Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Sammlungen s Ausstellungen

für ihn eine ganz besonders intime Würdigung
finden lassen.

Übrigens wird gegenwärtig in den Uffizien
Zentralheizung eingerichtet. Ä. G.

S

KÖLN-

Die Zuschrift des Herrn Prof. Fischer in Köln
(Heft 16 des Cicerone) richtet S'ch gegen die in
Heft 13 durchgesprochene Ansicht, daß durch den
beabsichtigten Einbau eines ostasialischen Mu-
seums in das Grundstück des Kölner Kunst-
gewerbemuseums die zukünftige Entwicklung
des letzteren unterbunden werde. Diese An-
schauung wird durch die Zuschrift des Herrn
Fischer nicht widerlegt oder entkräftet. Seine
Mitteilungen über Umfang, Wert und Bedeutung
seiner Sammlung und über deren unabhängige
eigene Verwaltung treffen nicht den Kernpunkt
der Sache. Unsere Ansicht gründet sich nur auf
die für das Kölner Kunstgewerbemuseum un-
glückliche Wahl des Bauplatzes. Das Kunst-
gewerbemuseum nimmt jetzt mitsamt dem An-
bau für die dem Museum geschenkte Sammlung
Schnütgen etwas mehr als drei Viertel des ver-
fügbaren Grundstücks ein. Das letzte Viertel
bot die einzige und die allein zweckmäßige
Möglichkeit einer künftigen Erweiterung des noch
jungen und bisher in ziemlich rascher Entwick-
lung begriffenen Kunstgewerbemuseums. Wenn
nun, wie beschlossen, in die unbebaute Ecke das
unabhängige, innerlich und äußerlich verschie-
dene ostasiatische Museum hineingeklemmt wird,
so ist es eben mit der räumlichen Ausdehnungs-
fähigkeit des Kunstgewerbemuseums ein für alle-
mal zu Ende. Und diese Tatsache halten wir
für bedauerlich. Herr Fischer meint zwar, daß
ein Anwachsen der Sammlungen wie in den
letzten zehn Jahren künftig ganz ausgeschlossen
sei. Warum, ist nicht recht einzusehen, denn
die verständnisvolle Förderung, die die kölnische
Stadtverwaltung ihren Museen zuteil werden
läßt und die großartigen Zuwendungen von
privater Seite, die gerade das Kunstgewerbe-
museum erhalten hat, eröffnen diesem vielmehr
die günstigsten Perspektiven. Es ist auch gleich-
gültig, ob eine Erweiterung schon in 15 oder
erst in 30 Jahren notwendig geworden wäre;
unter allen Umständen war es nicht weitblickend
und nützlich, sie ohne Zwang dauernd zu ver-
hindern. Für diese entschwundene Möglichkeit
ist die „Gelegenheit zu vergleichenden Studien
der altchristlichen mit der altbuddhistischen
Kunst“ doch nur ein sehr schwacher Ersatz.

e

545

LONDON :-

Die Tate Gallery hat das bekannte Bild:
„April Love“ des Prärafaelitennachfolgers Arthur
Hughes erworben, das 1856 gemalt worden ist.
Derselben Gallery ist ein Bild Wilson Steers
zum Geschenk gemacht worden. F.

S

PARIS — - .... .-

Im Museum Galliera ist eine Ausstellung von
bedruckter Leinwand zusammengetragen. In
einem Saal wird in sehr aphoristischer Form
eine Übersicht über die Entwicklung dieser
Kunstindustrie gegeben, die im XVII., besonders
aber im XVIII. Jahrhundert in Frankreich in
hoher Blüte stand. In Rouen, Marseille, Chätelle-
rault, Montpellier und Rouen bestanden ehe-
mals derartige Manufakturen. Die von Chri-
stophe Philippe Oberkampf 1760 in Jony ge-
gründete, wurde 1783 mit dem Titel „Königliche
Manufaktur“ ausgezeichnet. Der größere Teil
der Ausstellung ist modernen Schöpfungen ein-
geräumt.

* *

*

Die Societe des amis du Louvre hat ein
kleines französisches Bildnis aus dem Ende des
XV. Jahrhunderts erworben, das ein kleines,
weißgekleidetes Kind mit gefalteten Händen
darstellt. Es wird in dem Saal der primitiven
Franzosen neben den Clouets im Louvre auf-
gehängt werden.

AUSSTELLUNGEN

DIE ERSTE INTERNATIONALE
KUNSTAUSSTELLUNG
IN INTERLAKEN

Die Maler Ferdinand Hodler und Max Buri
haben im Auftrag der Kurgesellschaft Interlaken
den Versuch gemacht, in dem soeben vollendeten,
leider künstlerisch völlig verunglückten Kursaal
Interlakens eine internationale Kunstaus-
stellung zu veranstalten. In einem langge-
streckten, durch Zwischenwände in Kabinen ein-
geteilten Seitenlichtsaale sind die Kunstwerke auf
blauerWandbespannung nicht übel untergebracht,
89 Arbeiten von 77 Ausstellern, darunter aber
nur etwa ‘/r Ausländer, Deutsche und vereinzelte
Franzosen und Belgier, die alle ziemlich will-
kürlich zusammengekommen zu sein scheinen.
Man findet da Arbeiten von Max Liebermann,
Steinhausen, Max Feldbauer, Cissarz, Fritz von
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