Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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DERCICERONE

Halbnionät s s chrif t

FUR-DIE-lNTERES S EN -DES

Kunstforschers & Säavalers

I. Jahrgang 2. Heft 1909

Die Galerie Gaston von Mallmann in Berlin

Von Hermann Voss

Mit dieser vor etwa Jahresfrist zu uns übergesiedelten Bildersammlung hat Berlin
eine erstklassige, mit viel Geschmack und Kritik zusammengebrachte Gemäldehandlung
gewonnen, der von jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle her der beste Ruf vorauf-
eilte. Die Galerie von Mallmann ist keine jener altberühmten Sammlungen, an denen
Österreich so reich ist, aber viele der von dem Besitzer erworbenen Bilder haben eine
gewissermaßen erlauchte Provenienz; bei einer oberflächlichen Besichtigung schon fällt
die durchgehende hohe Qualität der Gemälde auf, während ein näheres Studium auf
andere Werke aufmerksam macht, die als Arbeiten seltener oder sonst garnicht vor-
kommender Meister besonders den Fachmann und Kenner interessieren.

Die Stärke der von Mallmannschen Galerie liegt in ihrem reichen Besitz an
späteren Niederländern. Aber auch die früheren Jahrhunderte sind in interessanten
Proben vertreten, und manches gute italienische Bild befindet sich ebenfalls in der Sammlung.

Von den Altdeutschen möchte ich in erster Linie ein Bild der bayerischen
Schule erwähnen, das bei dem jetzt so lebhaft erwachten Interesse für diese Schule
doppelt interessieren muß: die in Abb. 1 reproduzierte kleine Tafel mit den H. Florian
und Sebastian, die wegen des stark fühlbaren Schongauerschen Einflusses kaum
später als etwa um 1495 entstanden sein kann und durch die sehr persönliche Linie,
wie durch den Gegensatz des Panzers und des männlichen Aktes interessiert. Dann
ein paar Cranachs, davon das Bildchen „Venus und Amor“ und ein Porträt
Johanns des Beständigen über den Durchschnitt beträchtlich hinausgehen. Georg
Penz ist in einem charakteristischen, schon von Frimmel näher besprochenen Gemälde
stark italienischen Charakters, der „Lukrezia“ vertreten.

Von den frühniederländischen Bildern nenne idi aufs Geratewohl die schöne
Hemessensche „Madonna“, ein ziemlich früh anzusetzendes Werk (nach Friedländer),
ehemals eine Zierde der Sammlung Hoschek in Prag. Der sehr ungleichmäßige, oft
ganz manieristische Meister hat in größeren Verhältnissen kaum etwas ebenso Gutes
geschaffen. Zwei schmale Flügel von Joos von Cleef d. J. mit Stifterbildnissen sind

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