Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 4

und Porzellane, Eisengeräte, Waffen, Leinen-
stickereien aus dem XVI. Jahrhundert sowie eine
Sammlung von Stichen und alten Sdiweizer-
ansichten verdienen allgemeinere Beachtung. Die
Sammlung kann von Freitag bis Sonntag, den
5., 6. u. 7. März im Äuktionsraum, im Kasino-
saale in Rapperswyl, besichtigt werden. C. H. B.

KLEINE NACHRICHTEN

Die Kunst des Radierens. Im Verlage von
Paul Cassirer (Berlin, Dorotheenstr. 35) ist so-
eben unter diesem Titel ein Handbuch erschie-
nen das den Berliner Radierer Hermann Struck
zum Verfasser hat. Publikationen wie die vor-
liegende sind von dem Sammler wie von dem
Kunsthistoriker, der sich mit technischen Fragen
vertraut zu machen beabsichtigt, nicht dankbar
genug zu begrüßen. Erst in jüngster Zeit be-
ginnt unsere deutsche Kunstliteratur sich mehr
und mehr solchen praktischen Dingen zuzuwen-
den. Wie in den letzten Jahren im Anschluß
an englische, amerikanische und französische
Werke Bücher über Maltechnik auch in deut-
scher Sprache erschienen, deren vorheriges Feh-
len allerdings nur von einem kleinen Kreise
der zünftigen Fachgenossen empfunden wurde,
und alsbald dankbare Aufnahme fanden, so
kommt auch das Buch von Struck lange ausge-
sprochenen Wünschen nach. Wer sich bisher
über die Radierkunst und über die Art ihrer
Ausübung belehren wollte, mußte zu einem
kleinen englischen Buche greifen. Was der
Arbeit von Struck ihren besondern Wert gibt
ist außer der strengen Sachlichkeit seiner Aus-
führungen die klar die technischen Methoden
und die Verschiedenartigkeit ihrer Anwendungen
beschreiben, die gute Auswahl des beigegebenen
Illustrationsmaterials. Der Laie hat sogleich die
praktische Betätigung dessen, was er las vor
Äugen. Von den Anfängen der Holzschneide-
kunst und des Kupferstiches, von Schongauer
bis zu den farbigen Radierungen von lllies
werden alle Verfahren durchgesprochen und
die Abbildungen außerdem mit kurzen „unver-
bindlichen Bemerkungen“ erklärt. Bei dieser
Auswahl der Abbildungen war wohl die Rück-
sicht auf die allgemeinere Kenntnis der betref-
fenden Künstler ausschlaggebend, nur der Hin-
weis auf Corot dürfte den meisten Lesern neu
sein. Sonst wäre es auch interessant gewesen
die Anfänge des japanischen Einflusses auf die

moderne Radierung, wie er sich in der franzö-
sischen Radierung schon am Anfang der 60 er
Jahre des vorigen Jahrhunderts geltend machte
(etwa aus den bei Cadart und Chevalier er-
schienen Blättern die Enten von Bracquemond)
durch ein Beispiel zu belegen. Verhältnismäßig
schlecht sind auch einige lebende Künstler weg-
gekommen, die nicht hätten fehlen dürfen wie
Alois Kolb und namentlich der vorzügliche farbige
Radierer Willy Geiger. Die Wiedergabe der
Abbildungen des Struckschen Buches ist außer-
gewöhnlich gut, überhaupt die Ausstattung
mustergültig. U.-B.

Berlin. Bei Tho. Cook and Son sind
mehrere aus englischem Privatbesitz stammende
vorzügliche holländische Bilder ausgestellt, u. a.
ein kleiner, farbig sehr starker Jan v. d. Ca-
pelle, ein W. v. d. Velde, mehrere gute
Porträts von C. Janssens, darunter das vor-
nehm aufgefaßte Bildnis der Lady Falkland und
ein schönes weibliches Porträt von Morelse.

Von Millets malerischer Kunst gibt eine
seiner monumentalen Bewegungsfiguren, eine
„Laveuse“, eindringliches Zeugnis. Außerdem
sind andere Barbizoner vertreten, wie Corot,
Daubigny u. a. V.

* Unter den deutschen Graphikern von aus-
geprägter Eigenart nimmt Käthe Kollwitz
seit etwa 10 Jahren eine führende Stellung ein,
nicht zuletzt dank ihrem männlichen Tempe-
rament und den herben Gegenwartsproblemen,
die sie in ihren Blättern interpretiert. Auch in
einem Zyklus wie demjenigen vom „Bauernkrieg“
weht trotz des alten Motives aus der Refor-
mationszeit eine terroristische Wildheit, die Re-
volten und Streiks der Gegenwart eigen ist.

Es dürfte unsere Leser interessieren, daß
dieser prächtige Zyklus, der sicher im Rahmen
des Kollwitz'schen Oeuvre einen Höhepunkt be-
zeichnet, im Verlage von Emil Richter, Hof-
kunsthandlung in Dresden erschienen ist.

London. Der kürzlich verstorbene Bier-
brauermillionär, Lord Burton, war einer der
eifrigsten und wohlberatensten Gemäldesammler
Englands und hatte Schätze von hohem Werte
in seiner Wohnung, Chesterfield House, zu-
sammengebracht. Seine Hauptneigung gehörte
den englischen Malern des XVIII. Jahrhunderts.
Von Hogarth, Reynolds, Gainsborough, Romney,
Hoppner, Opie, Beechey, Cotes, auch von Constable
besaß er ganz vorzügliche Werke, u. a. einen
Dr. Johnson, Äugustus Keppel und neun andere
Bilder Reynolds, Gainsboroughs „Countess of
Sussex and Lady Barbara Yelverton“ und „Rev.
Sir Henry Bäte Dudley“ und „Lady Bade Dudley“.
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