Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Von den Auktionen s Kleine Nachrichten

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Vom 15. bis zum 18. Juni findet im Anti-
quariat von J. Halle die Versteigerung einer
ausgezeichneten Sammlung von Kupferstichen
der englischen und französischen Schule des
XVIII. Jahrhunderts statt. Es sind hier zahl-
reiche der berühmten Porträtstecher mit seltenen
Stücken vertreten. Weiterhin gelangen In-
kunabeln der Lithographie, Sport- und Jagd-
bilder, endlich englische und französische Hand-
zeichnungen undAquarelle desXVIII.Jahrhunderts
unter den Hammer. Der vorzüglich ausgestattete
Katalog enthält eine große Anzahl interessanter
Abbildungen und verzeichnet 1534 Nummern.

* *

*

Hugo Helbing. Eine Sammlung Gemälde
alter Meister, vornehmlich Niederländer, kommt
am 15. Juni zur Versteigerung. — Unter den
Landschaften fällt ein schöner Aelbert Cuyp auf.
Sodann drei Arbeiten Jan van Goyens, zwei
kleine Bilder von Pieter Nolpe, ein Jacob Ruis-
dael. Von Bedeutung sind ferner Landschaft
des Pieter van Asch,, zwei kleine Mirons und
Alexander Koninx. Unter den Winterland-
schaften sind drei dem Isaak van Ostade zu-
geschriebene Bilder, ein Claes Molenaer und
eine Arbeit des seltenen Hendrik de Myer zu
nennen. Von van der Neer ist eine Marine in
Mondschein vorhanden. Ferner Marinestücke
von Bakhuyzen, van de Capelle und Bonavetuur
Peeters. Auch das Sittenbild nimmt einen her-
vorragenden Platz in der Sammlung ein. Hier
finden sich Genrebilder von Cornelis, Bega, Pieter
de Bloot, Richard Brakenburgh, Abraham Die-
prem, Dirk Hals, Matthys van Helmont, Jan
Joseph Horemans, Johann Cornelisz van Loenen,
Mieris d. Ä., Sorgh und Toorenvliet. Auch die
Bildnismalerei ist in vorliegender Sammlung
entsprechend vertreten; hier finden sich auch
Franzosen und Engländer in guten Werken:
Miereveld, Pourbus, Ravesteyn, Netscher, Mo-
reelse, van den Tempel und eine Arbeit des
seltenen Gonzales Coques. Sodann ein Feld-
herrnporträt des Philippe de Champaigne und
ein Bildnis der Marquise deSevigne, dem Pierre
Mignard d. Ä. zugeschrieben. Wir erwähnen
noch die drei hervorragendsten englischen Bild-

nisse: William Dobson, Raeburn und Lawrence,
und bemerken, daß Moroni mit einem charak-
teristischen Bildnis und Ribera mit einem hl.
Joseph vertreten sind. — Interessenten seien
auf den durch 28 Lichtdrucktafeln (50 Repro-
duktionen) illustrierten Katalog verwiesen.

KLEINE NACHRICHTEN

London. Ein peinlicher Gerichtsfall regt den
Londoner Kunstmarkt momentan auf: Ein alter,
reicher Herr hatte sich u. a. von einem der vielen
sog. Kunsthändler, einem gewissen ArthurEllis, der
als Joseph Philpot in Bond Street einen Kunst-
laden führte, viele wertlose Porzellansachen, so-
genannte echte Meißner und Sevres, für z. T.
sehr hohe Summen aufschwatzen lassen. Nach
seinem Tode klagten seine Rechtsnachfolger, und
Ellis ist erfreulicherweise auch auf Herausgabe
der erschwindelten Beträge verurteilt worden.
Liebhaber und Sammler, deren eigene Kenntnis
noch nicht sehr sicher ist, müssen sich in London
überaus vorsehen, denn solcher „Händler“ gibt
es hier eine große Zahl. Der einzig sichere
Weg ist den Rat eines der bekannten und ver-
trauenswürdigen Händler in Anspruch zu nehmen.
Wie in diesem, keineswegs einzigen Falle, meinen
viele Sammler z. B. auch, daß, wenn der oder
jener Gegenstand bei Christie oder sonstwo im
Katalog als das oder jenes angeführt sei, müsse
er das auch unbedingt sein. Das ist aber keines-
wegs der Fall. Denn die Kataloge werden nur
nach den Angaben der Verkäufer aufgestellt
und abgefaßt, und diese halten natürlich alles
für echt und erstklassig. Christies drucken auf
jeden Katalog, freilich nicht gerade in sehr
großen, auffallenden Typen, wie es wohl richtig
wäre, sondern nur als Subparagraph unter ihren
Äuktionsbedingungen, unter V, daß sie für die
Zuteilung der Werke oder deren Echtheit usw.
in keiner Weise verantwortlich seien. Vorsichtige
Käufer nehmen darum auch stets die Hilfe wohl-
bekannter Firmen, Ägnews, Wallis,Shepherd usw.
in Anspruch; es ist und bleibt das, wie gesagt,
der einzig sichere Weg. F.

Nach Schluß der Redaktion.

Als Ergänzung zu den interessanten Mitteilungen unseres Londoner Redakteurs auf S. 361
dieser Nr. trifft soeben telegraphisch die Nachricht ein, daß das berühmte Bildnis Holbeins
„Catharina von Dänemark“ in letzter Stunde für England erhalten geblieben ist. Ein unbekannter
Mäcen aus Bristol hat 40 000 Pfund zum Ankauf des Bildes für die Nationalgalerie beigesteuert.

Der zweite Direktor des Germanischen Museums in Nürnberg. Als Nachfolger Stegmanns ist
soeben der bisherige Bibliothekar und Konservator des Germanischen Museums, Dr. Theodor
Hampe, zum zweiten Direktor daselbst ernannt worden. Unsere in Heft 8 bereits gemachte
Voraussage hat sich damit bewahrheitet.
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