Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 2

Von den Auktionen s Kleine Nachrichten

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ZÜRICH -

Auktion der Sammlung Dr. H. Angst.
Die reichhaltige Sammlung von Möbeln, Ge-
genständen der Innendekoration (Fayencen,
Porzellane, Glasscheiben, Gemälde u. a. m.), von
Vitrinen-Objekten in Ältsilber (Becher, Gobelets,
Schalen, Bestecke, Äpostellöffel) und von Waffen
des XIV. und XV. Jahrhunderts des Herrn
Dr. H. Angst in Zürich kommt am 16. und
17. Februar durch J. M. Heberle (H. Lempertz’
Söhne) in Köln im Gebäude der Rentenanstalt
in Zürich zur Versteigerung. Im Anschluß daran
wird auch eine Sammlung von Glasscheiben des
Herrn Huber in Sihlbruck bei Zürich und eine
Partie Züricher Porzellane aus dem Besitz der
Frau Siegfried in Lausanne zur Auktion ge-
bracht. Ein reich illustrierter Katalog soll dem-
nächst erscheinen. C. H. B.

S

KLEINE NACHRICHTEN

*London. Mr. David Coal Thomson, leitender
Direktor der großen Kunsthandlung von Thomas
Agnew & Sons, der auch deren Berliner Filiale
mit errichtet hat, ist aus Ägnews Handlung aus-
getreten und übernimmt die Leitung der French
Gallery (Messrs. Wallis & Sons), Pall Mall als
Compagnon. Er hat seinerzeit die erste Whistler-
ausstellung zustande gebracht und dessen Bild
„Mutter des Künstlers“ für das Luxembourg-
museum angeworben. Auch als Kunstschrift-
steller hat er bedeutendes geleistet, teils als
Redakteur des Art Journal, teils als Autor von
Büchern über die Barbizonmeister, vor allem
Corots usw.

♦Sammler von altem Fürstenbergischem Por-
zellan seien nachdrücklichst hingewiesen auf die
im Januarheft des„burlington magazine“ ver-
öffentlichten vier Abbildungen von italienischen
Komödianten, wozu Herr Dr. Braun, welcher
den Lesern der Monatshefte wohl bekannt ist,
einen sehr instruktiven Text geschrieben hat.

♦Das berühmte Gemälde Thomas de Key-
sers, ein weibliches Porträt, aus der Sammlung
Kann, welches eine seiner besten und reifsten
Porträtdarstellungen ist und unter Rembrandts
Einfluß entstanden zu sein scheint, wird in aus-
gezeichneter farbiger Wiedergabe in der Januar-
nummer des Connoisseur därgeboten. Das Bild
befindet sich jetzt im Besitz der Londoner
Kunsthandlung Duveen brothers. Ein Gegen-
stück dazu, das Porträt des Gatten des oben-
genannten, ist ebenfalls durch Kann in das
Louvre gelangt.

♦Die Geschichte eines angeblichen Ho-
garthschen Bildes erzählt H. Seife Bennett
ebenfalls in der Januarnummer des Connoisseur.
Es handelt sich darum, ob das in Bennetts Be-
sitz befindliche Bild, welches einen Ausblick auf
St. James Park mit Rosamonds pond darstellt,
ein Original oder nur eine Kopie ist. Für das
erstere spricht die Tatsache, daß das Sujet mit
einer im Britischen Museum vorhandenen Litho-
graphie nach Hogarth übereinstimmt, dagegen,
daß die Maße des Bildes bei Bennett von der
bei einer früheren Veröffentlichung der Litho-
graphie angegebenen Größe sich merklich unter-
scheiden. Im Eifer des begreiflichen Wunsches,
das Original gefunden zu haben, übersieht der
Verfasser des interessanten Artikels die Kon-
sequenz zu ziehen, daß das Original nicht seit
130 Jahren im Kunsthandel und doch 1842 in
einer Sammlung in Dorsetshire sein konnte.
Bennett knüpft an seinen Bericht sehr gelungene
literarische Notizen über den auf dem fraglichen
Bilde im Vordergrund gemalten See, die be-
liebte Wahl Londoner Selbstmörderkandidaten.

♦Aus den eben erschienenen großen Publika-
tionen nennen wir Folgendes. Den Hauptinhalt
des Kunstgeschichtlichen Jahrbuches der

K. k. Zentral-Kommission für Erforschung
und Erhaltung der Kunst- und histori-
schen Denkmäler 1908, Heft II, III, bildet
Ä. Stix, Die monumentale Plastik der Prager
Dombauhütte um die Wende des XIV. und
XV. Jahrhunderts. Weitere Beiträge sind Swar-
zenski, Bemerkungen zu Palma Vecchios
„Verführung der Calisto“ im Städelschen Kunst-
institut, Hans Tietze, Ein Frauenbildnis Rem-
brandts, und F. Wickhoff, Über die Einteilung
der Kunstgeschichte in Hauptperioden. Das von

L. von Buerkel herausgegebene Münchner
Jahrbuch für bildende Kunst, 2 Halbbd.,
1908, von dem man nach der feierlich angekün-
digten Unterstützung durch die offiziellen Be-
hörden und Sammlungen in München Beson-
deres erwartete, entspricht diesen Erwartungen
nicht, enthält aber dafür eine Reihe anderer
bemerkenswerter Aufsätze von Weigmann, von
Buerkel, Swarzenski, Michel u. a., wozu die ein-
gehende Besprechungen des Bandes in einer der
nächsten Nummern des „Zentralblatts für kunst-
wissenschaftlicheLiteratur“ Stellung nehmen wird.

Otto von Falkes seit langem erwartetes Buch
über das rheinische Steinzeug ist soeben
erschienen.1) In diesem Prachtwerk liegt endlich

') Das Rheinische Steinzeug von Otto von Falke.
2 Bde. mit Heliogravüren, 20 Lidlidrucktafeln und 262
Textabbildungen.

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