Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 2

ist der Ort der Geburt oder, um genauer zu
sein, des ersten Debüts sehr oft Paris. Sollte
sich dort etwa wirklich, wie Alfred v. Wurzbach
vermutet, eine Fälschervereinigung gebildet
haben? Ihr müßten allerdings „Maler“ ange-
hören, die sich in die Werke der betreffenden
Meister sehr vertieft haben und ihre Technik
bis zu einem gewissen Grade recht gut nach-
zuahmen verstehen.

Zum Schluß lehrt dies Bild wiederum, das
an und für sich garnicht allzu schlecht ist, und
dessen Schäden sich erst bei genauerem Studium
zeigen, wie vorsichtig die Sammler bei ihren
Käufen sein müssen. Man kann den Samm-
lern gegenüber nicht oft genug betonen,
nur die Qualität des Bildes beim Kauf aus-
schlaggebend sein zu lassen und die großen
Namen ganz außer acht zu lassen, besonders
wenn es sich um sogenannte Frühwerke be-

deutender Meister handelt. Nur zu leicht läßt
sich der Käufer von den: „gelehrten“ Kunst-
händlern beschwatzen. Und was man unter
Beobachtung obigen Prinzips erreicht, das zeigt
in ganz glänzender Weise die Privatsammlung
der Gebrüder Glitza in Hamburg. Hier hat
tatsächlich jemand gesammelt, der echtes Kunst-
verständnis hatte, und dem es in erster Linie
darauf ankam, gute, d. h. schöne Gemälde zu
erhalten.

Es ist aufrichtig zu bedauern, daß hierdurch
das CEuvre des Frans Hals um ein — wäre es
echt gewesen — höchst interessantes und sel-
tenes Gemälde aus seiner Frühzeit verringert
wird. Aber es ist ja eine der weniger er-
freulichen Aufgaben des Kunsthistorikers, die
Spreu vom Weizen zu sondern und das Werk
eines Meisters immer mehr von den Schlacken
zu reinigen.

Zur Fayencefabrik von Oettingen-Wallerstein

Von E. W. Braun-Troppau

Über die Geschichte der Fayencefabrik zu
Oettingen-Schrattenhofen hat uns ein Aufsatz
von Archivar Dr. Diemand in Wallerstein J) gut
orientiert. Leider kam bisher wenig Sicheres
über die Marken der Fabrik heraus. Wohl gibt
es drei zylindrische Henkelkrüge in den Samm-
lungen des an süddeutschen Fayencen so reichen
Fränkischen Kunst- und Altertumsvereins zu
Würzburg und einen solchen im Hamburger
Kunstgewerbemuseum, die Diemand'-) abge-
bildet hat, aber dieselben tragen die Marke
„Schrattenhofen“ und sind, wie auch der Marke
beigefügte Jahreszahlen (1770) beweisen, aus
der späteren Zeit der Fabrik. Diese war
aber schon 1735 begründet worden. Diemand
erwähnt nun einen Krug in Blaumalerei mit
der Marke OW aus dem Besitze eines Arz-
tes in Wallerstein. Da er den Krug nicht
abbildet, den Dekor nicht beschreibt und kein
Faksimile der Marke giDt, ist diese Notiz weiter
ohne Belang. Dagegen gibt es im Berliner
Kunstgewerbemuseum einen Henkelkrug3) mit

*) Keramische Monatshefte V, 1905. S. 99 ff.

2) a. a. O. S. 116 und 117.

") Faksimiles aller hier angeführten Marken bringt
mein in Vorbereitung befindliches Lexikon der deutschen
Uorzeilan- und Fayencemarken des XVIII. Jahrhunderts.

der Marke vgl. Äbb. der in den den Schratten-

hofener Krügen verwandten Farbentönen eine
Kartusche mit Fruchtgehängen trägt, ein Dekor,
der wiederum auf das engste mit dem Dekor
der Krüge aus Schrattenhofen zusammengeht.

Somit können wir in der Signatur -r- eine zweifel-

lose sichere Marke der Fabrik erblicken, die
in diesem Falle den Namen des Blaumalers
Gottfried Leinfelder über der Bezeichnung
Oettingen trägt. Bemerkenswert ist an dem
Berliner Krug die glockenförmige Bildung des
Fußes, die wohl nach gleichzeitiger Bayreuther
Fayencekrügen kopiert wurde.

Vor kurzem sah ich im Wiener Kunsthandel
einen zilintjrischen Henkelkrug, der auf der
Vorderseite in Blaumalerei das gekrönte von
zwei Lorbeerzweigen flankierte bayrische Wap-
pen trägt und auf dem Boden die blaue Auf-
schrift „Schrattenhofen“ hat. Das bayrische
Nationalmuseum erwarb den Krug und derselbe
ermögl cht, eine Reihe anderer solcher Krüge
ohne Marke mit dem bayrischen Wappen, wie
u. a. dasselbe Museum einen mit der blauen
Zahl 4 besitzt, der Schrattenhofener Fabrik zu-
zuschreiben.
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