Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Die Kleinporträtkunst-Äusstellung
des Mannheimer Ältertumvereins

Von Ärthur Lehmann

Vereinigungen mit künstlerischen Absichten pflegen bei ihren Jubiläen stets Ver-
anstaltungen zu arrangieren, welche ihre Zwecke und Ziele möglichst deutlich vor
Augen führen sollen. Der Mannheimer Altertumverein, der auf ein 50 jähriges Be-
stehen zurückblicken kann, hat schon häufig durch Sonderausstellungen die Aufmerk-
samkeit weiterer Kreise auf sich gezogen. Auch diesmal ist es ihm gelungen, über
den Rahmen des Althergebrachten hinauszugehen und eine Ausstellung zu schaffen, die
in dieser Art wohl noch nirgends gezeigt wurde. Einer Anregung des in Sammler-
kreisen wohlbekannten Herrn Carl Baer in Mannheim folgend, hat man Werke der
Kleinporträtkunst in ihren verschiedensten Techniken zu vereinigen versucht,
während man sich bisher anderwärts nur auf Ausstellungen beschränkte, welche die
eine oder andere Art der Kleinporträtkunst umfaßten: entweder das gemalte Miniatur-
bildnis oder das Silhouettenbild. Großherzog Friedrich 11. von Baden, der Protektor
des Vereins, hatte den großen, an und für sich künstlerisch interessanten Trabanten-
saal des Schlosses zu Mannheim zur Verfügung gestellt. Die Jahre 1700 und 1850
sollten ungefähr die Grenzen für die auszustellenden Gegenstände bilden. Bestimmend
war für die Beschränkung auf diese Zeit das Bestreben des Vereins, in erster Linie
die Mannheimer Bevölkerung für seine Ziele zu interessieren. Mannheim kann
noch nicht auf ein allzu hohes Alter zurückblicken, da abgesehen von der erst
300 Jahre alten Gründung aus der Zeit vor der Zerstörung im Anfänge des XVIII. Jahr-
hunderts, nur sehr wenige Kunstschätze übrig geblieben sind. Nach dieser Zeit be-
ginnt aber eine besondere Kunstblüte der Stadt, welche über Karl Theodor hinaus
anhielt, und die auch auf dem Gebiete der Kleinporträtkunst Bemerkenswertes leistete.
Durch das Zurückgreifen auf diesen Zeitraum und durch den Appell an die Mann-
heimer Bevölkerung erhoffte man, den einen oder anderen bisher unbekannten Künstler
an die Öffentlichkeit zu bringen, oder Werke bekannter Meister, welche bisher sorgsam
als Familienschatz gehütet wurden, ans Tageslicht zu ziehen. Der Erfolg der Aus-
stellung hat den Veranstaltern Recht gegeben. Nicht nur, daß einige Künstler sozu-
sagen neu endeckt wurden, es fanden sich auch Stücke von kostbarem Werke, die
nun zum erstenmal einer entsprechenden Würdigung unterzogen werden konnten.
Manche bisher unsignierte Stücke wiederum konnten durch Vergleiche festgestellt
werden, andere endlich gaben dem Forscher neue Aufgaben, dem Sammler neues
Interesse.

Allerdings machte sidT hierbei der Umstand fühlbar, daß die bekannten großen
Meister der Kleinporträtkunst nidit vollzählig oder vielleidit audi nidit in vollwertigen
Stücken vertreten sein konnten. Für den weniger interessierten Besucher der Aus-
stellung bedeutet dies nicht allzuviel, der Fachmann aber wird reichlidi entsdiädigt
durdi eine Menge bisher noch nicht gesehener, vorzüglicher Werke.
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