
Konversator des Solothurner Museums Herr
Zetter-Collin macht im Feuilleton der Neuen
Zürcher Zeitung auf eine Erstlingsarbeit des
bekannten Solothurner Malers und Karikaturen-
zeichners Martin Disteli (1802—1844) aufmerk-
sam, den 1823 entstandenen satyrischen Titel-
kupfer eines 1824 von Sührung in Leipzig her-
ausgegebenen und mindestens in zwei Auflagen
erschienenen „römisch-juristischen Gesangbuchs“,
mit 128 sangbaren Liedern der damaligen
Jenenser Burschenschaften. Das bisher unbe-
kannte, teilweise etwas hart und unsicher ge-
zeichnete, in der Komposition und in den Kari-
katuren aber trefflich gelungene Blatt ist offen-
bar vor jenen bekannten Zeichnungen Distelis
im alten Karzer zu Jena entstanden die s. Z.
so großes Aufsehen erregten, daß Herzog Karl
August sie besichtigte und den Karzer zur
Sicherung der Bilder schließen ließ, C. H. B.

* *

*

Römischer Grabfund bei Siders (Kt. Wallis).
Chorherr P. Bourban veröffentlicht in der
„Gazette du Valais“ einen einläßlichen Bericht
über die Eröffnung eines römisches Einzelgrabes
in Glarey bei Siders. Von den wertvollen, zum
Teil wohlerhaltenen Fundstücken verdienen zwei
Terrakotta-Vasen, ein unguentarium, mehrere
Bronzeringe mit hübschen geometrischen Zeich-
nungen, zwei große Bronzefibeln und etliche
Gürtelschnallen hervorgehoben zu werden. Nach
den mitaufgefundenen Münzen, sieben Stück in
Silber und fünfzehn in Bronze, die sämtliche
aus den letzten Zeiten der Republik und den
ersten der Kaiser stammen, dürfte das Grab dem
Anfang der christlichen Zeitrechnung angehören.

C. H. B.
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