Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 8

von Arbeiten organisiert: 1. Der Direktor des
Germanischen National-Museums, Dr. von Be-
zold, beginnt mit den Vorarbeiten für die Auf-
nahmen von Kirchenbauten des XVII. und
XVIII. Jahrhunderts; 2. der Provinzialkonservator
der Rheinprovinz, Professor Dr. Clemen, be-
reitet die Veröffentlichung der Kaiserpfalzen
und verwandter Bauten vor; 3. das Corpus der
karolingisch -ottonischen Elfenbeinar-
beiten wird von dem Professor der Kunst-
geschichte an der Universität Halle, Dr. Adolf
Goldschmidt, bearbeitet; 4. das Corpus der
deutschen Medaillen bis zum Ende des XVI.
Jahrhunderts ist dem Direktor des Königl. Münz-
kabinetts in München, Dr. Habich, anvertraut;
5. der Professor der Kunstgeschichte an der
Universität Wien, Dr. Dvorak, leitet die Ar-
beiten zu einem Corpus der karolingischen
Miniaturen; 6. der Leiter der öffentlichen
Kunstsammlungen in Basel, Professor Dr. G anz,
gibt sämtliche Zeichnungen Hans Holbeins
d. J. heraus, das Erscheinen des 1. Bandes wird
wahrscheinlich noch in diesem Jahre gemeldet
werden können; 7. der Professor der Kunst-
geschichte an der Technischen Hochschule in
Stuttgart, Dr. Weizsäcker, bereitet eine Ver-
öffentlichung der Werke Adam Elsheimers
vor; 8. der zweite Direktor des städtischen
Kunstgewerbe-Museums in Leipzig, Dr. Kurz-
wellg, wird die deutsche Bildwirkerei in
den Zeiten der Spätgotik und der Renaissance
(1450—1625) bearbeiten. Außerdem ist dafür
gesorgt worden, daß die Inventarisierung der
Bilderhandschriften, soweit sie für die Ziele des
Deutschen Vereins in Betracht kommen, in den
in- und ausländischen Bibliotheken durchge-
führt wird.

INSTITUTE und VEREINE

MÜNCHEN — --

Kunstwissenschaftliche Gesellschaft.
In der Monatssitzung vom 1. März sprach Herr
Buchheit über Gabriel Mächselkirchner, einen
bekannten Münchner Maler des XV. Jahrhunderts.
Mächselkircher, wie er richtig genannt wird, läßt
sich archivalisch zuerst 1453 nachweisen als der
„jung maister gabriel“, im Gegensatz zu Gabriel
Angler, dem Schöpfer des ehemaligen Hochaltars
der Frauenkirche. Von seinen äußeren Lebens-
umständen ist hervorzuheben, daß er seit Ende
der sechziger Jahre Ratsmitglied war und diese
Würde bis zu seinem Lebensende (1495) be-
kleidete. Von der künstlerischen Tätigkeit Mäch-

selkirchers haben sich Reste in der Galerie in
Schleißheim erhalten. Die dort aufgestellten
Tafeln, eine Kreuzigung und einige Heiligen-
darstellungen, stammen aus der Tegernseer
Klosterkirche, deren gesamte Ausstattung an
Altären aus seiner Werkstatt hervorging. Eine
Schule, wie nach ihm Pollak, hat Mächselkircher,
der noch in späteren Jahren seinem etwas an-
tiquierten Stil treu blieb, nicht ins Leben ge-
rufen.

Herr Dyroff berichtete im Anschluß an das
neu erschienene Werk von Herrn. Thiersch „Pha-
ros, Antike, Islam und Okzident“ ausführ-
lich über die Entstehung von Minaret und Mo-
schee. Die tektonischen Grundlagen des ägyp-
tischen Minarets seien im Pharos von Alexan-
drien zu suchen. Dieser von Thiersch auf Grund
seiner Beobachtungen in Äbusir ausgesprochene
Gedanke erhält eine besondere Stütze durch die
auch schon von anderen beobachtete Tatsache,
daß das Wort Minaret nichts anderes ist als
das arabische manara = Leuchtturm. Die Mo-
schee hat — in ihrer primitivsten Form — ihre
Grundlage irh altarabischen Hof. Die Zurück-
führung der ausgedehnten Säulenhalle bei dem
Typus der entwickelten Moscheebauten auf die
griechische Hyoga nach Thiersch ist denkbar,
jedoch wäre eingehender zu untersuchen, inwie-
weit sich Zusammenhänge mit der Disposition
des Atriums und besonders mit der Anlage des
ältesten Klosterhofes finden lassen.

Ein Bild von den Untersuchungen über das
Amykleion bei Sparta gaben eine Reihe aus-
führlicher Aufnahmen, die Herr Fiechter ein-
gehend besprach. Es handelte sich bei der For-
schung, die seit Furtwänglers Tod der Referent
leitete, weniger um Ausgrabungen als um die
Zusammenstellung der in eine Kirche verbauten
Werkstücke. Aus diesen Fragmenten ist nament-
lich ein für die Geschichte der Stilformen wert-
volles dorisch-jonisches Kapitäl hervorzuheben.
Sehr schöne Änthemnienfriese und verschiedene
Mutulusgesimse ermöglichen ein annäherndes
Bild von der reichen Ornamentierung des amy-
kleiischen Thrones.

Herr Stähl in wies bei einem Terrakotta-
diskus aus Tarent darauf hin, daß die auf ihm
in Hohlformen abgebildeten Göttersymbole eine
Ornamentierungsart bezeichnen, wie sie ver-
mutlich zur Herstellung liturgischer Brote, z. B.
für den Demeterkult, verwendet wurde,

Eine kleine Holzskulptur aus dem frühen
XVIII. Jahrhundert — möglicherweise eine Ar-
beit des Münchner Schnitzers Günther — zeigte
Herr Goldschmidt. Herr L. Schermann wies
eine Anzahl von japanischen Kupferstichen vor,
welche kulturgeschichtliche Bilder und landschaft-
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